Plausch mit Frau Nettesheim – Über die Mutter aller Linsensuppen

Frau Nettesheim
Sie haben gestern schon wieder Tagesschau.de zitiert, Trithemius.

Trithemius
Warum sollte ich nicht, Frau Nettesheim? Schließlich finanziere ich dieses online-Angebot mit meinen Zwangsgebühren.

Frau Nettesheim
Ich dachte nur, weil Sie doch immer über den Verlautbarungsjournalismus der öffentlich-rechtlichen Anstalten schimpfen.

Trithemius
Das passt schon, wenn es um weiche Themen wie Wetter geht. Außerdem verstecken sich die Zeitungen ja zunehmend hinter Bezahlschranken oder wollen mich zwingen, den Adblocker auszuschalten.

Frau Nettesheim
„Bezahlschranken“, „Adblocker“, schon die Wörter machen mir Pickel.

Trithemius
O nein! Frau Nettesheim. Dann wäre Ihr seit Jahrzehnten makelloser Teint ein Opfer unserer Medien. Das kann keiner wollen, der bei Verstand ist, ebensowenig diese ständigen Mahnungen, den Advertising-blocker auszuschalten. Die entlarven die ganze Absurdität der werbefinanzierten Medien. Dabei geht es ja nicht um die Sache selbst. Wenn jemand keine Werbung sehen will, wird er wohl kaum positiv auf ein beworbenes Produkt reagieren, das er sich zwangsweise angesehen hat. Zudem: Beim großen Verblödungspotential der heutigen Werbung, ist Abstinenz eine Form der Psychohygiene. Wenn Zeitungen mich ermahnen, den Adblocker auszuschalten, signalisieren sie, dass sie mich verblöden wollen, weil sie ihr Angebot damit finanzieren.

Frau Nettesheim
Das klingt kontraproduktiv, aber wie sollte es anders gehen?

Trithemius
Ich hätte nichts gegen eine genossenschaftlich organisierte Presse, also ein Mitgliedermodell oder einen Mix mit Zwangsbeitrag à la Rundfunkgebühren. Aber dann sollten auch Blogs einbezogen werden, deren Angebote auf irgendeine Weise kulturell sind, ob vom Zeitkolorit geprägt oder nicht.

Frau Nettesheim
Jetzt erwarten Sie mal wieder zuviel. Was bedeutet übrigens die Überschrift?

Trithemius
Die fiel mir gestern ein, als ich mich mit Christa Hartwig hier über primäre Geschmackserlebnisse austauschte. Aber ich hatte keinen passenden Text.

Frau Nettesheim
Hier passt sie auch nicht.

Trithemius
Ist aber hübsch.

Frau Nettesheim
Er mal wieder.

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23 Kommentare zu “Plausch mit Frau Nettesheim – Über die Mutter aller Linsensuppen

    • Hatte ich letztens sogar, welche aus Tofu. War Wohlgeschmack ohne Tierleid.

      Mit der TAZ gibt es doch schon ein genossenschaftliches Modell und hält sich seit 1978. Derlei Angebote wären auszuweiten, wobei wir eine von Werbekunden freie und selbstständige Presse subventionieren müssten wie heute die Opernhäuser oder eben den öffentlich/rechtlichen Rundfunk.

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      • Na, ob die Öffentlich/Rechtlichen wirklich so werbefrei sind, wie sie sich den Anschein geben, dessen bin ich mir durchaus nicht immer sicher. Davon abgesehen, habe ich gar nichts Grundsätzliches gegen Werbung. Gut gemachte Werbung für ein Produkt, das ich guten Gewissens kaufen würde, kann mir sogar sehr gefallen. Vor allem habe ich etwas gegen Werbung, bei der es darum geht, die Konkurrenz preislich zu unterbieten. Wir haben ja gesehen, wohin das führt bzw. schon geführt hat. Und es ist absoluter Blödsinn, wenn behauptet wird, ohne den von der Konkurrenz ausgeübten Preisdruck wäre alles längst unbezahlbar. Unbezahlbar würde ja auch bedeuten unverkäuflich. Von den Wenigen, die sich „alles“ leisten können, kann bestenfalls ein Juwelier leben. Die meisten Wirtschaftsunternehmen leben von den Vielen, deren Budget begrenzt ist.
        Grüße von der Tofu-Verweigerin (Ente oder Trente)

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        • Im Rundfunkvertrag sind die Werbezeiten eindeutig begrenzt auf den Vorabend. Das war ja auch der Hauptgrund für die Einführung des Privatfernsehens. Werbewirtschaft und Industrie wollten einfach mehr Sendezeit für Werbung. Bei den Öffentlich-Rechtlichen liegt das Problem bei den Produktionsfirmen, von denen man sich TV-Filme, Serien, Shows und dergl. liefern lässt. Diese Produktionen sind immer wieder durch Product Placement aufgefallen, und hier zeigt sich auch das Problem von Werbung. Es geht in den seltenste Fällen um Information, sondern um mehr oder weniger heimliche Beeinflussung von Menschen von oben herab, aus einer Machtposition heraus. Darum lehne ich fast alle Werbung ab. Und wenn sie noch so gut gemacht ist, ich will sie nicht sehen. Alle Produkte könnten viel billiger sein, wäre in ihnen nicht der Kostenfaktor Marketing enthalten. Die Pharmaindustrie gibt mehr Geld für Marketing aus als für Arzneimittelforschung.

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          • Mit der indirekten Werbung bei den Öffentlich/Rechtlichen meine ich gar nicht das Product Placement. Das halte ich für vergleichsweise harmlos. Ich selbst scheue mich nicht vor der Erwähnung von Marken in meinen Texten. Allerdings lasse ich mich nicht dafür bezahlen. Es dient der Veranschaulichung. Einen VW-Käfer zu umschreiben, wäre lächerlich. Doch davon abgesehen – Werbung gehört zum Leben seit Angebinn der Zeiten. Das beginnt mit dem Werben um einen Partner und hört mit dem Werben um ein Produkt nicht auf. Was mich wirklich beunruhigt sind Markteinflüsse auf die Berichterstattung in den Medien. Da überkommt mich oft der Verdacht, dass Meldungen lanciert oder unterdrückt werden, um die Popularität und damit den Umsatz eines Unternehmens zu fördern oder zu schützen. Auf Werbung verzichten könnte man nur in einer sehr kleinteiligen Gesellschaft. Im Dorf gibt es eben nur einen Bäcker, und folglich braucht er keine Werbung. Oder es müsste eine verstaatlichte Gesellschaft sein. Die braucht dann auch keine Werbung für die Einheitsprodukte, die erzeugt werden.

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            • Was meintest du dann? Verbrauchersendungen wie „Markt?“ Zum Thema Markennamen. Die nenne ich auch ohne Skrupel. Gelegentlich bekomme ich Angebote, einen journalistischen Text zu Produkten in meinem Blog zu veröffentlichen (Contentmarketing). Ich habe einem der Anbieter geschrieben, den Verlust meiner über 12 Jahre erworbenen Glaubwürdigkeit könne er gar nicht bezahlen. Jeder Werbeblogger vergeht sich gegen den Pressekodex, und ich würde niemals dort lesen. Warum soll die Gefahr des Glaubwürdigkeitsverlustes nur für Blogger gelten, nicht aber für die bezahlten Schreiberlinge der Leitmedien? Natürlich hängt mir wordpress Werbung an meine Posts, aber sie bezahlen mir kein Gehalt und reden mir nicht rein, ich solle ein anzeigenfreundliches Umfeld schaffen. Ich kannte mal ein Frau, die arbeitete als Marktforscherin bei Cosmopolitan. Regelmäßig wertete sie die redaktionellen Beiträge aus und erstellte für Werbekunden Statistiken, wie oft ihre Produkte im Heft genannt worden waren. Solche Zeitschriften sind reine Gelddruckmaschinen.

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              • Nö, das müssen keine Verbrauchersendungen sein. Auch kann ich bei Beispielen aus dem Fernsehen nie mitreden, weil ich ja schon seit über zehn Jahren keinen Fernseher mehr habe. Dafür höre ich sehr viel Radio, und es fällt mir eben auf, wenn bestimmte Meldungen für mein Empfinden übergebührlich strapaziert werden, andere (oft gerade, die, über die ich gerne mehr Hintergrund-Information hätte) sang- und klanglos schnell wieder untergehen. Tatsächlich müssen nicht immer nur Wirtschaftsunternehmen dahinter stecken. Jedenfalls werden wir ständig manipuliert, und etwas anderes als Manipulation ist Werbung ja auch nicht.

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  1. Ich verstehe das Konzept des sogenannten Qualitätsjournalismus nicht. Wie kann jemand, der fast vollständig von Werbekunden abhängt, behaupten, frei und unabhängig zu berichten? Es gab mal vor vielen Jahren eine Diskussion über ein Redaktionsstatut, das die Redaktionen unabhängig von den Eigentümern machen sollte. Wir sind auf dem Weg in die andere Richtung, die Werbung macht sich gerade unabhängig von der Presse. Vielleicht eine Chance? Aber wohl eher nicht. Wenn Werbung auch ohne lästigen redaktionellen Teil bei uns kaufkräftigen Konsumenten landet, dann ist doch alles gut und wenn nicht, wird es uns jedenfalls bald nicht mehr auffallen.

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  2. Die „Bezahlschranke“ ist ja so ein lustiges Modewort. In unserem Alltag stehen wir permanent davor, gleich morgens beim Bäcker schiebt sie sich zwischen uns und die Brötchen. Findet nur keiner bemerkenswert weil immer schon so: Ware gegen Geld. Erst das Internet machte diese Umsonst-und-draußen-Mentalität populär. Für mich war der Sündenfall die Einführung des Privatfernsehens in den Achtzigern. Plötzlich wurde das Fernsehprogramm durch den Kauf von Joghurts o. ä. finanziert, ein wirklich perverser Gedanke. Inzwischen durchziehen Werbung und Manipulation unseren Alltag.Aus der gedruckten Süddeutchen fällt, wenn ich sie aus dem Briefkasten nehme, als erstes eine fette Hochglanzbroschüre. Ein Ärgernis, dessen Ursache nicht ein geheimer Verdummungswunsch ist sondern, Überlebensstrategie, so unschön sie auch sein mag. Kauften heute noch so viele Menschen Printmedien wie vor dreißig Jahren, müssten diese sch nicht an die Industrie verkaufen. Ein Teufelskreislauf. Wobei: wirklich inabhängig war die Presse bei uns noch nie, das mag einem im nostalgischen Rückblick so vorkommen…

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    • Du siehst sicher auch den Unterschied zwischen einem medialen Angebot und Brötchen. Der von dir benannte Sündenfall wurde ja angepriesen als mediale Vielfalt. In Wahrheit ging es nur darum, Plattformen für Werbung zu schaffen. Und entsprechend erbärmlich sind die Programmangebote, permanent verblödend, weil man verblödeten Menschen jeden Scheißdreck unterjubeln kann. „geheimer Verdummungswunsch“ klingt mir zu sehr nach Verschwörung. Das Geheime liegt allenfalls in den von der Psychologie ausgetüfftelten Marketingstrategien.
      Natürlich sind viele ehemalige Printleser ins Internet abgewandert. Die Überlebenstrategie der Medienhäuser: Sie hängen sich an diesen Trend, aber nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern um hr werbefinanziertes Geschäftsmodell in diesem Medium auszubauen. Hier ist Werbung aber viel penetranter und strahlt viel stärker auf die redaktionellen Inhalte, wirkt also desinformierend und deformierend.
      Die Printmedien sollten die Schuld für rückläufige Auflagen endlich bei sich sehen, den Vertrauensverlust ernst nehmen, der wesentlich daher kommt, dass die Struktur unserer Presselandschaft durch Fusionen und Einstellungen zerschlagen ist. Es fehlt die alte Meinungsvielfalt, wie sie den Deutschen einst von den Alliierten verordnet worden ist, mit zwei politisch gegensätzlichen Zeitungen pro Stadt und Region.
      Die teilweise Werbefinanzierung und privatwirtschaftliche Ausrichtung habe ich schon immer für das falsche Modell gehalten. Wenn man starke Medien haben will, die als vierte Gewalt eine Demokratie stabilisieren, muss man sie wirtschaftlich unabhängig von Kapitalinteressen, Werbewirtschaft und Politik machen.

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      • Nein lieber Jules, ich sehe keinen Unterschied zwischen einem medialen Angebot und einem Brötchen. Beide müssen mein Wohlgefallen erregen, und tun sie das, zahle ich gerne dafür. Dieses Prinzip neuerdings als „Bezahlschranke“ zu bezeichnen, finde ich lustig. Ob Verlage aus gänzlich eigener Schuld Leser verlieren, oder gesamtwirschaftliche Veränderungen mit reinspielen, wie ich eher vermute – sie waren in der Bundesrepublik schon immer Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnorientierung. Dass dieses Modell heute nicht mehr zu Meinungsvielfalt führt, liegt m. E. an der Dynamik des Kapitalistischen Systems, dem eine Tendenz zu sich stetig verschärfendem Wettbewerbsverhalten innewohnt. Prinzip: Bevor du mich frisst muss ich dich fressen. Folgen: Gebot stetiger Kostenreduktion und in der Folge Arbeitskräfteabbau und sinkende Qualität der Produkte. Das gilt für nahezu alle Bereiche (soweit ich sehe). Dass daraus folgt, die – z.B. – Süddeutsche Zeitung ist Schuld daran, dass immer mehr Werbung eine immer schlechtere Zeitung über Wasser halten muss würde ich so nicht behaupten, denn es ist ein Zusammenwirken vieler Kräfte. Soweit ich sehe, könnte nur eine insgesamt wesentlich stärkere Regulierung des Marktes durch den Gesetzgeber dieses Problem dauerhaft entschärfen. Angesichts der vorherschenden globalen Tendenzen sehe ich diesbezüglich allerdings komplett schwarz. Die gute Nachricht: – und da bin ich tatsächlich egoistisch – man kann sich (noch) zu Werbung und dem ganzen Quatsch verhalten. So oder so. In diesem Sinne: ein werbefreies Wochenende!

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