In der Kunst liegt das Vergnügen – Nochmalige Einladung zur Teestübchen-Briefaktion

Die ganzen Fahrräder, die am Bretterzaun des Spielplatzes abgestellt waren, hat jemand zur Seite geräumt und auf einen Haufen gestellt, der aussieht wie eine Gruppe von Pferden, die sich aneinander schmiegen, um dem eiskalten Sturmwind zu trotzen. Ich muss an Bilder von Franz Marc denken. Als ich mit Familie ein Haus in Aachen gebaut und bezogen hatte, waren da auch zwei Nachbarn gerade in ihre Neubauten eingezogen und spielten im Sand der noch nicht fertigen Auffahrt „Boule“ oder Boccia. Es war ein heißer Sommer, ja, sowas gibt’s, und die Nachbarn spielten mit nackten Oberkörpern und stellten ihre dicken Bäuche zur Schau. Für meine Schwiegermutter zu Besuch waren das „stattliche Männer“, also schon etwas Besseres als ich. Der eine stattliche Mann konnte auch besser malen als ich, so jedenfalls wurde in seiner Nachbarschaft geschwärmt: „Der malt ja so schön!“ Als seine Frau uns einmal im Haus rundführte, hingen dort überall gerahmte Zeugnisse seiner Malkunst, nämlich Kopien der Pferdebilder von Franz Marc, gemalt nach Zahlen, wie die Frau des Malers freimütig enthüllte. Ich war schlagartig von meiner Eifersucht und dem Neid auf seinen Bauch geheilt.

Die Fahrräder unten, die „Stahlrösser“ oder „Drahtesel“ wie sie die tumbe Journaille gerne zu nennen pflegt, stehen jetzt schon tagelang unbewegt in der Kälte, offenbar vernachlässigt von herzlosen „Pedalrittern.“ Es gab eine Zeit, da haben mich diese Wörter schwer genervt und ich habe mehr als einmal eine saftige Polemik dazu verfasst.

Inzwischen glaube ich, dass die Wörter sogenanntes Schlaraffenlatein sind, also Worterfindungen der 1859 in Prag gegründeten Vereinigung für Freundschaft, Kunst und Humor, der Schlaraffia, deren Wahlspruch ist: „In arte voluptas“ (in der Kunst liegt das Vergnügen). Ich habe diesen Wahlspruch schon häufiger in Texten verwendet, etwa hier in „Die schönsten Augen nördlich der Alpen“ oder in der 4. Online-Lesenacht auf der nun ebenfalls bald versinkenden Plattform Twoday.net mit diesem Dokument einer fiktiven Zeitungsseite (zum Vergrößern bitte klicken). Daraus lässt sich schließen, dass ich heute nicht mehr auf den Maler nach Zahlen hinabschaue, den mein Unmut hauptsächlich wegen meiner Schwiegermutter traf.

Letztlich geht es darum, an einer schöpferischen Leistung Freude zu finden, egal welche Hilfsmittel eingesetzt werden. Das soll auch das Ziel der kommenden Briefaktion sein. Es wurden zaghafte Bedenken geäußert, dass man gestalterisch vielleicht den Ansprüchen nicht genüge. Diese Bedenken möchte ich zerstreuen und nochmals zum Mitmachen auffordern. Heute nicht mehr, aber zum Wochenende gebe ich Gestaltungshilfen in Hülle und Fülle, so dass jede/jeder erfolgreich sein wird. Denn darum geht’s: „In arte voluptas“

Bisherige Anmeldungen:

Feldlilie
Frauhemmingistunterwegs
lamammatwoday
Karfunkelfee
socupuk
Dorotheawagner
Lo

(Ich bitte um Nachsicht und Meldung sollte ich wen übersehen haben)

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