Gekritzelt – Transit in Nichts??

Knatschjeck
Junge Menschen umstehen ihre junge Lehrerin. Während ich nebenan auf einer Bank sitze und ein Eis lecke, höre ich ungewollt, worüber sie sprechen, nämlich über „Baywatch.“ Baywatch? Augenblicklich fühle ich mich unwohl und danke Gott, obwohl ich keinen habe, dass ich nicht in der Gruppe stehen muss. An derlei Gesprächen habe ich mich noch nie beteiligen können, fühlte mich sofort wie ein Außerirdischer, den ein böses Schicksal in eine Welt von Deppen verschlagen hat. Und es ist ja kein Entkommen. Doch selbst, wenn man mir für jede läppische Bemerkung zum Thema Fünf Millionen intergalaktische Credits geben würde, auf dass ich den Transit in intelligente Sektoren des Universums bald bezahlen könnte, selbst dann könnte ich nichts zur Unterhaltung über Baywatch, überhaupt zu Serien beitragen, nicht mal, um der hübschen Lehrerin zu gefallen.

Binge Watching
Sich durch Serien glotzen am Stück den Verstand zu veröden, heißt Neudeutsch „Binge Watching.“ Wenn das Fernsehen schon eine gigantische Verblödungsmaschine ist, wird es noch durch Video-on-Demand-Anbieter wie Netflix oder Prime Video getoppt. Sag bitte nicht: „Binge Watching ist toll! “ Manche bohren sich auch ein Loch ins Knie und säen Salat rein.

Reicht für die intergalaktische Tarifzone
Eben fiel mir ein, wie ich mich doch gewinnbringend am Gespräch über Baywatch hätte beteiligen können. Ich hätte sagen können: „Schade, dass es bei Baywatch so wenig Enthauptungen gibt.“ Das wäre schon die halbe Fahrkarte. Den Rest schaffe ich locker per Beförderungserschleichung.

Wir zwei Herren
„Frohen Herrentag!“, wünschte mir heute Morgen die Bäckereifachverkäuferin. Und ich sagte mechanisch: „Danke, gleichfalls.“ „Herrentag“ ist ja ganz was Neues. Alleweil ändert sich was. Heißt denn der Muttertag demnächst „Damentag?“ Und Christi Himmelfahrt wird Peterchens Mondfahrt? (Im Bild: Damen-, Herren- und Kindertag aus: SZ, 06/1994, Klicken)

Transit ins Leere?
Eine erschütternde wahre Geschichte las ich unterwegs. Am hübsch geschwungenen schmiedeeisernen Gitter eines Jugendstilhauses an der Davenstedter Straße hing ein eingeschweißtes Blatt, worauf zu lesen, dass im Haus zwischen 1975 und 1977 drei befreundete Physiker gelebt hatten, ein Ehepaar und ein weiterer Mann. Das Ehepaar habe seinerzeit gegolten als John Lennon und Yoko Ono der Physik. Man forschte gemeinsam an der Leibniz-Universität zur Relativitätstheorie. Der Ehemann ist dann verschwunden, seine Frau zog sich krank in ein Stift zurück.

Bei Spiegel online las ich, ein hochgeachteter Physiker der Harvard-Universität habe die Existenz unseres Universums angezweifelt. Vermutlich habens die Lindener Physiker schon 1977 herausgefunden.

Schon wieder Davenstedter Straße
Letzte Nacht, ich hatte mich gerade zur Ruhe gebettet, sah ich mich die Davenstedter Straße überqueren, und zwar, wo ein Heer von Arbeitern kürzlich Teilstücke der Gleise ausgetauscht hat. Ich sah meinen Fuß auf eine Schiene treten und spürte, wie er am frischen Teer ringsum festklebte. Da erschrak ich fürchterlich, und mein Fuß im Bett schnellte hoch und riss sich los. Zum Glück. Wer will schon einschlafen, derweil der Fuß an einer Straßenbahnschiene klebt?

Annegrets Himmelfahrt

Gestern dachte ich, mich gegenüber Kramp-Karrenbauer vielleicht zu harsch geäußert zu haben. Heute lese ich, dass sie demnächst an der dubiosen Bilderberg-Konferenz teilnehmen wird. Den weiten Weg von der Ortsvorsteherin des Saarlands hinauf zum geheim tagenden Zirkel der Mächtigen schafft nur eine mit dem unbändigen Willen zur Macht. Drum mit Recht zur Vorsicht gemahnt.