Am schmutzigen Haus vorbei – Ich hole Brötchen

Viele Jahre bin ich morgens nur zum Bäcker gegangen, wenn ich eine Frau beherbergte. „Essen zu jagen“, ist ja eine biologische Konstante und vermutlich in den männlichen Genen verankert. Dass Frauen derlei Aktivität zu würdigen wissen, in den ihren. Seitdem ich erst um zehn Uhr frühstücke, habe ich mir angewöhnt, nur für mich Brötchen zu holen, was ein erst spät in meinem Leben einsetzendes Element der verantwortlichen Selbstsorge ist. Am Treppenabsatz grüßt freundlich die Frau von der Treppenhausreinigung. Sie wischt gerade die Fensterbank des Hoffensters.

„Machen Sie wieder alles schön?“, frage ich.
„Jaja, muss ja!“
Hier fällt mir keine Entgegnung ein, aber ich hätte natürlich „Dankeschön!“ sagen können, ich Trollo. Vor der Haustür wende ich mich nach rechts und strebe der Davenstedter Straße zu. Die Sonne müht sich durch einen Dunstvorhang, bietet jedoch genug Licht, um mich zu beflügeln. Eine groß gewachsene junge Frau quert eilends meinen Weg. Passend zu ihrer Hautfarbe trägt sie schwarze Strümpfe oder Leggins. Vor Jahren schon sagte meine Freundin Mimi. „Viele junge Frauen vergessen den Rock.“ Leggins ohne Rock darüber finde ich unschön. Das wirkt, als wäre die Strumpfhosenbande aus der Kita ausgebrochen. Eine Weile versuche ich Schritt zu halten so 20 Meter hinter der Frau, die den Rock vergessen hat. Doch sie ist zu schnell, will offenbar zur Straßenbahn und nicht erleben, wie die Bahn von hinten heranrollt und sie überholt. Bevor ich die Davenstedter überquere, schaue ich die Straße hinauf und hinab. Die junge Frau hat die Höhe der Haltestelle erreicht und quert ebenfalls.

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