Seminar „Theorie und Praxis der Handschrift“ – Interessenten gesucht

Grafik: JvdL

Möglicherweise herrschen in der Dingwelt Gesetze, die wir nicht kennen und zu denen wir keinen Zugang haben. Doch gewisse Alltagsphänomene lassen darauf schließen, dass dem so ist. Eines dieser Phänomene ist, dass gesuchte Dinge immer erst an dem Ort zu finden sind, wo man zuletzt nachschaut. Es hilft auch nicht zu mogeln und einfach an diesem letzten Ort zuerst zu suchen. Ein anderes Phänomen zeigt sich mir, indem manche Dinge sich vor mir verstecken. Irgendwann nach ihrem eigenen Gutdünken tauchen sie wieder auf, entlocken mir ein „Ach-da-bist-du-ja!“ und geben meinem Leben einen unerwarteten Drall. Wie oft habe ich das Haus nicht verlassen können, weil ich meinen Schlüssel nicht fand. Zuletzt ist mir das am 1. Weihnachtstag geschehen. Ich hatte den Heiligabend bei meinem ältesten Sohn in Hamburg verbracht, wollte mittags zurückfahren, weil mich mein mittlerer Sohn aus Leipzig besuchen wollte. Wir standen schon gut im Aufzug, als ich in der Jacke meinen Hausschlüssel nicht fand. Wir suchten sie zu Dritt ab, bis mein Sohn mich aufforderte, sie wieder auszuziehen. Inzwischen waren wir wieder in der Wohnung. Da endlich entdeckte er den Schlüssel in einer Tasche im Ärmel, wo ich schon mehrmals nachgefühlt hatte. Es folgte eine halsbrecherische Fahrt zum Bahnhof, denn ich durfte den Zug nicht verpassen, weil mein mittlerer Sohn aus Prinzip kein Handy hat und über eine Verspätung nicht hätte benachrichtigt werden können. Im letzten Moment bestieg ich den ICE und brauchte bis Lüneburg, um mich wieder zu entspannen.

Inwieweit sich der Weltenlauf durch den sich versteckenden Schlüssel änderte, kann ich nur bedingt sagen. Jedenfalls schreibe ich deshalb diese Zeilen und deshalb sitzt du vor dem Rechner und liest das, derweil draußen so ein seltsam helles Licht blinkt, eine kalte, man nennt es „Sonne.“ Möglicherweise gibt sie aber nur ein Intermezzo und zeigt sich danach wieder tagelang nicht. Da müssen wir uns den Sonnenschein selbst machen nach dem Motto: „So wärmt man sich an den eigenen Kohlen.“

Heute suchte ich in sieben Schachteln nach einem Dokument, tröstete mich beim Blättern der Unterlagen, dass die Wahrscheinlichkeit des Auffindens mit jeder vergeblich durchsuchten Schachtel stieg, fand viele passende Schriftstücke, aber das Gesuchte dann doch ganz woanders. Ziel meiner Suche war, Material für ein Teestübchen-Handschriftseminar zusammenzutragen.

Weil das Projekt „Schreiben wie im Mittelalter“ so erfolgreich war, sich dabei einige Fragen ergeben haben, würde ich gerne mit einem Handschriftseminar anknüpfen. Obwohl schon im Juni 2012 von Bild siech gebrüllt, von anderen schon gänzlich totgesagt und als überkommene Kulturtechnik bezeichnet, die man ebensowenig beherrschen muss wie Feuermachen, spielt Handschrift im Leben vieler Menschen noch eine Rolle und lässt sich prima in unser digitales Medium überführen, ja, kann sogar ein wichtiges Gestaltungselement sein, wie Kollegin Mitzi Irsaj in ihrem Blog zeigt. Auch Kalligraphie findet sich in Blogs wie etwa bei Sabine Lieschenmeier Pangritz. Lange Vorrede, kurzer Sinn: Ich suche Interessenten am Seminar Theorie und Praxis der Handschrift und bitte um Mitteilung bzw. Einschreibung. Wir werden beginnen mit dem Konzept der Ausgangsschrift und dem Schreiben und Üben verschiedener Ausgangsschriften. Am Ende des Seminars soll eine Briefaktion stehen.

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