Damals in Aachen – Jeremias Coster zum 1. Dezember

Er sei über den dunklen Markt gegangen, da hätten vor dem Rathaus Bretterbuden gestanden. Sie müssten über Nacht vom Himmel gefallen sein und wären noch verrammelt gewesen, vermutlich, um den Inhalt beim Herunterfallen vor dem Zerbrechen zu schützen. Da sei ihm für einen Moment das Herz schwer geworden, denn nun fange unweigerlich die Zeit der weihnachtlichen Innerlichkeit an. Wenn alle Welt um ihn herum zu hasten und zu besorgen beginne, dann werde ihm sein Los besonders schwer. Denn was man auch gegen dieses Fest einwenden könne, er habe doch einst die Zeit zwischen den Feiertagen sehr genossen, wenn der Rummel vorbei gewesen sei und die Welt für einen Moment den Atem angehalten habe. Dann sei es stets warm und friedlich um ihn herum und in ihm gewesen. Andererseits habe die Erfahrung ihn gelehrt, dass man für das Anhalten der Welt einen hohen Preis zu zahlen habe. Spätestens nach Neujahr setze sie sich wieder in Bewegung. Das sei wie eine unterirdische Spannung, die sich entlade, gleich den Erschütterungen eines Erdbebens. Und dann werde man mit Wucht wieder in das hektische Treiben unsrer Zeit zurückgerammt.

Katchhof in Aachen – Foto: JvdL

Passend zu diesen Gedanken sei eine Radlerin an ihm vorbei die Straße hinab gerollt, und wie sie kurz vor der Ecke zu treten begonnen habe, hätte er geglaubt sie zu kennen. Diesen raschen runden Tritt habe er bislang nämlich nur bei einer Frau gesehen. An diese Frau habe er aber nicht denken wollen.Das menschliche Gehirn organisiere alles zu Mustern, um die Fülle der Informationen verarbeiten zu können. Das sei eine Stärke und gleichzeitig eine Schwäche. Denn in diesem Fall habe ausgereicht, dass er den raschen Tritt der Frau beobachtete, wobei es völlig egal gewesen sei, ob sie es nun war oder nicht. Die schmerzhaften Erinnerungen seien sofort da gewesen. Weiterlesen

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