In eitlen Köpfen sieht es unaufgeräumt aus

„Missbrauchsgipfel“, schreibt Zeit-online. Gestern stellte Anne Will in ihrer Anmoderation zum Thema „Krisengipfel im Vatikan – wie entschlossen kämpft die Kirche gegen Missbrauch?“ gleich zwei „Missbrauchsbeauftragte“ vor, den der Bundesregierung und den der deutschen Bischofskonferenz, und merkte nichts von ihrer geistlosen Begriffsverwendung. Das ist Schreiben und Reden ohne Denken.

Guten Morgen, Zeit.online!
Was ist ein Missbrauchsgipfel? Der Gipfel des Missbrauchs, etwa der sexuelle Missbrauch von mindestens 31 Kindern auf dem Campingplatz Lüdge? Kann ja nur vorläufig gelten. Wir kennen quasi nur die Spitze des Eisbergs. Wenn schlimmere Fälle bekannt werden, muss der Gipfel neu vermessen werden.

Huhu, Anne Will!
Wozu braucht die katholische Bischofskonferenz einen „Missbrauchsbeauftragten?“ Wir lernen, dass auch der Klerus nicht mehr einfach drauflos missbrauchen darf. Damit beauftragen die Bischöfe jemanden. Es muss eben alles seine Richtigkeit haben in Deutschland. Darum hat natürlich auch die Bundesregierung einen „Missbrauchsbeauftragten.“ Die Frage, warum „Missbrauchsbeauftragte“ immer Männer sind, erübrigt sich – im Zirkus des schlechten Geschmacks.

16 Kommentare zu “In eitlen Köpfen sieht es unaufgeräumt aus

  1. Ich habe über zwei Jahrzehnte im Vorstand einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung unzählige „Fallbesipiele“ misbrauchter Kinder (nicht nur von Kirchen) protokolliert. Die Missbrauchsfolgen bleiben lebenslänglich und sind nicht „reparierbar“.
    Ich frage mich, wann diese „Kirche“ endlich als kriminelle Vereinigung erkannt wird und der Staat im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung und der Schadenabwehr entsprechende Maßnahmen gegen dieses Scheinheiligtum einleitet.

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    • Auf die Heiligkeit des Priesteramtes hat Papst Franziskus ja noch kürzlich hingewiesen. Mit diesem Anspruch hat man sich über Jahrhunderte unangreifbar gemacht und rückt auch nicht davon ab. Gerade gegenüber gläubigen Kindern lässt sich mit diesem Anspruch hemmungslos Gewalt ausüben. Darum wird man die Scheinheiligkeit niemals zugeben. Eine kriminelle Vereinigung hat sich zum Zwecke der Kriminalität verbündet. Soweit wollte ich nicht gehen. Ich verstehe aber gut, dass du aufgebracht bist, weil du so lange schon derlei Fälle von Missbrauch mitbekommen hast.

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    • Ja, es fehlt in unserer Gesellschaft noch immer die Sensibiltät für das Thema. Das zeigt sich auch an den populären Begriffen. Ich fand die Gesprächsrunde unerträglich, vor allem wegen der butterweichen Reaktion des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, so lautet der Titel des Mannes wirklich.

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  2. Du sprichst mir aus dem Herzen mit dem was Du sagst. Ich alte Katholikin bekam einen Brief von Erzhochwürden höchstselbst. Mit einer Entschuldigung der katholischen Kirche für ihre Vertuschung der Missbrauchsvergehen und Verschleierung verschiedener Verbrechen an Schutzbefohlenen, auch Frauen. Die Herren der Konferenz berieten sich ohne Frauen als Zeugen, so las ich in einem Onlinemagazin. Na ja, warum auch Frauen dazu einladen? Oder noch abwegiger: das Wort übergeben und zuhören.
    Missbrauchsgipfel.
    Das Wort würgt mich sprachlos.
    Liebe Grüße,
    Amélie

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    • Glücklicherweise gibt es bessere Gründe, dir aus dem Herzen zu sprechen, liebe Amélie. Aber für dich als Katholikin ist das Verhalten der Kirchenoberen sicher schmerzhafter als für mich, der ich dem Verein schon seit Kinderzeiten nicht mehr traue und folgerichtig vor 30 Jahren ausgetreten bin, für meine Begriffe zehn Jahre zu spät. Bei der Kritik an einer gedankenlosen Begriffsbildung in unseren Medien sind wir wieder eins. Ich glaube, dass sich darin auch mangelnde gesellschaftliche Sensibilität gegenüber dem Thema sexuelle Gewalt spiegelt.

      Ich grüße dich!

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      • Lieber Jules,
        Auch ich erwäge seit nunmehr 35 Jahren meinen Austritt. Dass ich noch meine katholische Evaklonrippenerbsünde mit mir herumschleppe liegt nur am Papst. Der Mann macht einen miesen Job, denn er könnte ja…reformieren und bewegen, endlich Gleichheit schaffen und die Adamevamär dahin verbannen wo sie hingehört: ins Reich der blühenden Phantasie eines allzu selbstherrlichen, vermutlich auch unter erheblichen Wein- und Weihraucheinfluss stehenden Evangelisten.
        Eine Reform der Bibel wäre dringend angesagt. Bei dieser Gelegenheit könnte der Koran gleich auch mit reformiert werden. Dann täte Reli den Frauen und Kindern nicht mehr so weh, es gäbe endlich Gleichheit und ganz nebenbei vielleicht auch einmal eine gesunde Idee für einen hübschen Frieden.
        Die katholische Kirche ist todkrank. Weltweit rennen ihre Schäfchen davon. Ich bin zwar keine ausdrückliche Atheistin aber genauso wenig eine blinde Gläubige und den hochheiligen Herrschaften der Kirche wächst der Widerstand über den Kopf. Warum ich noch ‚drin‘ bin? Weil ich wie viele Frauen nicht aufgeben mag und Hoffnung zeigen will für eine Art Gemeinschaftsprojekt. Doch meine Hoffnung schrumpft immer mehr. Zu widerlich, selbst gerecht, dogmatisch, eitel und menschenverachtend finde ich den katholischen Männerzirkus – schon seit immer und jetzt ganz besonders. Das ist echt der Gipfel🙈
        Hab einen schönen Dienstag, lieber Jules,
        grüßt (aufmüpfend) Amélie

        *(im Mittelalter hätten die Katholen mich auf jeden Fall als Hexe verbrannt😉)

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        • Liebe Amélie,
          Religionen scheinen mir weltweit mehr Schaden als Segen zu bringen. Die Reformierung von Bibel und Koran ist ein frommer Wunsch. Ich hoffe darauf, dass die Macht der Kirchen weiterhin schwindet, dass die Amtskirche einfach an Bedeutung verliert. Sie wird sich nämlich nicht ändern und darum verschwinden wie alles, was sich nicht bewegt.
          Schönen Mittwoch,
          Jules

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          • Lieber Jules,
            Seufzende Zustimmung….und ich mit meinen frommen Wünschen, das kann ich prima, ich weiß…
            Ich hoffe mit Dir und meine aber zu hören, dass die kritischen Stimmen lauter werden. Das macht mir Mut.
            Dir auch einen schönen Mittwoch,
            Amélie

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  3. Gipfeltreffen werden in meiner Wahrnehmung immer mehr zu Selbstinszenierungen Mächtiger, wo wenig bei rum kommt, außer, wir haben darüber gesprochen. Grundsätzlich halte ich viel von Gesprächen zu Lösung von Konflikten, Nach meiner Erfahrung braucht es manchmal auch mehrer Runden, zwischen denen allen Gesprächsbeteiligten auch sich selbst in Frage stellen, damit neue Wege möglich werden.
    Ich habe die Sendung nicht gesehen, verfolge das Thema, seit Jahren.
    Aus meiner Sicht, geht es dabei auch um Machterhalt, auch von Beteiligten und der einzigartigen heiligen katholischen Kirche, die auch immer noch glaubt, alles intern regeln zu können. Würde sie sich sonst selbst in Frage stellen?
    Interessant fand ich die Abschlußrede des Papstes, der darin in meinem Verständnis, das „Böse“ traditionell externalisiert und auf den „Teufel“ projektiert hat. Ich sehe darin einen organisierten Weg, der Nichtverantwortungsübernahme, eigener Anteile.
    Ob er und seine Mitmacher z.B. Hannah Ahrendt gelesen haben, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Dennoch bleibe ich gespannt, auf das, was nun geschieht. Werden weltweit Gläubige wütend? Fordern sie was ein? Stimmen sie mit deen Füßen ab und finden neue Wege?

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    • Mein Text ist ja vornehmlich Sprachkritik und richtet sich gegen gedankenlose Begriffsbildung in den Medien. Was die kath. Kirche betrifft, stimme ich dir weitgehend zu. Es gäbe nicht viel zu verhandeln, wenn grundlegende Struktruren verändert würden. Aber was war zu erwarten von einer Kurie, die 360 Jahre braucht, um Galileo zu rehabilitieren? Der rethorische Kunstgriff, die Verfehlungen dem Teufel in die Schuhe zu schieben, zeigt deutlich, dass man nicht wirklich bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe schon vor 30 Jahren mit den Füßen abgestimmt und bin aus dem Verein ausgetreten.

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  4. A priori ist ja bereits der geläufige Terminus »Kindesmissbrauch« unzutreffend. Nicht um die »missbräuchliche Verwendung von Kindern« handelt sichs dabei, wie etwa um Alkohol- oder Amtsmissbrauch oder die »missbräuchliche Verwendung der Lichthupe im Straßenverkehr«: der sogenannte »Kindesmissbrauch« ist Kinderschändung, nix anderes. Und der sogenannte »Missbrauchsbeauftragte« hat den Auftrag, gegen die Vertuschung von Kinderschändungsfällen anzutreten, warum also wird der nicht als »Schändungsbeauftragter« bzw. »Vertuschungsbeauftragter« betitelt – was sich nicht minder blödsinnig anhören würde.

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    • Danke für die zutreffende Ergänzung meiner Sprachkritik. „Missbrauch“ ist in der Tat ein unglücklicher Begriff, als gäbe es den legitimen Gebrauch von Menschen. Das Gefühl für dem Begriff innewohnende Vergegenständlichung ist leider durch den Sprachgebrauch abhanden gekommen, spiegelt aber gesellschaftliche Zustände. Viele Menschen müssen sich gebrauchen oder instrumentalisieren lassen. Ihr Verbesserungsvorschlag würde vielleicht vielleicht sensibilieren und derlei unglückliche Komposita verhindern.

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