Am Ende der Hühnerleiter

Plötzlich verdunkelt sich der sowieso schon graue Himmel, Sturmwind rast, und es donnert. Ich stehe in meiner Küche und entdecke überrascht die Hühnerleiter. Sie führt hinab in einen quadratischen Raum, dessen Boden gestampfter Lehm ist, fraglos damit Hühner darin scharren können. Sie haben es schon ausgiebig getan, denn der Lehmboden ist aufgekratzt und bedeckt von hellem Staub. Mölm, heißt der in meiner Heimat. Hühner sind nicht zu sehen. Durch eine winzige quadratische Luke fällt graues Licht hinein. Ich steige hinab und werde von einem Mongolen empfangen. Er trägt eine pelzbesetzte Kappe und schaut grimmig. Ein böses Gesicht mit einem schütteren Schnurrbart. Der Mongole will raufen. Kurz stehen wir uns gebeugt gegenüber und halten einander bei den Schultern. Der Mongole tritt mir die Füße weg, und wir fallen in den Mölm. Ich schmecke Staub. Wir wälzen uns am Boden. Dann gelingt es mir, eine Beinschere anzusetzen. Der Mongole japst und gibt sich geschlagen. Wir kriechen auf dem Bauch durch das winzige Mauerloch nach draußen, ich voran, richten uns auf und klopfen den Staub aus unserer Kleidung. Ich schaue zurück auf das quadratische Loch. Es ist gerade mal schulterbreit. Ein einziges Bild habe Vincent van Gogh zu Lebzeiten verkauft. An seinen Arzt, und der habe es als Hühnerklappe benutzt. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt. Aber immerzu, wenn ich daran denke, stelle ich mir so ein quadratisches Loch in der Wand eines roh gemauerten Schuppens vor, verschlossen mit einem Gemälde von van Gogh. Mir missfällt der Gedanke, mich erneut durch das Loch zu winden. Aber mir bleibt keine Wahl, wenn ich zurück in meine Küche will. Derweil der Mongole seinen Durst aus einer Kuhtränke stillt, krieche ich zurück und steige die Hühnerleiter hinauf in meine Küche. Das Frühstücksei habe ich mir redlich verdient!

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