Von Vögeln und Menschen

Ob die Vögel mit den Rufen der jeweils anderen Arten etwas anfangen können? Nehmen sie deren Flöten, Pfeifen, Tirilieren als etwas Verwandtes wahr wie der Mensch, der die verschiedenen Rufe unter Gezwitscher subsumiert? Oder versuchen sie die Rufe der anderen Arten auszublenden als störende Geräusche? Die Schreie der Graugänse am Annateich in Kleefeld jedenfalls sind eindeutig kein Vogelgezwitscher. Graugänse tönen wie der Lärm aus verbeulten Trompeten. Paarweise kommen die Gänse von angrenzenden Wiesen geflogen, schießen synchron über die Wasserfläche des Annateichs, um dann mit ausgestellten Füßen zu wassern. Warum sie dabei unentwegt schreien müssen, als ginge es ihnen an den Hals, man weiß es nicht. Aber da ihr Geschrei wirklich nicht angenehm anzuhören ist, wundert es nicht, dass man die Gans als Schlachtvieh domestiziert hat. Der Augenblick ihres Verstummens beim Halsumdrehen muss wunderbar sein. Da wird sogar mancher Vegetarier zustimmen.

Der Annateich in Kleefeld Foto: JvdL (größer: Klicken)


Ich weiß, dass die Graugans bei der Verhaltensforschung hoch im Kurs steht. Konrad Lorenz hat ihr Verhalten genau untersucht. Das Genaue aber weiß ich nicht, eigentlich nur, was der Cartoonist Hans Traxler als wertvolle Quintessenz herausgearbeitet hat:

    „Das interessiert den Forscher, den Alten,
    ob Gänse sich wie wir Menschen verhalten.
    Jawohl, sie tun’s, besonders die grauen
    Sind akkurat wie unsere Frauen.

    Mach ihnen den Hof,
    das finden sie doof
    Wende dich ab,
    das bringt sie auf Trab.“

    (Hans Traxler; Freud in der Krise)

Wie eingeladen landet eine fette Krähe auf dem Weg. Der Gang der Krähe wirkt immer ein bisschen arrogant. Sie wackelt stolz mit dem Arsch, obwohl sie nicht mal singen kann. Manche Menschen sind genauso. Die wackeln mit dem Arsch, tragen die Nase hoch und man weiß nicht warum. Die einzige Qualifikation, die sie vorzuweisen haben, ist stolzer Gang und hohe Nase. Unsereiner meint, er müsste etwas Besonderes leisten, aber das ist Quatsch. Arroganz und Arschwackeln reichen völlig, die Mitmenschen zu beeindrucken. Dass sie den Grund nicht kennen, schreiben sie ihrer Unwissenheit zu.

Zwei junge Frauen radeln vorbei. Die eine ruft: „Mein kleiner Bruder hat sich eine Sonnenbrille gekauft und sagt: ‚Charlotte, nenne mich jetzt bitte nur noch Mister Cool-Man!’“ Charlottes kleiner Bruder hat offenbar schon früh gemerkt, wie der Hase läuft. Nur ich will einfach nicht wahrhaben, dass wir sind wie die Graugänse, wo der größte Schreihals und sein Bürzel die meiste Aufmerksamkeit bekommen.

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