Zum Abschluss der Teestübchen Briefaktion

Mit dem Internet und dem Medium Blog bekam der Mensch die Gelegenheit, seiner real fassbaren analogen Identität eine imaginäre digitale Identität hinzuzufügen und mit ebensolchen Identitäten zu kommunizieren. Welche Gemeinsamkeiten analoge und digitale Identität haben, also welche der digitalen Merkmale auf die analoge Identität verweisen, ihnen sogar real entsprechen, lässt sich von außen nicht beurteilen. Theoretisch kann eine Frau sich als Mann ausgeben oder umgekehrt, oder ein Mann kann sich eine zweite Identität als Frau schaffen und mit ihr in einen Dialog eintreten, wie es in diesem Blog mit Trithemius und Frau Nettesheim geschieht. Da das Medium der Kommunikation die aus der analogen Welt stammende Schriftsprache ist, kommt digitaler Kommunikation eine gewisse Form der Glaubwürdigkeit zu. Gleich einer Theaterbühne wird in den verschiedenen Blogs ein Stück aufgeführt, dessen Autor und Dramaturg die oder der jeweilige Blogbetreiberin/Blogbetreiber ist. Wie ein Theaterpublikum akzeptieren die lesenden Zuschauer das So-tun-als-ob, reagieren darauf mit ihrem realen analogen Verstand und ihrem Gefühl und äußern sich fernschriftlich dazu, treten ggf. in einen zeitnahen Dialog mit dem Stück und der Person dahinter ein. Da sie selbst als imaginäre Individuen agieren, kann sich jeder Austausch auf dieses imaginäre So-tun-als-ob reduzieren.

Das Unterscheidende mithin Trennende zwischen digitaler und analoger Welt, die damit verbundene Anonymität der handelnden Personen aufzuheben, ist ein Schritt, der vom Medium weder gefordert noch begünstigt wird. Trotzdem habe ich in 13 Jahren Bloggen immer wieder den realen Kontakt in der analogen Welt zwar nicht unbedingt gesucht, doch gebilligt. Nach meiner Zählung habe ich in dieser Zeit 21 Bloggerinnen und Blogger real getroffen, woraus sich unterschiedlich intensive Kontakte in der analogen Welt ergaben, zum Teil auch wieder verloren gingen, denn ein Wesen der digitalen Fernkommunikation ist die räumliche und zeitliche Trennung der Akteure.

Fernkommunikation ist auch in der analogen Welt möglich, durch Fernsprecheinrichtungen oder durch Briefpost. Mit den realen Personen hinter den digitalen Existenzen in brieflichen Kontakt zu treten, also „einen kleinen Spalt in der Mauer der digitalen Welt“ zu öffnen, „durch den man einen Blick von den mitbloggenden Personen aus Fleisch und Blut erhaschen konnte“, wie Blogfreund Lo es ausdrückte, war neben dem gestalterischen Aspekt Ziel und Ergebnis der Teestübchen-Briefaktion. Es haben sich fünf Bloggerinnen und ein Blogger beteiligt. Die Ergebnisse sind sehenswert und unter dem Link nochmals zu betrachten.

Lo
Feldlilie
Frauhemingistunterwegs
Lamamma
Karfunkelfee
Socopuk

Bleibt noch mein Part. Da Lo und Lamamma jeweils Porto (4,80 und 5 Euro) gespendet haben, will ich anders als ursprünglich vorgesehen, weitere Ansichtskarten herstellen lassen und jedem/jeder TeilnehmerIn ein Ansichtskartenset von vier Karten brieflich zusenden. Ich bitte euch, aus den 12 folgenden Karten vier auszuwählen (auch identische möglich). Die Karten zeigen Zeichnungen, Collagen und Kalligraphien von mir. (Das Cartoon von Karte 10 war übrigens in Titanic 1/1996 abgedruckt.) Ich werde nur die produzieren lassen, die gewählt wurden.


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18 Kommentare zu “Zum Abschluss der Teestübchen Briefaktion

  1. Guten Morgen lieber Jules aus dem Lokus neben dem Lokus,

    Wegen der ortsbedingten Umstände käme Karte 5 natürlich nicht infrage für mich – auch, wenn es meinen Wohnlokus, so gesehen, natürlich gar nicht gibt, es ist eben die deutsche Antwort auf Amerikas Twilight Zone (sofort habe ich das Intro im Kopf, klarer präkindlich verursachter Damage durch den Ferngehirnverdummer in fast jedem Wohnzimmer). 😉
    Die digitalen Weiten des Internets durchfliege ich jetzt seit vierzehn Jahren. Meistens interstellar. Die Faszination ergibt sich daraus, dass die Grenzen ansonsten unmöglich überwindbarer Distanzen scheinbar verschwimmen. Nicht alle blogs „tun so als ob“. Es gibt darunter authentische, die Tagebuchcharakter haben – das weiß ich, weil ich die realen Menschen dahinter kennenlernen durfte und sie sind wie ihre blogs. Es ist wie im realen Leben auch: Man lernt sich kennen und manchmal bleibt so eine Verbindung über Jahre hinweg bestehen, weil die gegenseitige Faszination groß genug ist, vertieft sich, wird reicher und beständiger. Und bei wieder anderen Menschen sind die Leben so buntvoll und geschäftig, dass man sich wieder aus den Augen verliert. So sehr ich traurig bin über jeden Freund oder jede Freundin, die sich wieder von mir verabschiedete (oder ich mich von ihnen), bin ich auch dankbar, dass das Internet mir die Möglichkeit gab, diese faszinierenden Leute kennenzulernen, was ohne die digitalen Brücken nicht möglich gewesen wäre.

    Darum auch Dank Deiner Briefaktion und noch einmal Entschuldigung, dass ich dieses Rück-Porto in meiner ganzen Aufregung über die Briefaktion vergessen habe, mit in meinen Umschlag hineinzulegen. Da habe ich mir leider nun selbst etwas verbaut, auch wenn Dein Angebot, diese Ansichtskarten dennoch schicken zu wollen, ein sehr großzügiges und nettes ist, noch einmal auch dafür meinen ausdrücklichen Dank!
    Aber verbockt ist verbockt und darin kann ich sehr stur sein und zwar genauso stur wie im Zugeben meiner Nachlässigkeit an öffentlicher Stelle.

    Ich war sehr gerne dabei und Deine Karten sind toll (bis auf Nummer 5 – grrrrrrr!)

    Ganz liebe Grüße von der Fee und schöne Frühlingstage für Euch alle!

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    • Wir hatten das doch schon geklärt, liebe Fee. Wenn du nicht auswählst, wähle ich für dich, und du kannst die Post von mir auch nicht verhindern 😉
      Mir der Bielefeldkarte hat es folgende Bewandtnis: Als ich noch von Aachen nach Hannover pendelte, wurde mir oftmals die Fahrt sehr lang. Einmal freute ich mich, schon Bielefeld hinter mir zu haben. Als der Zug den Bielefelder Bhf verließ, filmte ich das und stellte das Video bei Youtube ein unter dem Titel: „In Bielefeld ist das Wegfahren am schönsten.“ Da war ich sehr erstaunt, als ein kleiner Shitstorm hereinbrach.
      http://trithemius.de/2009/01/29/teppichhaus-intern-bielefelder-beschimpfen-trithemius-5470692/
      Aus den Kommentaren meiner Leser erfuhr ich erstmals von der Bielefeldverschwörung und zeichnete für einen Kommentar das erste Bild. (Im Thread sind leider alle Bilder verlorengegangen, auch was andere Kreatives gestaltet hatten, ein mangelhafter Datenimport von Blog.de.) Da aber wies mich einer darauf hin, er sei schon mal auf dem Bielefelder Bahnhofsklo gewesen. Daraufhin zeichnete ich das 2. Bild.
      Später schrieb mir Günther Butkus vom Bielefelder Pendragon Verlag. Er hate gerade ein Buch über die Bielefeldverschwörung herausgebracht und hätte die Zeichnungen gerne abgedruckt. Ich fand aber die Originale nicht mehr wg 72 dpi.Jetzt habe ich sie wieder gefunden und die Ansichtskarte von Bielefeld gestaltet.

      Überlegs dir noch, ob du nicht doch aussuchen willst. Lieben Gruß,
      Jules

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      • Lieber Jules,

        Vor einigen Jahren besuchte mich ein Internetfreund aus Karlsruhe. Er wollte gerne Bielefeld mal sehen. Er hatte so viele schlimme Sachen davon gehört. Es war trotz des vielen schlimmen eine nette Woche für ihn. Wir trafen uns jeden Tag zum Cappuccino im Theatercafé am Niederwall und dann berichtete er mir, was er alles in Bielefeld erlebt und angestellt hatte. Wetter hatte er auch schönes, so dass er das“ Lichtwerk“, das Programm-Kino in der die Ravensberger Spinnerei, die Sparrenburg und die unterirdischen Gänge, die Kunsthalle, das alte Theater, den Tierpark Olderdissen und noch ein paar andere Bielefelder Ausflugs- und Kulturorte (allerdings mit Ausnahme des Bielefelder Bahnhofsklos, das ich selbst ja nicht einmal kenne, eine klare Kultur- und Bildungslücke!) besichtigen konnte. Er sah sich auch hässliche Ecken an, davon gibt es in Bielefeld leider auch genug. die Stadt ist keine aufgemotzte und für die Öffentlichkeit fein hergerichtete Schönheit, das stimmt. Sie ist auch nicht so pottenhässlich, dass es schon wieder charmant interessant und etwas poetisch sein könnte, so ähnlich wie in „Mannheim on a rainy saturday“ vom Engländer Sänger Peter Hammill, welcher mal in seinem Liedgut „German Overalls“ die Stadt Mannheim besang um eine Tristesse ohne Tequila auszudrücken. Doch der Karlsruher Freund meinte abschließend, er fände Bielefeld habe viele hübsche Stellen und dass er es stellenweise sogar hübscher fände als seine Stadt Karlsruhe. Ich weiß nicht so richtig warum, aber ich habe mich einfach sehr über diese Aussage gefreut. Er ist der absolut Einzige gewesen, der Bielefeld mir gegenüber mal ein freundliches Kompliment gemacht hat und kein oberflächliches, sondern eines, das er sich quasi „erarbeitet“ oder „erkundet“ hat. Ich habe den Bielefeld-Thread gelesen aber das war doch kein „Shitstorm“?. Nur ein wenig Geplänkel und Spott, nix wahrhaft Böses. Warum auch? In der Serie „Wilsberg“ kommt jedes Mal ein kleiner Gag zwischen Münster und Bielefeld, auch im „Tatort“ spotten die Münsteraner gerne über Bielefeld. (weiß ich von so Serienguckern wie meinen Eltern oder dem Arbeitskollegen ) Wer das wirklich böse krumm nimmt, dem mangelt es vielleicht an Humor und ein wenig Gelassenheit.
        Wären die Zeichnungen für Herrn Butkus denn vielleicht jetzt auch noch interessant? Sie könnten doch in einer späteren Auflage des Buches über die “ Bielefeld-Verschwörung“ noch integriert werden – so wie Delacroix‘ Zeichnungen in Goethes Faust? Wie auch immer: es ist schade, sehr schade, dass Deine Zeichnungen (bis jetzt) keine Verwendung fanden. Auch wenn Karte Nr. 5 aufgrund gewisser Umstände nicht ausgerechnet gerade mein Fee-Favorit sein kann, ist sie ja dennoch toll gezeichnet.
        Ich fand die Kunstwerke 6,7, 10 und 12 übrigens am begehrenswertesten, wenn ich schon diese schlimmschlimme Aus- Wahl treffen muss, die mir sowieso immer und überall im Leben so kreuzchristischwer fällt. So eine Fee wie ich es bin, ist oft unschlüssig oder schusselig und ständig verlegt sie etwas. Zum Beispiel ihren Zauberstab. Na, egal. Jedenfalls war ich schon immer so und es hat mich furchtbar geärgert, dass ich über all der Kreativität und dem Briefeschreiben so wichtige Dinge wie Rückporto oder (gotthilfmir, urgs…das ist ja wie beichten) sogar den Absender vergessen habe (ha, jetzt ist es raus!) draufzuschreiben. War kein Platz für. Leider. Marylin Monroe und Elvis, der Elefantenvogel, der Appel und Selbstportraits mit Blattnasen, all sowas fand Platz, bloß wieder mal nicht das, was wirklich wichtig gewesen wäre: Rückporto, Absendeadresse….wie gut, dass ich den Empfänger darauf geschrieben habe, sonst würde mein Brief heute noch in der Weltgeschichte herumreisen und verließe er dann nicht in einem Papierkorb diese Welt, käme er garantiert zurück nach Bielefeld. (Return to Sender – Elvis Presley).

        Mein geradezu unglaublich scheußlich hässlicher Briefkasten an dem noch viel hässlicheren Plattenbetonwohnbunker, den ich zu besiedeln gezwungen bin, freut sich immer natürlich über echte Briefpost – weil meistens nur Rechnungen und Werbung in ihm landen und die schmecken ihm gar nicht. Lieben Gruß von der Fee

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          • …tja, die immer Bielefeld wie die Nebel von Avalon verschleiernde Vanillepuddingpulverwolke würde ich vielleicht auch vermissen, wenn ich woanders als in Bielefeld wohnen würde. Allerdings meine ich auch, dass so eine Stadt nicht nur an Pudding festgetackert werden kann (zu formlos, zu schwabbelig und das dann womöglich auch noch gestürzt!), so ist in Bielefeld zum Beispiel die inzwischen schon historische 1953 gebaute Radrennbahn (eine der schnellsten Betonpisten Europas laut Wiki) zu bewundern, weil Bielefeld mal eine Fahrradhochburg war. (Mach ich hier gerade Schmeichelreklame für Bielefeld?) Eine Uni haben wir auch, ja. Mich freut gerade, dass Ihr Sohnemann…na, deswegen schruben Sie es vermutlich. Falls ich nämlich unbeabsichtigt ein Minibisschen larmoyant und wimmerig geklungen haben sollte mit meinem einzigen (schnief!) Kompliment der Welt – von einem Karlsruher für Bielefeld. Na, immerhin. Doch jetzt hab ich derer selbiger sogar schon zwein. Hach wie fein…und – danke auch Ihnen…:-))

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            • Aus dem Pädagogikstudium war mir die fast weltbekannte Bielefelder Laborschule ein Begriff, sonst hatte ich nie was für oder gegen Bielefeld gehört. Daher auch mein argloses Video. Die Mär von der Bielefeldverschwörung entstand 1996 auf einer Studentenparty in Kiel im Umfeld des Informatikers Achim Held, also in Schleswig Holstein, einem Bundesland, das kaum besser beleumundet ist als das Saarland. Allerdings scheint die Rede von der Bielefeldverschwörung die Bielefelder schwer zu nerven. Eine Frau vom Fremdenverkehrsverein sagte mal im TV: „Ich hasse es!“ In einer Wilsberg-Folge führte die Straße nicht wie gewünscht nach Bielefeld, sondern endet in einer Brache. Das ist mir übrigens auch passiert auf meiner Lesereise von Hannover nach Aachen, noch zu lesen bis Ende Mai.
              http://trithemius.twoday.net/stories/falschrum-durch-bielefeld-zwei-cafehausbesitzer-auf-der-autobahn-und-e/
              Schlimm war es allerdings nicht in Bielefeld, wo ich mich kaum aufgehalten haben, sondern in Gütersloh:
              http://trithemius.twoday.net/stories/tiefpunkt-der-pataphysischen-reise-guetersloh/
              Ich gelobe jedenfalls nie mehr etwas Schlechtes über Bielefeld zu sagen, glaube unbesehen an schöne Ecken und hübschere als in Karlsruhe.

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              • Lieber Jules,
                Oh je…ich werde wohl nie verstehen, wie Leute so genervt sein können, dass sie verbal entgleisen wie ein Zug, der über ein Bahnhofsklo fährt. Ich finde die Bielefeldverschwörung jedenfalls klasse. Das ist doch richtig mystisch und Bielefelds Scheinexistenz bleibt eines der letzten ungelösten Rätsel der Wissenschaft – trotz Uni und Laborschule! Und gut, es ist nicht gerade schmeichelhaft, auf einem ‚Blinden Fleck‘ leben zu müssen. Gut also, dass es aus der Nachbarstadt ein paar Gütersloher gibt, die bestätigen können, in Bielefeld gewesen zu sein. Gütersloh hat ein paar tolle Fahrradwege, weil Gütersloh mehr Zaster zum Verkloppen für Fahrradwege als Bielefeld hat. Was zwischen Bielefeldern und Güterslohern immer mal wieder zu kleinen Zündeleien führt. …bitte bitte…fällt Dir ein guter oder saukomischer Bielefeld-Gag ein, wäre ich sehr unglücklich und traurig, wenn er wegen Deines Gelöbnisses nicht hinaus in die Welt dürfte. Ich habe zwischendurch beim Lesen Deiner Bielefeld- und Gütersloh-Berichte mehr als einmal gelacht über Dein trefflich Lokalkoloriertes.
                Liebe Grüße aus dem diese Woche sonnig wonnigen Frühlings-Teuto 🔆

                Gefällt 1 Person

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