Nach einem Koma – Bitte nicht gähnen!

Was wäre, wenn die Menschen während des Tages gelegentlich zwanghaft in Gedanken versinken würden, wenn es unwillkürlich über sie käme wie etwa Niesen. Dieses Versinken in Gedanken wäre erkennbar daran, dass sie stünden, die Füße beieinander, die Hände seitlich angelegt, den Rücken gebeugt, gesenkter Kopf, die Augen geschlossen. Gewiss würde es als unfein gelten.

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Wolfgang sagte, neuerdings bezeichne man alle möglichen Filme gleich als „Kultfilm.“ Was bedeutet das? Vorausgesetzt, dass es sich überwiegend um gute Filme handelt, dann wäre es das: Die Leute scharen sich begierig um die raren Inseln der Qualität im Wust des Kitsches und machen gleich einen Kult daraus, weil sie sich sorgen, nach diesen Funden kämen keine weiteren mehr. Das wäre ein Beweis des Misstrauens gegenüber unserer heutigen Kultur.
[Wie schön konnotiert Wust mit Wüste. Die Wörter sind freilich auch verwandt Wust = Wüste.]

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Dazu: Milan Kundera: „Weil man unter allen Umständen gefallen will und größtmögliche Aufmerksamkeit erregen wollte, ist die Ästhetik der Massenmedien zur Ästhetik des Kitsches geworden, und in dem Grade, wie die Massenmedien unser ganzes Leben erfassen und durchdringen, wird Kitsch unsere tägliche Ästhetik und Moral. Bis vor kurzem hieß Modernismus: die nonkonformistische Revolte gegen Gemeinplätze und Kitsch, Heute wird die Modernität von den immens vitalen Massenmedien aufgesogen, und modern sein heißt, sich unheimlich anzustrengen, um zeitgemäß zu sein, konform zu sein, noch konformer als die Konformsten. Die Modernität hat sich in Kitsch gekleidet.“ [Die Kunst des Romans, 1986]

Man könnte denken, es liegt an abergläubischer Furcht, dass es der Phonoindustrie gelungen ist, die Ohren der halben Nation zu verstöpseln.

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Aus einer Diktat-Berichtigung (Junge, 6. Klasse): „Daß wird nach einem Koma mit ß geschrieben.

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[Tagebuchnotizen vom März 1991, Faksimile bitte klicken!]

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