Digitale Nachtwanderung Prolog

Prolog – womit die Verbindung zu den ersten beiden Lesenächten im Teppichhaus Trithemius hergestellt wird. In der Eifel in einer Höhle haben sie bengalisches Feuer gemacht. Dann erschallten die hellen weiblichen Stimmen im zauberischen Ruf: „Tikeliii – Tekeliii!“ und die Männer ergänzten: „Hattattu – hattattu!“, wodurch die Wanderer in eine Zeit nach dem Internet geworfen wurden.

er von Trittenheim trat an meine Hütt und sagt, dass er meine Dienst benötigt. Ich soll ihn auf einer Reis begleiten, so wichtisch, dass der Grund mein Horizont übersteigt. Ich frage: „Verdammisch, Herr Trittenheim! Was habe ich über meim Horizont zu suchen?“ Er ließ nicht locker und sagt, über meim Horizont da wär alls Gold und so. Da konnt ich nicht anders und musst dem Trittenheim sein Willen lassen. Er lacht und war froh, zu froh. Als er ging, köppte er aus Jeckerei einen der Hausgötter, die ich vor mein Tür aufgestellt hatte, damit kein Schaden in die Hütte kommt. Son Jartenzwerch aus Ton musst dran glauben. Wo krisch ich jetz nen Neuen her? Der Trittenheim hat auch den seltsamen Jeremias Coster überredet, an die Wand gequatscht, wenn du mich frags, und einer namens Nebenmann war auch dabei, der hatte aufm Buckel ein riesich handgeschrieben Buch, so eins, wo das Einbandleder in Hosenträger ausläuft. Das hieß „Mémoires sur l´air inflammable tiré de differentes substances.“ Frag mich nicht. Nur die zwei Sportler sin nich mitgekommen und lieber bei den Frauens geblieben, um zu scharmieren.

Nach einer echt langen Wanderung erreichten wir die Residenz des Bischofs von Maastricht, der das dicke Buch von Nebenmanns Buckel haben wollte. Wie der Trittenheim mit dem Bischof verhandelt, mussten Coster, Nebenmann und ich in der Bibliothek rumsitzen. Ein junger Priester hat uns bewacht und sah auf unsere Foten, wenn wir ein Buch berührten, als wären es seine Augäpfel. Coster war es nur um die Bilder zu tun. Er spinkst in ein Buch, darin Leut echt beim Fickeren zu sehen. Auf den meisten Bildern sah man der Nackten Einzelteile. Coster sagt, dass man die Einzelteil ‚Bildausschnitt’ nennt. Da war ich froh, dass man nur die Bilder und nicht den Nackten die Teil abgeschnitten hat. Mir brummt bald der Kopp von all den komischen Büch. Ich blätterte in eins, wo in den Buchstaben gespeichert war, wovon schon die Alten labern: Wie die Leut im fernen Neuiork den heiligen John Lennon tot gemacht haben und wie ihre Stadt zur Straf in die Wolken versetzt wurde, weshalb man ihre Häuser „Wolkenkratzer“ nannt. Auch las ich vom Teufelsbündler Zuse, der das schreckliche Ungeheuer gemacht hat, das wir Teutschen verhüllend „Rechner“ benamsen und dessen wahrer Nam nicht mehr genannt werden darf. Da stand, wie der schreckliche Amazonas zu uns rüber kam, die Land überschwemmt und unbewohnbar gemacht hat und dass ein gefährliches Fatzbuch musst verboten werden, weil es die Leut verhext hat, bis alle bekloppt waren und nur noch Götzenbilder von sich und ihrm Fraß gemacht haben. Nebenmann hat ein Buch gefunden aus sein alte Heimatstadt Aken mit ulkige Sachen: Zwei Marktweiber waren am zanken. Da hebt die eine nen Perdsköttel auf und wirft ihn der anderen mitten ins Gesicht. Ruft ihr ne dritte zu: „Halt ihn im Mund und geh zum Gericht!“ Wie wir am Lachen waren, musst der Coster husten wie verrückt, der Halunke!
Die Sonn stand schon bei Mittag, als wir wieder zum Bischof sollten. Der Trittenheim grinst, denn er war mit dem Bischof handelseinig. Wir mussten dem zum Abschied den Ring aus Widerständen küssen, von denen jeder mindestens 200 Ohm hatte. Mindestens, sag ich dir!

Zeichnung: JvdL

Als die Türflügel seines Empfangszimmers krachend hinter uns ins Schloss fiel, zeigten wir zur Vorsicht die Ableitgest gegen den Bischof, denn wir konnten drauf wetten, dass er uns verfluchen würde, diese hinterhältige Unk. [Foto oben: JvdL. Klick drop voor informatie]

Nächste Seite – Wo du mitkriegst, warum der Coster so gehustet hat und warum wir abhaun musstn

„Jank selfs nom Düvel!“, sagt Nebenmann. Das ist: „Geh selber zum Teufel!“

Wie wir auf den großen Vorplatz kamen, an den sich der Marktplatz anschließt, sahen wir die Leut stehen und aufgeregt zum Dach des Bischofssitzes zeigen. »De maschin gaat, de maschin gaat!», riefen sie sich zu, und immer mehr Volk versammelt sich und glotzt zum Dach rauf. Wir traten verwundert vor, bis wir eine zappelnde Vorrichtung oben aufm Dach sehen konnten. An einem Mast waren sechs Flügel befestigt, drei auf jeder Seit, die im rascher Wechsel ihre Stellung veränderten, wie die Arme und Beine vom Hampelmann, jedoch unregelmäßig, so dass mal sechs, mal fünf oder vier, aber auch nur ein Arm oder Bein zu sehen waren. Das ganze dauerte fünf AVE MADONNA lang, während alle auf dem Vorplatz gebannt nach oben geglotzt haben. Plötzlich rief einer: „Kijk, kijk! St. Pieter geeft antwoord!“

Und die Hälse reckten sich nach einem Hügel im Süden hin. Dort sahen wir eine ebensolch ‚maschin’, mausklein zwar, doch wir konnten erkennen, dass sie auch an zu zappeln fing.

„Ein Dillegraph“, sagt Nebenmann. Wir waren ratlos, was das bedeuten soll. Da tat sich plötzlich ein kleine Porz in der Mauer auf und heraus kam mit gerafften Pluten der Sekretär vom Bischof. Als er uns sah, schlug er einen Haken, um nicht an uns vorbei zu müssen. Nebenmann rief ihn, und als der Sekretär nicht antwortet, sprang Nebenmann hinterher und griff ihn beim Kragen.

„Was war das für ein Thiater auf dem Dach des Bischofs, Vater Clermont? Ist das etwa so ein Dillegraph, wie ihn der französische Herr Kappes erfunden hat?!“

„Würdet Ihr die Hand aus meinem Kragen nehmen, Herr!“

Nebenmann wurd verlegen und indem er sich räuspert, ließ er den Kragen los.

„Das ist in der Tat ein Dillegraph“, sagt der Sekretär und rafft seine Kutt zusammen. „Er befördert Nachrichten von hier nach dort, schneller als die Taube fliegt. Wir reichen mit unserem Arm bis zum fernen Paris hin.“

Wir waren baff. Der von Trittenheim sagt: „Dann verratet uns, welche Botschaft habt ihr eben zum Berg hin gezappelt?“

„Wir haben die Uhren gestellt“, sagt der Sekretär scheinheilig und rannt davon. Da ahnten wir, dass unser Rückweg nicht sicher war. Weißt du, wie man in einer stillen Bibliothek unbemerkt eine Seite aus einem Buch reißt? Klar, man guckt, ob niemand guckt, und im richtigen Augenblick hustet und reißt man gleichzeitig. Solche Halunkenstreich beherrscht der Coster wie kein zweiter. Der Trittenheim trieb uns zur Eil an. Er wollte das Land des Bischofs so schnell wie möglich verlassen und rief: „Coster, komm heran! Was trödelst du? Und warum kickst du dauernd unter dein Brustlatz?“ Wir blieben auf der Stelle stehen, denn der Coster wurde blass. Da spuckte ich dreimal auf unsren Pfad. Schon beim Bischof hat der Coster so seltsam gehustet. Bestimmt war das teuflische Fieber in ihn gefahren.
„Sauaas!“, rief Nebenmann, obwohl der Trittenheim es ihm verboten hat, weil’s die verhüllende Weis ist, den Gottseibeiuns anzurufen. Nebenmann hatte dem Coster hintern Brustlatz gelugt, und ich machte die Ableitgest, denn ich dacht, Nebenmann kriegt rote Ohren, weil er den Sauaas gerufen hat. Da riss der Trittenheim dem Coster den Brustlatz auf den haarigen Bauch. Ein Blatt fiel runter und schwebte mir vor die Füß. Mir fuhr es heiß in den Sack. Ich sah der Weibsen Gewoge! Und zwei pralle Dödel. Nackte Leut beim Fickeren! Und …

„Wo hast du das her!“, schrie der Trittenheim. „Du notgeiler Bock, du übler Gesell!“

„Aus der Bibliothek des Bischofs!“, rief Nebenmann. „Das heilge Buch mit Bildern, wie ich nie zuvor gesehen. Da ist kein Maler in der bewohnten Welt, der das malen kann!“ Trittenheim grabscht mir das Blatt aus den Fingern und hielt es dem Coster unter die Nas. Der Coster rollt mit den Augen und wollt es nicht gewesen sein. Trittenheim fuchtelt mit dem Gewoge, und dann stopft ers in sein Hos wie ein Sacktuch. „Wir sprechen uns noch, Coster!“, rief er, und: „Auf, auf, wir müssen weiter. Jetzt weiß ich, dass der Bischof von Maastricht uns nicht auskommen lässt!“ Das war der Grund, warum wir nicht die Straß nach Aken nehmen konnten. Da war ein rostger Pfad aus Eisen, der führte auf ein Mundloch zu. Ich konnte grad noch „Rappsraifessangai!“ rufen, da hat der Trittenheim uns schon hineingetrieben, und das finstre Maul verschlang uns.

Z E I T S P R U N G – Die aktuelle Wanderung über den Strategischen Bahndamm startet um 20:30 Uhr

Advertisements

12 Kommentare zu “Digitale Nachtwanderung Prolog

  1. Ich steh parat, Rucksack geschultert, jede Menge Futterage, Nähzeug für im Sturmdrang abgeschossene Buchsenknöppe hab ich auch dabei (check…), Pflaster, Bananen….
    Puh…Gut, dass mein Gewoge vorn dranpappt und nicht hinten. Sonst müsst ich den Rucksack ja vorn tragen, das sähe vielleicht bescheuert aus…. Bei den Männern wäre das verkehrte Gewoge noch viel fataler:
    Eingriff hinten. …uh….wenn ich das zu Ende weiterdenke…
    Ich geh dann mal los. Mit diesem Kopfkino hör ich nicht auf zu lachen und bin guter Dinge- bis gleich! Und zieh lieber ein Warmwollenes um den Hals, denn es wird knurpskalt heut Nacht…
    Flattrige Grüße von der Fee✨

    Gefällt 3 Personen

  2. Da war die Geschichte, die mir einfiel, als ich gerade deine las: in unsrem Dorf wurde zu 1908 ein höherer Kirchturm gebaut. Drum wurde der alte abgebrochen und an der Kirche das Stundenglöcklein abgesetzt. Damit es sich jeder anschauen konnte. Aus dem Nachbardorf kam des Nachts ein Altmetallhändler und der dachte, das Altmetall wäre zum Mitnehmen dort abgelegt gewesen. Er lud es auf seinen Pferdekarren und war weg. Das Dorf heulte auf ob des Diebstahls. Der Täter wurde gefasst und in seiner Werkstatt fand man die zerschlagene Glocke. Die Nachbardörfer machten sich darüber lustig und lange Zeit wurde über das Dorf gelästert, es lasse sich sogar deren Glocken vom Kirchturm stehlen. …

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Die digitale Nachtwanderung zum Nachwandern

  4. Pingback: Wider das Versinken der Dinge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.