Emotionale Großwetterlagen & psychosoziales Doping

Schon in den ersten Monaten meines Bloggens war mir das Vernetzungsphänomen aufgefallen, dass durch dieses Medium gewisse Stimmungen wabern, dass beispielsweise zu gewissen Zeiten überall von wenig Energie und Lustlosigkeit zu lesen ist, und man versucht ist zu sagen, ja, bei mir auch. Ich bin auch lustlos, habe wenig Energie und so unterschwellig trübe Gedanken, so ein leises Unbehagen, ohne genau sagen zu können warum, genauso wie aufzustehen und einen anderen Raum zu betreten und dann nicht mehr zu wissen, warum man hingegangen ist.

Wie Meteorologen Hoch- und Tiefdruckgebiete unterscheiden, sollten auch diese stimmungsbedingten Großwetterlagen gemessen werden, dass sie abendlich vorhergesagt werden könnten, also dass beispielsweise gewarnt werden könnte, wo die Isobaren des Schlechte-Laune-Tiefs heranrücken, so dass man sich davor schützen könnte mit einer großkarierten Jacke beispielsweise. Hätte ich jetzt eine großkarierte Jacke und würde mich damit auf die Straße trauen, würde mancher grinsen, und es gäbe zumindest in meiner direkten Umgebung kleine Aufheiterungen. Vielleicht würde auch ein Aluhut helfen. Ich besitze noch welche von einer Geburtstagsfeier; so Spitzkegel in verschiedenen Farben mit einem Gummiband für unters Kinn. Ob ich mir einen davon aufsetzte und damit dusche? Wie würde sich das Wassergebraus verhalten, wenn es auf einen spitzkegeligen Aluhut trifft? Leider sind die Partyhütchen inwendig aus Pappe. Also lieber normal duschen – und noch vor dem Frühstück zur Apotheke radeln. Man muss nämlich morgens in die Stadt gehen, so gegen 10 Uhr. Dann sind die Leute durchweg fröhlicher. Der Mensch hat mitten im Morgen sein Leistungshoch. Zusätzlich treibt ihn die Erwartung, der Tag könnte noch irgend etwas Positives bringen, Geldpakete, ein Selfie mit Günter Jauch oder eine gestorbene Erbtante. Das nennt man Hoffnung. Also ist gegen zehn Uhr morgens die ganze Stadt voller Energie und Hoffnung. Um diese Zeit unterwegs zu sein, fällt in die Kategorie psychosoziales Doping.

„Erst der Spaß, dann das Vergnügen“,

hat mal mein jüngster Sohn den bekannten Topos der Arbeitsethik unterlaufen. Der Spaß war Sonne auf allen Straßen, wenn man bereit war, ab und zu die Straßenseite zu wechseln, und Spaß machten auch die gute Laune der Apothekerin und zwei Bäckereifachverkäuferinnen, die darin wetteiferten, mich zu bedienen. Zu meinem Vergnügen waren mir in der Apotheke zudem zwei Wörter wieder eingefallen, die zu einem Sachbereich gehören, die Rentnerbravo (Apothekenumschau) und der Hackenporsche (Einkaufstrolley), und ich konnte mich über die sprachliche Kreativität erheitern, die sich so treffend um Alltagsphänomene hüllt, dass ich schmunzeln musste. Da waren die Schlechte-Laune-Isobaren jekniffen.

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