Versinkende Wörter beim Schopf gepackt

Dass Wörter außer Gebrauch kommen, versinken und vergessen werden, ist ein normaler Vorgang bei lebendigen Sprachen. Kaum jemand kennt heute noch: Zungenziegel, Nachtleiche, Biermörder oder mein Lieblingswort Eulenflucht. Diese Wörter waren einmal im Gebrauch und geläufig. Nachfolgende Generationen werden nicht mehr kennen: Pfennig und Groschen, Ärmelhalter oder Bandsalat, Wörter, die mit dem Sachbereich verschwinden. Weil unser Wortschatz aufgeschrieben ist, können versunkene Wörter wieder gehoben werden, so etwa Commerz, was noch in Commerzbank steckt. Der Duden hatte es ausgemustert, weils nirgendwo mehr verwendet wurde. In den 1960-er Jahre tauchte das Wort in der Wendung „Kunst und Kommerz“ wieder auf. Wir können also etwas gegen das Verschwinden mancher Wörter tun, solange sie den Wortschatz noch bereichern und die eigene Diktion saftiger machen. Versinkende oder aussterbende Wörter, die wir unbedingt weiter verwenden sollten [Bedeutung evtl. googlen]:

Afterweisheit = Schein-, Pseudoweisheit,
allda = ebenda, dort,
ausfenstern = ausschimpfen,
Beinkleid = Hose,
bolzengerade,
Bubenstück,
charmieren,
Nachtgeschirr,
nitschewo = macht nichts,
Ohrenbläser,
pardauz,
poussieren.

Ich bitte darum, mit mindestens fünf Wörtern der Liste eine Reizwortgeschichte zu schreiben und im eigenen Blog zu veröffentlichen, wobei die Reihenfolge der Wörter beliebig ist. Verlinke hierhin und sende mir bitte den Link zu deinem Text. Ich freue mich auf eure Texte und werde eine Linkliste anlegen, so dass wir nachschauen können, welche Wörter sich noch bolzengerade in den heutigen Sprachgebrauch einfügen. Meine eigene Reizwortgeschichte folgt um 00:01 Uhr. Liste der Reizwortgeschichten:

18 Kommentare zu “Versinkende Wörter beim Schopf gepackt

  1. Außer Konkurrenz:

    Sie stand auf ihres Daches Zinnen
    ganz bolzengerad‘ um zehn nach vier.
    Ein Jüngling kam herangeritten,
    stieg ab, verbeugte sich vor ihr
    und sprach: „Mein Charme ist allbekannt;
    charmieren will ich!“ – „Allerhand!
    Was für ein freches Bubenstück!
    Geh lieber einen Schritt zurück!“
    Sie holt das Nachtgeschirr heraus,
    leert‘s über seinem Kopfe aus.
    Der Jüngling schreit: „Pardauz, das stinkt!“,
    steigt auf sein Pferd (wobei er winkt)
    und reitet schmollend in sein Haus,
    zieht flugs sein nasses Beinkleid aus
    und denkt: „Will ich nochmal poussieren
    muss ich das pfiffiger probieren!
    Am besten ohne großen Stress:
    Ich schicke eine SMS!“

    Gefällt 5 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.