Plausch mit Frau Nettesheim – über Seife


Frau Nettesheim

Hat sich Ihre Aufregung wegen der DSGVO gelegt, Trithemius?

Trithemius

Sie tun mal wieder ganz abgeklärt und unbeteiligt, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Ich bin ja auch nicht involviert.

Trithemius

Weil Sie eine fiktive Gestalt sind.

Frau Nettesheim
Ich bevorzuge den Terminus „literarische Kunstfigur.“

Trithemius

Da fängt es schon an. Dann gefällt Ihnen sicher auch nicht, wenn ich ausplaudere, dass ich Sie auf dem Flohmarkt gefunden habe.

Frau Nettesheim
Unverschämter Patron, ich geben Ihnen gleich „Flohmarkt!“

Trithemius

Doch, der Wahrheit alle Ehre. Ist schon eine Weile her, da bummle ich über die Aachener Pontstraße am Zeitungsmuseum vorbei. Das Portal steht offen, und man lädt zum Flohmarkt. Da entdecke ich einen Stapel alter Ausgaben der Illustrierten „Kristall“ aus den frühen 1950-er Jahren, deren Design mich fasziniert. Hab so viele gekauft wie ich tragen konnte. Beim Durchblättern fand ich Sie, Frau Nettesheim. Sie warben, glaube ich, für Seife. Ich habe mich auf der Stelle verliebt!

Frau Nettesheim
In Seife? Ich habe schon immer vermutet, dass Sie abseitige Vorlieben haben.

Trithemius

Aua, das war jetzt nicht nötig, nur weil ich ein bisschen geplaudert habe, quasi als Überleitung von der doofen DSGVO wieder zu interessanteren Themen.

Frau Nettesheim
Dann sind wir also damit durch, der Herr?

Trithemius

Nur eines noch, um was klarzustellen: Wenn es darum gegangen wäre, die Daten ihrer Bürger zu schützen, hätte eine so wunderbar fürsorgliche Bundesregierung das Geschäft der Abmahner gesetzlich eingeschränkt. Da es nicht geschah, war ihnen daran gelegen, ein Bedrohungsszenario aufzubauen. Und dass dadurch der schwer zu kontrollierende Freigeist in der Blogosphäre geschwächt wird, ist doch schon ein Erfolg, für den man Jan Philipp Albrecht mit einem Ministerposten in Schleswig-Holstein belohnen kann. So läuft das politische Geschäft in einer neoliberalen Demokratie.

Frau Nettesheim
Jetzt ist aber Schluss. Reden Sie lieber weiter über mich!

Trithemius

Sie mal wieder, hihi.

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16 Kommentare zu “Plausch mit Frau Nettesheim – über Seife

  1. Der Freigeist in der Blogosphäre war den Mächtigen schon immer ein Dorn im Auge. Es geht nie/nicht um den Schutz des Bürgers. Zum Glück gibt es Einige, die sich nicht einschüchtern lassen.

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    • Deine Blogeinträge waren sehr hilfreich, das steht außer Frage. Ansonsten bleibt das Thema der Datensicherheit immer nur nebulös und immer nur ein Bedrohungsszenario, welches wie ein Damokles-Schwert über einem selber zu hängen scheint. Nur ein Letztes noch zu dem Thema: eine Rechtsanwaltskanzlei in Alsdorf hat sich auf IT- und Datenrecht spezialisiert. Dort findet sich informatives und sicherlich sind die der Rechtsberatung nie abgeneigt. Zur Impressumspflicht findet sich unter dem nachfolgenden Link (https: //www.ferner-alsdorf. de/ thema/ impressumspflicht/) recht aufhellendes

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      • ich danke dir für den von mir zitierten Kommentar, der die Sache ein wenig versachlicht. Du hast mich überzeugt, dass es primär um das Bedrohungsszenario geht. Dem nicht weiter aufzusitzen, ist eine vernünftige Verhaltensweise. Danke auch für den Link, von dem wir nur hoffen können, ihn niemals zu brauchen.

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  2. Ich habe eben mal 50-er-Jahre-Werbung angesehen, weil mir Frau Nettesheim immer schon so gut gefällt (Hallo, liebe Grüße an Sie!). DIE Werbung habe ich nicht gefunden, aber dafür welche mit ihren hunderten von Zwillingsschwestern, alle in Hektik, weil „Peter“ gleich nach Hause kommt und das Essen nicht auf dem Tisch steht, der Anzug nicht sauber ist und sich noch Staubfusseln auf dem Boden befinden. Einige von ihnen scheinen auch gar nicht gut gerochen zu haben (was aber mit dem richtigen Deo-Stift dann auch kein Problem mehr war).
    Ich muss aber sagen, dass „Deine“ Frau Nettesheim Deine Liebe in besonderem Maße verdient. Sie sieht, obwohl zweifellos ein williges, unterwürfiges Geschöpf ihrer Zeit, unter all ihren Doppelgängerinnen wirklich als einzige so aus, als wäre sie in der Lage, „Peter“ die Seife oder den Deostick in den Hals zu stopfen um sich in Ruhe der Philosophiererei mit Dir weiter widmen zu können.

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    • Du hast Recht, Zeitschriften und bes. die Werbung aus dieser Zeit offenbaren ein nahezu gespenstisches Frauenbild. Dazu gehört auch der horrormäßige Arzt, der „Mehr Freizeit für die Frau“ fordert.

      Leider stapelt sich die Kristall noch irgendwo im Keller in einem Karton, so dass ich nicht nachschauen kann, aus welcher Werbung genau das Foto von Frau Nettesheim stammt. Es ist sehr schön, was du über sie sagst. Wird sie freuen.

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      • Ich muss dazu anmerken, dass ich nichts gegen den Namen „Peter“ habe, sondern dass ich tatsächlich vorhin eine Werbung fand, in der eine Frau in Panik war, weil Peter gleich nach Hause kommen würde und zu befürchten war, dass er meckern würde, da er seine Würde als Haushaltsvorstand in Gefahr sehen könnte, weil die Gattin die falsche Seife / die falsche Würzmischung / das falsche Klopapier gekauft hatte. Oder so ähnlich.
        Der Arzt ist wahrlich gruselig. Was will er tun, um der Frau mehr Freizeit zu verschaffen? Sich von ihr scheiden lassen?

        Gefällt 2 Personen

  3. Also: Einer Dame ins Gesicht zu werfen, sie wäre eine Kunstfigur, halte ich für… mindestens äußerst gefährlich. Ich jedenfalls würde mich das nicht trauen. Und sei es nur wegen der Gefahr, von ihr eines wunderbaren Abends bei einem Glas Wein und romantischer Abendkühle gefragt zu werden »Um noch einmal kurz auf den Begriff ‚Kunstfigur‘ zurückzukommen…!«
    Du wirst schon sehen, was Du davon hast! Und ich garantiere Dir, daß Du das gar nicht sehen willst, was es dann zu sehen gibt.

    Ganz abgesehen davon möchte ich Frau Nettesheim recht geben. Aus Erschöpfung und wegen Sinnlosigkeit sollten wir das Thema bis auf weiteres in die zweite Reihe schieben. Und wenn wir alle noch so recht haben!

    Neulich zum Beispiel habe ich mir beispielsweise überlegt, daß eine kleine Geschichte »rund um den Kaschuberberg (oder wie immer der Hügel heißen will)« durchaus Potential hätte.
    An einem dieser ganz oben genannten Sommerabende, eine Bank auf dem weiter unten genannten Hügel und erbauliche Erzählungen über alles, was sich die letzten 800 Jahre auf ihm und um ihn herum ereignete. Das war ja nicht nur Karl, der beknackte ,neuzeitlich gerne mit „IV“ abgekürzt, der sich auf der Flucht vor den Häschern des Papstes dort den Schweiß abgewischt hatte – obwohl dieses Ereignis einen festen Platz in den Annalen des nahem Städtchens Karlsbad (nach dem Gleichnamigen. Typisch, wie vollkommen unwichtige Anlässe in der Geschichte zu den ungeheuerlichsten Übertreibungen in den Geschichtsbüchern führen! Allerdings hat der Kerl transpiriert wie ein Schwein und auch ein Bad hätte ihm – und seiner näheren Gesellschaft – sicherlich gut getan, aber deswegen gleich den nächstliegenden Weiler in Karlsbad umzubenennen?) bewahrt hat.
    Übrigens tauchte nur ein paar hundert Jahre später dieser Berg, der, seien wir ehrlich, nicht einmal in den billigsten Schmuddelblättern von Alpinisten als solcher bezeichnet werden würde, in den großformatigen Aufmarschplänen (des von allen kriegsführenden Parteien verlorenen neunjährigen Krieges – auch das wieder symptomatisch: Es ist puren Gift für die Hinterlassenschaft in der Geschichtsschreibung, wenn niemand irgend etwas gewinnt!) des berühmten preußischen Generals Freiherr Talismann v. Hurz mit dem handschriftlichen Vermerk »weiträumig umgehen!« (sīc erat scriptum!) auf.
    An Deiner Stelle, lieber Trithemius, würde ich mir lieber konstruktive Gedanken darüber machen, wie man solch bei erstem Anschein trockenen Stoff so aufbereitet, daß man ihn mit einem Glas Wein bei romantischer Abendkühle der sehr verehrten Frau Nettesheim langsam, wie unauffällig näherrückend, und zu Schluß beinahe schon ins Ohr flüsternd nahebringt. Gurrende Geschichte, der langsam aufgehende Mond und sie hält ihre Hand schon so lang wie meine Sätze auf Deinem Knie. Bis zu diesem einen Satz: »Um noch einmal kurz auf den Begriff ‚Kunstfigur‘ zurückzukommen…!«

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    • „Fiktive Gestalt“, hatte ich Frau Nettesheim genannt, „Kunstfigur“ sind ihre eigenen Worte, wobei „fiktive Gestalt“ zugegeben noch ein bisschen uncharmanter ist. Aber was ich auch schreibe, an ihrem makellosen Bild rüttelt es nicht. Ein romantische Abend mit Wein steht leider nicht an, denn es ist unser Prinzip, bei aller Zuneigung einen professsionellen Abstand zu wahren, um das prickelnde intellektuelle Spannungsfeld zu erhalten. Den von dir launig ins Spiel gebrachten Kaschuberberg habe ich eben vergeblich gegoogelt, auch nicht in der Gegend von Karlsbad, hihi, gefunden, aber mich ein wenig in der Geschichtsschreibung dieses Ortes verloren. Derzeit steht mir der Sinn noch nicht nach phantasievollem Geplauder im Mondlicht, und Frau Nettesheims Hand auf meinem Knie geht wie eingangs begründet schon mal gar nicht.

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