Beckmesser und arme Socken – das Ergebnis unseres Rechtschreibunterrichts — Fehlerwoche (6)

Bei meiner Beschäftigung mit dem Mannheimer Duden (es gab bis zur Wiedervereinigung auch den Leipziger Duden) entdeckte ich in der 19. Auflage von 1986 auf Seite 24 einen Fehler, nämlich „Aufrufezeichen statt „Ausrufezeichen.“ Es war mir ein Vergnügen, diesen Fehler der Dudenredaktion unter die Nase zu reiben. Man hat sich nur schmallippig bei mir bedankt und angekündigt, den „ärgerlichen Fehler“ in der nächsten Auflage zu bereinigen. Auf „die diebische Freude einen Tippfehler gefunden zu haben“, hat Kollegin Mitzi jüngst hingewiesen, was natürlich in erster Linie für Drucksachen gilt. Wo Fachleute am Werk sind, die für ihre Arbeit bezahlt werden, dürfen wir mit Recht korrekte Ergebnisse erwarten. Denn Fehler in Drucksachen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, rufen den Lesenden zu: „Huhu! Hier bin ich!“ und verändern manchmal sogar die inhaltliche Interpretation.

Als im Jahr 1968 die Firma Hulstkamp ihren Korn bewarb mit „Hilft dem Vater auf das Fahrad“, erregte das fehlende R in Fahrrad sofort Aufmerksamkeit. Ich erinnere mich nach nun 50 Jahren noch an Spekulationen, die Fehlschreibung sei Absicht, denn Hulstkamp könne nicht ernsthaft empfehlen, alkoholisiert Fahrrad zu fahren. Der Slogan wurde drum sexuell verstanden. Die Vorstellung, dass Mutter unter einem alkoholisierten Suffkopp ihre ehelichen Pflichten erfüllt, fand man damals noch witzig.
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