Shakespeare, Ben und Gott – Ein Treffen großer Geister

Wenn man ein Indiz sucht für die Verblödungsfunktion des Fernsehens, dann ist es zu finden im Tsunami der Quizsendungen, worin mit sinnfreien Fragen per Multiple Choice irgendein fragmentarischer Blödsinn abgefragt wird. Derlei Quizformate erwecken den Anschein, dieses aus Kontexten gerissene Pseudowissen hätte was mit Bildung zu tun; sie erfüllen aber in Wahrheit Adornos Merkmale der Halbbildung. Bei der Verbreitung dieser Gehirnpest mischt das ZDF fleißig mit, möchte möglichst schon junge Zuschauer infizieren.

In seinem Ableger ZDF neo gibt es das neue Quizformat „Entweder – oder?“ In der Folge vom 28. Februar las der hippe Quizmaster Ben den beiden Kandidaten folgendes Zitat vor: „Wer ist der größere Tor? Der Tor oder der Tor, der ihm folgt?“ Shakespeare oder Star Wars? Die Kandidaten tippten übereinstimmend auf Shakespeare. Ben löste auf: „Obi-Wan Kenobi sagt das in Episode IV von Star Wars.“ Aber bevor Quizmaster Ben seine Entweder-oder-Frage auflöste, sagte er mit Kennermiene:

„Shakespeare – übrigens brutal erfolgreich – nach Gott mit der Bibel der zweiterfolgreichste Schriftsteller der Welt, unglaublich.“

Da musste ich mich erst mal setzen – aber ich saß leider schon. Huhu Ben?! Ich dachte die Bibel hätte Klaus Kinsky geschrieben? Ach nein, der war nur damit auf Tour. Genau wie Ben Becker, der hat die Bibel auch gecovert. Aber geschrieben hat sie Gott. Entweder – oder, Ben: Hat Gott diktiert (ihr geilen Engelchen hopphopp zum Diktat, harrharr!) oder selbst geschrieben? In Babylonischer Keilschrift oder konnte er schon Latein? Am sechsten Tag schuf Gott sich eine Remington-Schreibmaschine und hämmerte die Bibel in die Tasten, dass es nur so qualmte. Harter Stoff übrigens. Noch Martin Luther hatte in Erfurt die Bibel „angekettet gefunden wie ein Hofhund.“ Aus gutem Grund. Gegen Gottes Altes Testament ist Fifty Shades of Grey Kinderkram, unglaublich.

Wer ist denn dieser Ben, der in Gott einen Bestseller-Autor sieht, der sich durchaus mit Shakespeare messen kann? Eine kurze Internetrecherche brachte es an den Tag. Der Mann heißt Blümel und ist Sänger. Und ich hatte immer gedacht, Blümel wäre der schluckfreudige Weinvertreter zu Besuch bei Hoppenstedts: „Abgezapft und original verkork(s)t von Pahlhuber und Söhne!“ Du lieber Gott, jetzt ist alles durcheinander. Her mit dem Messwein!

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