Herrje! – Warum Gus Backus sterben musste

Früher konnte ich nur Regen machen. Ich habe mein Auto gewaschen, und wenn ich fertig war, setzte zuverlässig ergiebiger Landregen ein. Und jetzt ist Gus Backus gestorben. Das kam quasi so: Vor einer Woche saßen wir Leute vom HaCK und assozierte Freunde gesellig bei Herrn Putzig, weil unser Stammlokal, das Leinau3, noch immer geschlossen hatte, und über Putzigs Rechner lief die Playlist eines Streamingdienstes. Schon eine Weile gefiel mir die Musik nicht. Ich sagte: „Spiel doch mal was für meinen Musikgeschmack!“
„Was denn?“, fragte Herr Putzig keck, „Gus Backus?“

Gestern nun kramte ich im Keller meiner Textdateien. Und fand einen Text, den ich am 25.Januar 2010 um 19:29 Uhr abgespeichert hatte, und zwar über die Sauerkrautpolka von Gus Backus. Ich recherchierte im Internet, ob es einen aktuellen Anlass gäbe, den nochmals zu veröffentlichen. Sein Geburtsdatum war es nicht, ein Sterbedatum gab es noch nicht. Es wurde erst am Abend, wie gruselig, in der Tagesschau vermeldet. Ich hoffe, Gus Backus hat den Löffel nicht abgeben müssen, weil ich nach einem Anknüpfungspunkt für einen alten Text über Sauerkraut gesucht habe. Vermutlich handelt es sich nur um einen Fall von Synchronizität.

    „Als Synchronizität bezeichnete der Psychologe Carl Gustav Jung zeitlich korrelierende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind, jedoch als miteinander verbunden, aufeinander bezogen wahrgenommen und gedeutet werden.“ Wikipedia

Im 2. Weltkrieg nannten Engländer und Amerikaner die Deutschen verächtlich „Krauts“. Vielleicht hatten die Alliierten viele Deutsche beim Sauerkraut-einlegen, -stampfen, und -essen erwischt und die moderne Sage in die Welt gesetzt, der Deutsche ernähre sich überwiegend von Sauerkraut. Folgerichtig versuchte sich der ehemalige GI Gus Backus im Jahr 1961 bei den Deutschen mit der Sauerkrautpolka einzuschmeicheln. Zu spät. Die Westdeutschen waren längst ab vom Sauerkraut der Notzeiten, erlebten gerade das Wirtschaftswunder und aßen plötzlich Sachen, deren Namen sie nicht mal aussprechen konnten.

Gus Backus sang ersatzweise „Bohnen in die Ohren.“ Er gehörte nämlich zur Riege der amerikanischen Soldaten, die im Deutschland der Nachkriegszeit die singenden Clowns machen mussten, weil diese sogenannten Sonnyboys nicht wie Besatzung mehr wirken, sondern Botschafter der US-Kultur sein sollten. Elvis war so einer, als er auf Deutsch: „Muss i denn zum Städtele hinaus“ sang. Der Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey, ebenfalls als GI nach Deutschland gekommen, gab den krächzenden Spaßvogel (Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett). Alle sangen aus heutiger Sicht himmelschreienden Blödsinn, was gewiss die beste Weise war, amerikanische Lebensart in den deutschen Alltag zu transportieren. Ich war noch ein Kind, als das geschah, bin quasi mit Bohnen in die Ohren sozialisiert worden. Oder eben mit der Sauerkraut Polka. Ich bitte das bei der Beurteilung meiner Person und meiner Texte als mildernden Umstand zu berücksichtigen.


Ich esse gerne Sauerkraut und tanze gerne Polka,
und meine Braut heißt Edeltraut, die denkt genau wie ich.
Sie kocht am besten Sauerkraut und tanzt am besten Polka,
deshalb ist auch die Edeltraut die beste Braut für mich.

Ich sing die Sauerkraut-Polka, Sauerkraut-Polka Tag und Nacht.
Schön ist die Sauerkraut-Polka, weil ja sauer lustig macht.
ich sing die Sauerkraut-Polka und sage laut:
Ich bin nur für Sauerkraut und meine Braut gebaut!

1973 kehrte Backus in die USA zurück, galt in Deutschland zeitweise als verschollen und wurde sogar totgesagt. Gestern starb Donald Edgar (Gus) Backus wirklich im Alter von 81 Jahren in Germering nahe München.

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18 Kommentare zu “Herrje! – Warum Gus Backus sterben musste

  1. Ein Bekannter von mir hat ähnliche Fähigkeiten wie Du. Er kann Stars töten, einfach indem er sie mag. Es begann mit Elvis, den er als Dreikäsehoch für sich entdeckte, dann fand er Queen irgendwann ganz toll (armer Freddie, ich bin nicht sicher, ob ich das verzeihen kann) und auch Kurt Cobain mochte er gerne. Sein jüngster Coup war, soweit ich weiß, Amy Winehouse. Inzwischen hat er regelrecht Angst davor, Musiker gut zu finden (außer Bach, da ist sowieso nichts mehr zu machen). Er meint aber, man könne das zum Geschäftsmodell weiter entwickeln. Man kann bei ihm Sänger in Auftrag geben, die man echt nicht mehr hören kann, und er findet die dann – gegen eine angemessene Bezahlung, versteht sich – ganz toll.
    Rechtlich kann man da, glaube ich, nichts machen…

    Gefällt 2 Personen

      • Ja, das war einer der Vorschläge 🙂 – ich gehöre glaube ich zu den 0,001% aller Deutschen, die nie ein Lied von ihr gehört hat. Ich hab auch nie irgendwas von Justin Bieber gehört, aber zu meinem Erstaunen kenne ich ein Lied von Miley Cyrus. 😛

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        • Von Helene Fischer habe ich erstmals gehört, als Caroline Kebekus eine Parodie auf „Atemlos“ sang. Justin Bieber kenne ich nur vom Namen, Miley Cyrus, weil vor jetzt 11 Jahren die damals achtjährigeTochter meiner Exfreundin verückt nach Hannah Montana war.

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          • Helene Fischer hat die deutsche Stimme von „Moana“ gesprochen und gesungen. Ein Frevel, den ich ihr nicht verzeihen kann. Ich habe den Film bisher nur auch Englisch geguckt. Justin Bieber hat Tattoos und behandelt seine Tiere nicht gut. Ob er sonst noch was gemacht hat, kann ich nicht sagen. Und Miley Cyrus… ja, genau. Daher kannte ich sie auch.

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  2. Ich gehöre der sogenannten Kriegsenkelgerneration an. Ich kann fast alles ausprechen was ich esse. Ich darf aber nicht mit vollem Mund reden. Sauerkraut find ich super. Es hat viel Vitamin C. ☝Meine Kinder mögen leider es nicht. Ich habe Ihnen kürzlich erklärt, dass uns die Engländer früher krauts genannt haben. Hat sie zwar nicht sonderlich beeindruckt, stellt aber eine Synchronizität zu Deiner Geschichte dar. Zum Schluss wollte ich noch sagen: „Hab kein schlechtes Gewissen wegen Gus Bakus.“

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  3. Um etwa 1961/62 ließ sich meine Mutter von einem hausierenden Vertreter des Bertelsmann-Schallplattenclubs eine Mitgliedschaft, verbunden mit dem „günstigen“ Kauf eines „Schallplattenapparates“ bei niedrigen Raten selbstverständlich.
    Dabei hatten wir noch nicht einmal ein Radio.
    Der Plattenspieler musste aber in ein Radio eingestöpselt werden, damit er hörbar wurde, was erst bemerkte, als das Ding mit der Post ankam, und sie es doch ausprobieren wollte.
    Nachdem das Radio dann – ebenfalls auf Raten – gekauft war, konnten wir dann endlich „Schallplatten“ hören. Dabei hatten wir nur die Probeplatte vom Bertelsmann-Club und später dann auch gekaufte: Gus Backus mit der Sauerkraut-Polka, Pepito von den Los Machucambos und die Hämmerchenpolka von Chris Howland.
    Daran musste ich nun denken.

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