Alles Bio – Über Töne vom Erzeuger

Gelegentlich esse ich in einem Biosupermarkt zu Mittag. Das an der Bäckereitheke angebotene Menü ist meistens vegetarisch, preiswert, und ich sitze an einem der fünf Tische ruhiger als etwa im Marktcafé oder in der Mensa. Die Fachverkäuferin freut sich immer, mich zu sehen. Außerdem kann ich den Bio-Supermarkt fußläufig erreichen. Sonst gehöre ich nicht zu den Käufern im Biomarkt, sondern kaufe kleine Besorgungen im Supermarkt gegenüber, also nicht mehr bei Edeka, weil ich da die Verkäuferin mit den schönsten Augen nördlich der Alpen vermisse.

Die typischen Kunden des Biomarkts wirken auf mich ziemlich egozentrisch und benehmen sich im Selbstverständnis, eine bessere Sorte Mensch zu sein. Man wird unter denen niemanden im popeligen Pitbullsmoking treffen, an dessen Hosennaht in Riesenlettern ADIDAS steht. Die männlichen Kunden bevorzugen, einen gewissen Jack Wolfskin auf dem Buckel zu tragen.

Kürzlich, ich löffelte meinen feurigen Bohneneintopf, trat einer an die Theke, der trug auf seiner arschlangen schwarzen Jacke ein seltsames Logo. Der Mensch verfügt ja über drei Körperöffnungen zum Hervorbringen von Tönen, Nase, Mund und das Schallloch hinten unten. Just über dem Gesäß hatte die Jacke drei geschwungene Linien, mit denen gemeinhin Schall gekennzeichnet wird.

Ich weiß nicht, was der Designer der Jacke sich dabei gedacht hat. Ist das Symbol als Warnung zu verstehen? VORSICHT ARSCH TÖNT! Zeigen die drei Bögen Pupser an, von laut nach leise? Oder kann man mit der Jacke telefonieren, muss dazu aber das Ohr an den Hintern ihres Trägers halten? Dann sollte man sich besonders vor den leisen Tönen in Acht nehmen. Ich hörte zur Sicherheit auf zu essen, denn er stand höchstens drei Schritte vor mir und kaufte irgendein schwer verdauliches Brot, quasi neues Betriebsmittel für seinen speziellen Lautsprecher. Indem ich das Logo in mein Moleskinbuch zeichnete, fragte ich mich, welcher Clown ihn wohl geritten hatte, sich diese Jacke zu kaufen. Wer findet das gut? Analfixierte? Wikipedia belehrt: „Der ‚anale Charakter’ ist penibel, ordnungsliebend, zwanghaft, sparsam, starrsinnig usw.“ Dieses „usw.“ bedeutet vielleicht im speziellen Fall: “manischer Kunstfurzer” Zum Glück alles Bio.

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13 Kommentare zu “Alles Bio – Über Töne vom Erzeuger

  1. Lieber Jules,
    Schon seltsam wie da jemand die allgemeine Aufmerksamkeit auf seinen unten angebrachten Tieftöner lenkt. Gar ein CO2-Ausstoßbefürworter? Und sowas im voll klimakorrekten Bioladen? Das passt auf keinen Grünkernbratling!
    Sonnige Grüße,
    Amélie

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  2. Danke für Deine Warnung. Ich neige nämlich dazu, nicht auf die Beschriftungen meiner Mitmenschen zu achten. Ausnahmen mache ich bei Polizei, Notarzt oder Feuerwehr. Ich habe übrigens unlängst lesen müssen, dass in fast allen europäischen Sprachen sexualisiert geflucht wird, außer in der deutschen Sprache. Hier hat sich eine einzigartige Fäkalfluchsprache entwickelt. Eine Fäkalisierung sozusagen. Vielleicht besteht ja ein Zusammenhang? Ich forsche weiter.

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  3. Lieber Jules, wie gerne würde ich wissen, was sich der Designer dabei gedacht hat. Aber ich wäre wahrscheinlich enttäuscht. Dann wenn er sich gar nichts dachte, was durchaus möglich ist. Dann lieber deine Erzählung über einen mit Schallkennzeichnung am Steiß.

    Gefällt 1 Person

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