Zwischen Fünf und Zehn und ein lachender Mund (1)

Die Uhr zeigte einen Lachmund, als ich heute Morgen zum zweiten Mal aufwachte. Das erste Mal wars fünf Uhr gewesen; ich hatte mich noch mal hingelegt, war wieder eingeschlafen, und wie ich aufwache, lacht meine Uhr mich an. Ja, ist denn die Zeigerstellung acht nach zehn, die den Lachmund markiert, nicht längst privatisiert und in den Dienst der Juweliere und Uhrenverkäufer gestellt? Doch doch, schon in der Frühzeit des Irrenparadieses der Konsum- und Warenwelt hat man diese harmlose Zeigerstellung für Werbe- und Verkaufszwecke vereinnahmt.

Was nämlich ein unglaublicher Glücksfall ist, aufzuwachen genau um acht Minuten nach zehn, einen Lachmund zu sehen und heiter in den Tag zu starten, haben die Händler und Schacherer entzaubert, indem sie die Zeigerstellung zum Regelfall gemacht haben. Grinsende Standbilder auf den Zifferblättern ausgelegter Uhren sollen die Kunden zu jeder Tageszeit günstig stimmen und zum Kauf anreizen. Es ist wie ein Topf mit vierblättrigem Klee, der einem zu Neujahr in den Supermärkten hinterher geworfen wird. Welch ein Glücksfall und welch eine Freude, wenn wir als Kinder auf grünen Wiesen ein vierblättriges Kleeblatt fanden. Kann man dieses Glück bannen, indem man vierblättrigen Klee in Töpfe sät und zwischen Knalltüten und Knallbonbons zum Kauf anbietet? Es gab ja eine Zeit, da wollte alle Welt eine Uhr mit Digitalanzeige haben. Da schien es, dass die Uhrenhändler das unschuldige Acht nach Zehn aus ihren Klauen lassen mussten. Aber inzwischen sind ja die Analoganzeigen wieder chic, und Digitaluhren ahmen das Ticken einer Unruh nach, die sie gar nicht mehr haben. Zunächst aber müssen sie zum Wohl der Uhrenhändler grinsen.

Zwischen Fünf und Zehn träumte ich etwas Seltsames. Aber die Schilderung des Traums ist einfach zu lang, so dass ich ihn vielleicht morgen nachreiche.

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