Sende mir einen Brief! – Gestaltungshilfen (update)

Im Jahr 1982 fand ich in der damals noch nicht in Verruf gekommenen Illustrierten „Stern“ einen Bericht über den Briefwechsel zwischen dem belgischen Künstler Jean Michel Folon und dem italienischen Schriftsteller Giorgio Soavi. Ich habe hier einige typische Beispiele gescannt.


Die Idee einer Briefkunst auf dem Briefumschlag versetzte mich in helle Begeisterung, denn mit dieser Anregung konnte ich eine schöne Unterrichtsreihe zur „Visuellen Kommunikation“ im Kunstunterricht einer 10. Klasse entwickeln, mit dem Ziel, in die Gestaltung postalische Elemente einzubeziehen, etwa wie in Brief 1, wo die Umrandung eines Luftpostbriefes zur französischen Nationalflagge wird. Brief 2 ist eine Collage. Die Scheinwerfer des eingeklebten Autos strahlen die Adresse an, bei Brief 3 ist die Darstellung auf der Briefmarke zeichnerisch/malerisch erweitert, auf Brief 4 hängt die Briefmarke an der Wand eines gezeichneten Museums, und die Adresse ist eine Skulptur, auf Brief 5 werden die Briefmarken zu Elementen eines Gesichts und die einzeilige Adresse bildet den Mund.

Hier nun einige Schülerarbeiten, die mir mit der Post zugesandt worden sind, was eine Bedingung war (Ich habe meinen Klarnamen aus den Briefen getilgt, denn Jules van der Ley ist natürlich mein Autoren-Pseudonym, das freilich auch in meinem Personalausweis und auf meinem Briefkasten steht). Brief 1 zeigt eine Spielerei mit der Adresse auf einem fiktiven Schwarzen Brett, Brief 2 greift das Motiv der Briefmarke auf und ist eine Collage aus Entwürfen der Euroscheine, Brief 3 ist eine zeichnerische Erweiterung des Briefmarkenmotivs, die Briefe 4 und 5 sind eine Gemeinschaftsarbeit zweier Schülerinnen, die zusammengelegt das Motiv ergeben, vorne eine beklebte und beschriebene Mauer (deren Steine mit einem Kartoffelstempel gestempelt sind), hinten eine verkehrte Welt:

Briefgestaltung unter Einbeziehung postalischer Elemente
Als die US-Post im Jahre 1992 den Sänger Elvis Presley mit einer Sonderbriefmarke ehrte, gerieten laut dpa „Heerscharen von Fans in Begeisterungstaumel.“ Die erste Auflage von 300 Millionen war in kurzer Zeit ausverkauft. Ein Jahr später war die Elvis-Marke schon 500 Millionen Mal verkauft worden. Angeblich hatten Elvis-Fans eine besondere Methode erdacht, an ein Elvis-Souvenir zu kommen. Sie klebten die Marke auf einen Umschlag und versahen ihn mit einem deutlich lesbaren Absender, aber mit einer Phantasieadresse. Wenn sie den Brief abschickten, erhielten sie ihn nach einigen Tagen zurück mit dem bei der US-Post für unzustellbare Briefe üblichen Stempel „Return to Sender“, was bekanntlich ein berühmter Elvis-Titel ist. (Quelle: Roger Hand, WDR-Radio, 14.2.1993) Das links zu sehende Beispiel habe ich selbst gestaltet, weil ich im Internet nichts dazu gefunden hatte.

Die vorstehenden Beispiele sind Anregungen. Da unser Briefprojekt der krönende Abschluss des Seminars über Handschrift ist, wäre es passend, wenn Handschrift auch ein Element der Briefgestaltung ist. Zu bedenken ist auch, dass unsere heutige Post an schwer zu erkennenden Anschriften scheitern wird, wenn ein Brief sich nicht automatisiert verarbeiten lässt. Hier einige Anregungen für Collagen mit meiner Anschrift, die natürlich frei verwendet werden dürfen, also ausgedruckt und auf den Umschlag geklebt schon ein Anfang sind.

Denkbar ist natürlich eine Gestaltung komplett aus Schrift, Variationen von Schrifttypen etwa, wie hier im Beispiel zu sehen, wo TÜT TÜT ersetzt werden muss durch die Anschrift und etwa den Absender. Man kann einen Brief an mich auch auf dem Umschlag beginnen lassen und ihn innen fortführen. Thema etwa: Die Bedeutung der Handschrift in der heutigen Zeit und für mich persönlich. Auch Handschrift ist dekorativ. Ich will da nicht zuviel vorgeben, ein freies Thema und jede Gestaltungsidee sind möglich. Wichtig ist freilich, die postalisch nötigen Angaben deutlich zu markieren, etwa durch eine andere Farbe. Weitere Anregungen unter der Suchphrase Mail-Art.

Wenn ein Absender verzeichnet ist, werde ich mich für jeden im Rahmen des Projekts eingesandten Brief mit einer von mir eigens gestalteten Ansichtskarte revanchieren, zwar fototechnisch reproduziert, um den Aufwand für mich überschaubar zu halten, aber handsigniert, nummeriert und handschriftlich adressiert. Ich bitte vorsorglich um dem Brief beigelegtes Rückporto (Postkartentarif).

Und jetzt frisch ans Werk! Beleben wir die Briefkultur. Einsenden bitte bis zum 15. März.
In arte voluptas

UPDATE
Für alle, die sich an eine eigene Gestaltung nicht rantrauen, hier ein vorgedruckter Briefumschlag zum Ausdrucken, Ausschneiden und selbst zusammenkleben. (Originalgröße beim Anklicken) Rechts fehlt noch die Briefmarke und ist Platz für eine handschriftliche Nachricht in beliebiger Form. Natürlich lässt sich in die Datei ein eigener Entwurf oder ein Foto einfügen.

17 Kommentare zu “Sende mir einen Brief! – Gestaltungshilfen (update)

  1. Bei Briefkunst auf dem Briefumschlag teile ich Deine Begeisterung voll und ganz. Ich wünschte, ich könnte … *seufz*
    Da ich aber nicht kann – grafisch schön gestalten, meine ich – erzähle ich bloß einen blöden Witz:
    Postbediensteter: Der Brief ist zu schwer. Da müssen Sie noch eine Marke draufkleben.
    Postkunde: Aber dann wird er doch noch schwerer.

    Gefällt 2 Personen

  2. Lieber Jules, du hast wirklich sehr, sehr schöne Beispiele heraus gesucht. Einen solchen Brief zu erhalten ist wunderbar. Ich selbst habe das große Glück von einer liebgewonnen Blogbekanntschaft solche zu erhalten. Die Freude am Briefkasten ist regelmäßig sehr groß. Ich selbst antworte schnörkellos und unkreativ. Gegen ihn würden meine Kuverts und gestalteten Briefe wie die eines Vorschulkindes wirken. Das würde mich allerdings nicht an einer Teilnahme abhalten ;). Bei mir ist es noch immer die Zeit. Wie du kürzlich geschrieben hast…ich tanze auf vielen Hochzeiten. Im Moment auf zu vielen. Dennoch freue ich mich sehr, dass du ein so schönes Projekt begleitest und organisierst.

    Gefällt 2 Personen

  3. Lieber Jules,
    Du meine Güte, jetzt wird es richtig künstlerisch. Meine Tochter ist im Basteln und Kleben so begabt, wie mich die Natur für so etwas gleich mit zwei linken Händen beglückte. In Bastelstunden zeigte ich allen Muttis was sie mir voraus hatten: Bastel-Talent und ein handwerkliches Geschick für den zierlichen (!) mit einer Umgang mit einer Schere und einer Klebertube. Ich verwechselte vorgestrichelte Klebefalzangaben garantiert so, dass aus einem Umschlag eine etwas ungelenke Kugeln wird und die passt dann nicht mehr in den Schlitz des Briefkastens. Nun finde ich mich aufgeführt, das Handschriftprojekt finde ich klasse aber bin im Basteln talentfrei. Nun gut. Kneifen gilt Dich, las ich weiter oben und über meine Ansprüche an mich kann ich nur müde seufzen. Ich sag nur: Martinslaterne. Das bedeutet Waterloo für mich. Ich war immer so dankbar wenn mich nur eigenwillige Gestaltung bekundet wurde. Klingt netter als Unfähigkeit. Thematisch beziehe ich mich auf das Seminar. Wie schnell ich fertig werde, weiß ich noch nicht, denn im Moment arbeite ich viel.
    Sonntagsgrüße und lieben Dank für die tollen Gestaltungsvorschläge sagt die Fee✨

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    • Liebe Fee,
      ist ja alles nur ein Angebot. Nachdem du so fleißig Fairbank-Handschrift geübt hast, würde ich damit etwas machen. Wenn man mich übrigens früge, was ich nicht kann, dann fällt mir spontan „Geschenke einpacken“ ein. Dazu fehlt mir einfach die Geduld. Könnte ich sie aufbringen, könnte ich vermutlich auch einpacken. Da ich im Kunstunterricht öfter mit der Ausage: „Das kann ich nicht“ konfrontiert wurde, befällt mich aus dieser Zeit noch immer ein Unwille. Ich will gerne helfen, gewisse Hürden zu überwinden. Darum auch die Bastelanleitung. Es ist zudem keine Schande, sich von begabten Kindern helfen zu lassen. Das habe ich erst heute mittag getan, als ich mir von meinem ältesten Sohn bei einem Computerproblem helfen ließ.
      Lieben Sonntagsgruß,
      Jules

      Gefällt 1 Person

      • Ich weiß, lieber Jules. Ist nur ein Angebot, ja. Nicht nur, das IST ein Angebot. Ein sehr tolles, wie ich finde, doch das sieht natürlich jeder anders als ich, liegt in der Natur der Sache Mensch. Ich kann nicht, wird oft als „Ich will nicht“ von Lehrern verstanden. Meine Französischlehrerin schrieb in mein Poesiealbum: Das Können liegt im Wollen allein. Ich liebe die französische Sprache und doch hatte ich schwer an der komplizierten Grammatik zu knacksen. Sich die Grenzen eines Könnens eingestehen zu können, halte ich beinahe noch für wichtiger als darauf zu vertrauen, wirklich alles bis zum Endmaß austesten zu müssen. Zufriedenheit ist solange welche, solange sie nicht abhängt vom Wohlwollen eines anderen. Darum werde ich natürlich mein Allerbestes geben und denke schon über eine mögliche Gestaltung des Umschlages nach, vielleicht nehme ich auch eine Deiner Vorlagen, das weiß noch nicht so genau. Ich lerne sehr gerne von Kindern. Sie reden nicht lange, sondern zeigen wie es funktioniert, sie sind nicht höflich und sagen Sachen wie: das ist schon ganz hübsch, sondern sie sind ehrlich und sagen: Da musst du noch üben. Das ist das Schöne bei Kindern. Oder wenn sie erklären wie etwas funktioniert und ich einfach nur die Früchte ihrer Arbeit genieße und insgeheim stolz auf sie bin….:-)

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