Die Wahrheit über den Eiermann

Gegen Morgen erzählte ich einen mir peinlichen Witz. Und gegen Schluss hin hatte ich schon die Pointe vergessen, vielmehr verdünnisierte sie sich, so dass ich den Witz nur zu Ende erzählte aus Gründen der Vollständigkeit und um meine Mutter zu widerlegen, die oft gesagt hatte, ich würde die Dinge nicht fertig machen. Die ganze Schöpfung scheint mir so ein Witz zu sein, dessen Pointe sich leise verdünnisiert. Und sie wird nur der Vollständigkeit halber zu Ende erzählt, bevor die Unterbeamten der galaktischen Registratur alles dicht machen und sich polnisch verabschieden. Keiner lacht. Wir haben ja nur die offizielle Version der Welterzählung. Auf Arte war der inzwischen 78 Jahre alte Eric Burdon zu sehen. Er wurde gefragt, was er mit dem Beatles-Song „I Am the Walrus“ zu tun habe. „Ich war der Eiermann“, sagte Burdon. Er sei mit John Lennon auf einer Sexorgie gewesen. „In einem Kühlschrank lagen Eier.“ Beim Sex habe er einen großen Hintern vor Augen gehabt. John Lennon habe gesagt: “Go on, go get it, Eggman!” Dann habe er, Burdon, auf dem Hintern ein rohes Ei zerbrochen.

Als Jugendlicher war ich begeistert von der B-Seite der Single „Hello, Goodbye“, worin der Eggman besungen wird, und da die offizielle Erzählung damals die sexuellen Eskapaden der Beatmusiker schamhaft verschwieg, verstand ich nur Unsinn, wurde vom Unsinn inspiriert und wurde der Mensch, der ich heute bin. Hätte ich mal gewusst, was es mit dem Eiermann auf sich hat, wäre ich heute ein anderer. So ist das. Wir alle kennen nur die A-Seite der Welterzählung und bauen unser Weltbild aus dieser offiziellen Version, die quasi im rechten Winkel zum wahren Geschehen steht. Und da es nie anders gewesen sein kann, hat sich im rechten Winkel zu den Tatsachen über Jahrtausende dieses gigantische Lügengebäude aufgetürmt, in dem die scheinphilosophischen Einfaltspinsel peripatetisch umherwandeln und was von der neuen Erscheinung „Fake News“ schwafeln.

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