4. Türchen – Drei Reibekuchen vom Weihnachtmarkt



Die Gewalt der Karren, das gleichgültige Starren.
Wo ist die Kamera, die das für die Nachwelt bannt?

Weil ich auf dem Weihnachtsmarkt drei Reibekuchen essen will, muss ich am Imbissstand anstehen. Es macht nichts, um Essen anzustehen, wenn es nicht sein muss.

Angenommen, du stehst um Essen an vor der Tür des Armeleute-Ladens Die Tafel. Und du stehst nicht vorne in der Schlange, sondern ganz hinten an der letzten Stelle. Dann sorgst du dich, das heutige Warenangebot wäre vergeben, wenn du hinein darfst. Denn der Laden ist so klein, dass immer nur drei Leute gleichzeitig eingelassen werden. Die ganze lange Wartezeit hast du Unruhe, ob gleich noch was da sein wird.

Hinter dir fahren die fetten SUV durch Pfützen und spritzen dich nass. Na, macht nichts. Bist ja nur du. Die gut betuchten Insassen schauen gleichgültig raus und du weißt, die denken jetzt: Guck an, die Verlorenen, die um Essen anstehen müssen! Sie gucken dir alle auf den Rücken und die schlammbespritzte Hose, als wärest du ein Stück aus dem lebendigen deutschen Armutsmuseum. Bist du ja auch.

Da bin ich froh, dass mir die Imbissfrau gerade meine drei fettigen Reibekuchen reicht.

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14 Kommentare zu “4. Türchen – Drei Reibekuchen vom Weihnachtmarkt

    • Nicht annähernd. Es würde mich nicht in Existenzängste versetzen. Dass ein großer Teil unserer Mitmenschen von permanenten Existenzängsten niedergedrückt werden, ist schändlich und erbärmlich. Der feine Herr Spahn hat sich nicht einmal getraut, einen Monat von Hartz IV zu leben, dabei wärs auch nicht vergleichbar gewesen.
      Ich musste die Variationen der Vier selbst nochmal nachzählen. Interssant, die Varianten zu vergleichen, wie jede Vier ihren eigenen Charakter zeigt. Spektakulärer ist übrigens die Fünf, wie hier:

      (aus: Volontär Schmocks interessantes Magazin, Teppichhaus Trithemius, twoday)

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  1. Es hat Zeiten gegeben in denen ich zur Tafel gegangen bin. Angst, ob noch was da ist, hatte ich nie. Auch die Passanten machten mir nichts aus. Anstrengend fand ich das Gedrängel und Geschubse der Wartenden untereinander. Geärgert hat mich der überquellende Mülleimer neben der nächsten Bushaltestelle. Ich habe nein gesagt, wenn mir etwas angeboten wurde, was ich nicht mochte. Auch das gehört dazu.

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  2. Ich kenne die Tafel in Gelsenkirchen und ein paar Menschen, die dort tätig sind.
    (Un)Passend zu den heutigen Beitrag kommt die Meldung, dass die Duisburger Tafel durch vermutete Brandstiftung am Sonntagabend total zerstört ist. Auch Schlafsäcke, die an Obdachlose vergeben werden sollten, sind verbrannt. Viele Bedürftige, die von der Tafel mit Frühstück und Mittagessen versogt wurden, wissen nicht, wie sie durch den Tag kommen sollen.

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