Radfahrergeschichten (1) – Makadam

Einmal in den 1990-er Jahren fuhren ein Freund und ich mit den Rennrädern durch das Eifelvorland südlich von Düren. Die Dörfer dort haben seltsame Namen, kurze wie Thum und Thuir, lange wie Frauwüllesheim und Jakobwüllesheim. Wir wollten Frauwüllesheim mal sehen, waren aber in Stockheim. Deshalb sahen wir auf der Karte nach. Wenn wir nicht zurückfahren wollten, müssten wir über Bubenheim fahren. Der Weiler besteht aus einer Burg und einigen Häusem und ist mit Stockheim durch einen Wirtschaftsweg verbunden. Weil aber auf der Karte ein Stück des Weges einseitig gestrichelt war, argwöhnten wir, er wäre dort nicht asphaltiert, was schlecht wäre für unsere schmalen Reifen. Da kam ein faltiges Frauchen daher. Ich grüßte artig, zeigte ihr den Weg auf dem Plan und wollte sie befragen. Sie aber fand sich nicht zurecht. Offenbar hatte sie Stockheim noch nie von oben gesehen, so in Theorie. Vermutlich war schon die Idee ihr fremd, man könnte sich just mit Stockheim kartographisch vertraut machen. Unverdrossen deutete ich auf die Karte und fragte: “Was meinen Sie, ist der Weg befahrbar?” Da sagte sie:

    Hören Sie mal! Dä war früher asphaltiert.
    Ob dä dat aber immer noch is, dat weiß ich auch net.
    Fahren Sie besser über Jakobwüllesheim!

So ist das nämlich in Stockheim: Früher war mal alles asphaltiert. Makadam*), du verstehst – die ganze Gegend war voll davon. Aber heute? Vielleicht hat man den Asphalt stellenweise weggekratzt. Unterm Makadam ist der Strand, sagt sich der ausgeschlafene Stockheimer. Nachdem uns die alte Frau diesen Bescheid gegeben hatte, begab sie sich auf den nahen Friedhof. Wir aber klickten in die Pedale ein und fuhren gegen ihren Rat nach Bubenheim. Kaum auf dem Weg, erkannte ich fern die klassische Karrenspur, wo der Asphalt aufhörte. Bald rollten wir über Kies und Sand. Wir waren Jahrzehnte zu spät gekommen.

    *) Makadam, der oder das, veraltet für Asphalt; nach McAdam (* 1836), einem schottischen Straßenbauingenieur

Frau Wülles, Jakob und die Buben schneiden was. (Foto: Karl-Heinz Jansen via Wikipedia)

11 Kommentare zu “Radfahrergeschichten (1) – Makadam

  1. Guten Morgen lieber Jules!
    Für eine Tüte Macadamianüsse als Proviant wart ihr wahrscheinlich Jahrzehnte zu früh. Diese sind nach Johm Macadam benannt, einem australischen Wissenschaftler dessen lexikalische Relevanz hauptsächlich auf der Nussnamensfrage beruht.

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  2. Makadam…ein neues Wort für mich. Kürzlich dachte ich an dich. Als ich am Meer entlang fuhr und die Rennradfahrer verfluchte. Ich bin ins Rennen Mailand – Sanremo geraten. Die Strecke ist herrlich und ich hätte mir gewünscht, dass man die Straße an diesem Tag für Autos sperrt.

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    • Die Strecke ist sicher beliebt bei Hobbyfahrern. Viele sind sehr gut trainiert und fahren die gesamten 290 Kilometer. Zum Zuschauen des Radrennens Mailand-San Remo sind aber nur die letzten etwa 30 Kilometer interessant, wenn es zweimal von der malerischen Küstenstraße hinauf geht, zum Cipressa und nach Poggio di Sanremo. Schön, dass du an mich gedacht hast. Ich habe nachgeguckt: Im Italienischen gibt es das Wort auch, nur mit c „macadam.“

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