Meuters Fluch – Gruselerzählung in Folgen (3)

Die hartnäckige Bosheit, mit der die Bissers den Kinomann verfolgten, strahlte bald auf die Wirtschaft aus. Nach und nach blieben die Gäste weg, was Bissers wiederum anstachelte, Meuters Verjagung voranzutreiben. Trotzdem hielt Kinomann Meuter eine Weile durch, bevor er sein geliebtes Kino bei Bissers aufgab und umzog in einen anderen Saal. Der gehörte zum „Dreckigen Löffel“, einer verkommenen Kneipe im Nachbarort. Ich erinnerte mich noch gut, wie wir an einem Sonntagnachmittag zum ersten Mal hinpilgerten, um „Kalle Blomquist, sein schwerster Fall“ zu sehen. Meuter hatte den Schuppen notdürftig mit Stoffbahnen ausgekleidet, die wackligen Sitzreihen blau lackiert, sprang wohlgemut auf die Bühne vor eine improvisierte Leinwand und hielt seinen Vortrag, ganz in der Gewissheit, dass jetzt eine neue Kinoära angebrochen war. Wir ertrugen seine Vorrede geduldig, denn wir waren es leid, uns in Bissers Kino von der biestigen Alten anschnauzen zu lassen, zu erdulden, dass sie mitten in der Vorstellung das Licht anmachen ließ, um Unruheherde ausfindig zu machen und den Rausschmiss anzudrohen. Und war es wieder ruhig, dann flammte das Licht erneut auf, weil sie in der Loge ein küssendes Paar entdeckt hatte. Derlei Unzucht ahndete sie durch sofortige Vertreibung aus dem Kino, die sie wie ein Racheengel überwachte.
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Meuters Fluch – Gruselerzählung in Folgen (2)

Mit zwölf schlief ich im Bett eines Toten. In dem Dachzimmer, das ich mir mit meinem älteren Bruder teilte, hatte zuvor der alte Vater von Hauptlehrer Schmutz geschlafen. Es lag ganz am Ende eines Speichers, der noch eine Treppe hinauf auf den Giebelboden hatte. In dieses Speicherzimmer abgeschoben, war der Alte dann irgendwann glücklich verröchelt. Das Bett hatte Hauptlehrer Schmutz bei seinem Auszug nicht mitgenommen und die Matratzen auch nicht. Sie waren dreiteilig, und es scheute mich, sie zu sehen, wenn das Laken abgezogen war. Das Zimmer hatte nur ein winziges Fenster in einer Dachgaube, durch das manchmal die Abendsonne schien. Meist lag es im Halbdunkeln. Abends lag ich im Bett, achtete darauf, dass der Lichtkegel der Taschenlampe auf der Türklinke blieb und hoffte inständig, dass mein Bruder zu Bett kommen würde.
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