18. Türchen – Versteinerter Mumpitz


Letztens fand ich unter meinen Textdateien diesen Text und wunderte mich: Den soll ich geschrieben haben? Im Leben nicht. Und siehe da, die Autorin fand sich am Schluss des Textes: Claudia Sand, eine liebe Blogfreundin aus Blog.de-Tagen. Ihren Text hatte ich bereits einmal abgedruckt, und zwar auf einem Kalender mit rückseitigen Texten, den ich im Jahr 2006 für die Firma meines Bruders gestaltet habe. Claudia erneut nach der Veröffentlichungserlaubnis zu fragen, ist ein guter Anlass gewesen, den Kontakt aufzufrischen. Also hier, Claudia Sand über Esoterisches:

Neulich hat mir Miram erzählt, dass sie bei einer Heilpraktikerin eine Rückführung gemacht hat. Rückführungen sind ja ein spannendes Thema, wenn man an Reinkarnation glaubt. Und wer wollte in seinem früheren Leben nicht gerne eine schöne Prinzessin, eine mächtige Zauberin, ein Pirat, ein König oder wenigstens ein schwerreicher Edelmann gewesen sein?

Sie hatte sich also schon auf sehr Abenteuerliches eingestellt und ließ sich bereitwillig von der Fachfrau hypnotisieren. Die Heilpraktikerin, die auch mit Engeln arbeitet und Channeling macht, was nichts geringeres ist als Botschaften von übernatürlichen Wesen zu empfangen, hatte sich vorher schon Miriams Hände angesehen und gemeint, dass sie eine sehr sehr alte Seele hätte. Außerdem stellte sie fest, dass die Neurodermitis ihres Sohnes aus einem Problem entstanden sei, dass Miriam mit ihrer Mutter hätte. Aber das nur nebenbei.

Zurück zu dem, was mich interessierte. Miriam beschrieb es folgendermaßen: „Ich lag da, konnte mich nicht mehr bewegen und hatte dauernd das Gefühl, dass etwas auf mich tropft. Es fühlte sich schwer an und war sehr unbehaglich, weil ich mich so gefangen fühlte. Aber ich hatte keine persönlichen Empfindungen. All meine Emotionen waren weg.“

Aha? Ich war ungeduldig, denn die alte Seele und die Probleme mit ihrer Mutter die sie neurodermitisierenderweise auf dem Rücken ihres armen Kindes austrug, interessierten mich brennend.

„Und? Was warst Du in Deinem früheren Leben?“ Bestimmt war sie eine böse Hexe, die just in diesem Moment als sie mittels Rückführung in ihrem alten Leben ankam, gefoltert wurde und dabei ihre Mutter verfluchte. Ich konnte meine Phantasie kaum noch bremsen.

„Ich war ein Stein.“ sagte sie beinahe tonlos.

Was? Ein Stein? Häää?
Wie kann man ein Stein sein? Was für ein Stein? Ein Granit, ein Kieselstein, ein Edelstein? Haben Steine Seelen? Wie ist Deine Seele aus dem Stein rausgekommen? Wo warst du als Stein? Was ist auf Dich getropft? Was war Deine Lebensaufgabe als Stein? Kann man als Stein die höchste Stufe des Nirvana erreichen? Die Fragen schossen mir wie Blitze durch den Kopf.

Aber ich stellte nur eine einzige: „Ein Stein?“

Ja, ja, sie wäre sich ganz sicher. Es hätte sich genauso angefühlt, als wäre sie ein Stein.
Ich sparte mir die Frage, woher sie wissen will, wie sich ein Stein fühlt und das Geld für eine Rückführung. (Claudia Sand)

16 Kommentare zu “18. Türchen – Versteinerter Mumpitz

  1. Oh ja, ich erinnere mich! Ich habe bald darauf meine sämtlichen esoterischen Ambitionen fallen lassen und mich wieder schnöden weltlichen Dingen wie Ernährung und Sport zugewandt. Seit ich allerdings Yoga mache, bin ich froh schon so lange Vegetarierin zu sein- der Gedanke im Rad der Wiedergeburt als Masttier auf fremden Tellern zu landen, behagt mir nicht.
    Danke für diese Erinnerung. :o)
    Claudia

    Gefällt 2 Personen

      • Nicht automatisch. Also ich glaube nicht daran, aber viele Yogis tun es- und essen trotzdem Tiere. Was ich wiederum nicht zusammenbringe- denn im Yoga gilt Ahimsa, was soviel bedeutet wie Gewaltfreiheit. Und das gilt eben für alle Lebewesen. Und wenn ich beim Töten kein schlechtes Karma anhäufe, wann dann?

        Gefällt 1 Person

  2. Reinkarnation ist nichts für Oberflächlichkeiten. Auch nichts für Hobby-Freuds. Nur, es wird gerne als das benutzt. Zur Erklärung der eigenen Unzulänglichkeiten. So wie die Kaiser und Könige sich gerne Hofnarren hielten, die denen nach deren Ideen redeten. Opportunisten sind immer goutiert. Wie schrieb schon Richard Bach treffend in „Illusionen“: „Führe deine Unzulänglichkeiten ins Feld, und ehe du dich’s versiehst, verbleiben sie dir.“

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  3. Niemand verbietet überhaupt etwas. Nicht einmal den Gedanken daran. Und wer daran keinen Gedanken verschwenden mag, der sollte es auch nicht tun. Verbote sind etwas für Haltlose, um daran Halt zu finden.

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