TV-Kritik: ESC – Nichts! Und darüber buntlackiert

Die Sängerin Madonna habe ihren Auftritt beim ESC „vergeigt“, „gepatzt“ habe sie, „die Töne nicht getroffen“, war allenthalben zu lesen. Das Viasko deutete sich schon an, wie sie die Showtreppe herunter kam, als müsste sie ihre Gehhilfe erst mal auf jeder Stufe abstellen. Die allseitige Häme trifft sie vermutlich, weil die 60-jährige Frau versucht hat, einen Zustand von vor 25 Jahren darzustellen. Dabei konnte sie nur ihr eigenes schlechtes Double sein. Ich hatte mich zuvor gefragt, womit sie wohl den unfassbaren Bombast des ESC versuchen würde zu toppen, Tatsächlich! Eine Augenklappe hatte niemand ihrer Möchtegern-Kolleginnen und Kollegen beim ESC, diesem TV-Show gewordenen Glitzerfummel einer Dragqueen. Stattdessen war wohl das lautstark jubelnde Saalpublikum auf beiden Augen geblendet. Und blind im Ohr war man auch. Selten solch eine schwülstige und lackierte Hohlheit gesehen bzw. gehört. Bei mancher Darbietung entrang sich mir der Seufzer: „Lieber Gott, lass es bald vorbei sein!“ Und ich bin noch nicht mal katholisch.

Da passte es, dass mit dem Segen des NDR eine Frau Barbara Schöneberger die Punkte der deutschen Jury verkünden durfte, diese blond gewordene Durchschnittlichkeit, der man auf keinem Kanal entkommen kann. Ich fürchte, wenn dieser Planet mal an seiner eigenen Blöd- und Verlogenheit zugrunde gehen sollte, wird Barbara Schöneberger den Weltuntergang moderieren und die apokalyptischen Reiter zu Tode quatschen, jedenfalls wenn der NDR Regie führt.

Mit folgenden Worten wird NDR-Musikredakteur und ESC-Stimme aus dem Off, Peter Urban, zitiert: „Unsere Kandidatinnen haben jeweils großartig gesungen. Das ist Fakt. Ich bin einfach sprachlos und verstehe es gar nicht. Dass man von Jurys wenig Punkte bekommt, okay. Aber nichts vom Publikum…, das kann ich nicht fassen. Mir fehlen so ein bisschen die Worte.“
Das sind doch der Worte schon ein bisschen zuviel.