Plausch mit Frau Nettesheim – Matsch in der Birne

Frau Nettesheim
Ich sehe Sie nicht arbeiten, Trithemius.

Trithemius

Heute nicht. Ich wurde wach mit Matsch in der Birne. Entsprechend schwer fällt mir, einen klaren Gedanken zu fassen. Den ganze Tag schon.

Frau Nettesheim
Woran liegts?

Trithemius

Woher soll ich das denn wissen? Was wissen wir schon über die geheimen Abläufe in Körper und Geist. Man meint, Herr über sich zu sein, doch letztlich ist man wie ein Jockey, der versucht, einen widerspenstigen Mustang zu reiten.

Frau Nettesheim
Und manchmal geht der Mustang durch.

Trithemius

So ist es, aber woher wissen Sie das, Frau Nettesheim? Sie sind doch eine fiktive, digitale Person.

Frau Nettesheim
Ich muss ja nur Sie beobachten, wie sie spontane „Entschlüsse“ fassen und beispielsweise ein Erzählprojekt starten, obwohl Sie eigentlich nur ein Fragment veröffentlichen wollten.

Trithemius

Das beende ich vorläufig.

Frau Nettesheim
Wieso? Sie haben Erwartungen geweckt.

Trithemius

So ist das eben. Nicht alle Erwartungen werden erfüllt.Ich bin erschöpft. Aus dem Wunsch, authentisch zu schreiben, rutsche ich emotional in die Handlung, finde mich plötzlich in einem imaginären Spa mit einer Frau, die ich kenne und doch nicht kenne. Der Icherzähler versucht ständig, die Macht über mich zu gewinnen. Das kann ich nicht zulassen.

Frau Nettesheim
Sie wollen lieber Sie selbst im Hier und Jetzt sein?

Trithemius

Genau, wollen Sie doch auch.

Frau Nettesheim
Sie sein? Ich kann mich bremsen.

Trithemius
Das zeigt es mal wieder, Frau Nettesheim. Wird Zeit, dass ich zeichne, wie sich mir Ihr wahrer Charakter hinter der schönen Fassade darstellt:

Frau Nettesheim
Unverschämtheit!