Gekritzelt – Der Weg des Fettklumpens

Unnötige Sorge
Ich habe gelesen, in meiner Jugend sei man entweder Fan der Beatles oder der Stones gewesen. Für mich gilt das nicht. Ich fand beide Musikgruppen gut und habe mich gefreut, dass bei den Aufnahmen von All You Need Is Love im Studio auch Mick Jagger zu sehen war. Dies geschah vor 50 Jahren bei der ersten weltweit per Satellit  von der BBC live ausgestrahlten Fernsehsendung im Jahr 1967. Ich erinnere mich gut, die Sendung im Fernsehen gesehen zu haben als einer von  700 Millionen Menschen in 31 Ländern.

John Lennon hat bei der Aufnahme einen Kaugummi gekaut, was ich ziemlich cool fand, obwohl ich wirklich Sorge hatte, er würde einen Einsatz verpassen, weil er nicht rechtzeitig zu kauen aufhören, also die Kaubewegung falsch takten würde. Immerhin hat All You Need Is Love den relativ komplizierten 7/4 Takt. Das Video zeigt, dass es tatsächlich passiert. Es ist aber nicht zu hören, denn das ganze war Playback, wie ich dank Wikipedia heute weiß.

Beatles – All You Need Is Love from SimDo on Vimeo.

Mediendidaktik
Jedes Jahr müssten im ganzen Land die Fernsehgeräte eingesammelt und durch neue ersetzt werden, die technisch schlechter sind als ihre Vorgänger. Das müsste so lange gehen, bis Fernseher nur noch ein Standbild zeigen. Das könnte dann meinetwegen wöchentlich wechseln.

Sprachgefühl

Der Wiener Kaffeehausdichter Peter Altenberg (1859-1919) berichtete, über den Titel seines Buches „Wie ich es sehe“ habe es Diskussionen gegeben, wie er auszusprechen wäre:
Wie ich es sehe; Wie ich es sehe; Wie ich es sehe; Wie ich es sehe
Man kann das abtun als kalten Kaffeehausdunst, den heute keiner mehr beachtenswert findet. Heute könnten derlei Diskussionen nicht mehr stattfinden, weil nicht nur das Interesse, sondern auch das nötige Sprachgefühl fehlen.

Eisenbahnromantik
Im Jahr 1995 hat die Deutsche Bundesbahn den Eilzug abgeschafft. Die Süddeutsche widmete dem Eilzug damals ein Streiflicht, worin der Autor daran erinnerte, dass auf Bahnhöfen, durch die der Eilzug ohne Halt gebraust ist, der Stationsvorsteher herausgetreten ist und salutiert habe. Mit dem Eilzug ist nicht nur das schöne Wort versunken, sondern eine ganze Eisenbahnwelt.

Der Weg des Fettklumpens
Mein mittlerer Sohn zu Besuch sagte mir, die Feuchttücher, die ich auch im Bad hätte, wären hauptverantwortlich für die riesigen Fettklumpen in der Kanalisation, weil die Leute sie nach Gebrauch in die Toilette werfen würden. Wie vor einiger Zeit in London sei jetzt auch in Leipzig so ein Ungetüm gefunden worden. Und die Firma, die solche Fettklumpen entsorge, mache wieder Seife daraus.

Verhinderte Kollektivbeleidigung

Der gute Sohn hat mir auch ausgeredet, eine Polemik „Generation Meldedoof“ zu schreiben.

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21 Kommentare zu “Gekritzelt – Der Weg des Fettklumpens

  1. „Eisenbahnromantik“: Die vergangenen Dinge werden ja nicht schön, weil sie besser waren, sondern weil sie vorbei sind. Dachte ich spontan, als ich Dein wehmütiges Aufrufen der alten DB-Schnellzüge vernahm. Mir sind Geruch, Haptik und Optik der alten D-Züge noch in „guter“ Erinnerung, und ich freue mich jedes mal, wenn ich im bequemen ICE Platz nehme, dass diese Zeiten vorbei sind! Zum Stichwort „Mediendidaktik“ dachte ich spontan, sammelt die Dinger einmal ein, und ersetzt sie: nicht! (Erinnerst du Dich an Helmut Schmidts Fernsehfreien Sonntag? Waren das Zeiten!! (dafür würde ich mich glatt wieder in den D-Zug setzen 🙂

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    • Es ging hier nicht um den D-Zug, mein Lieber, sondern um den Eilzug. Das anschauliche Wort „Eilzug“ gefällt mir immer noch besser als Bezeichnungen wie Regional-Express (RE) bzw. Interregio-Express (IRE) als am ehesten mit Eilzügen vergleichbar.
      Der heutige Regional-Express hält auch keinem Vergleich mit der Bequemlichkeit eines ICE stand. Ich will nicht rückwärtsgewandt idealisieren, obwohl manches besser war, die Pünktlichkeit, die Zuverlässigkeit auch bei Wetter (Slogan:“Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“), die moderaten Fahrpreise. Unter Mehdorn ist die Bahn kaputtgespart worden, weil er uunbedingt an die Börse wollte. Freilich hat er auch den ICE eingeführt, mit dem ich ebenfalls gerne fahre.

      Ich vermute, das stufenweise Stillegen des Fernsehers würde eher akzeptiert werden. An den Fernsehfreien Sonntag habe ich mich gerade erst durch dich erinnert.

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      • Es ist im Grunde ja erstaunlich, dass die Bahn so gut geworden ist t r o t z Mehdorn, der vor allem die Berliner S-Bahn auf dem Gewissen hat. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Bahn insgesamt früher pünktlicher war. Allerdings weiß ich, dass das „Bahnbashing“ früher noch kein Volkssport war. Ich wundere mich mitunter, mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen sich in Staus begeben, aber los zetern, wenn der Zug fünf Minuten Verspätung hat. Hauptsache – anscheinend – er hat’s (vermeintlich) selber in der Hand.

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        • Wie zu lesen ist, liegt es oft an der zu dünnen Personaldecke. Ich bin schon mal aus München kommend in Würzburg gestrandet, weil der Lokführer laut Durchsage Feierabend hatte. Offenbar gab es keinen Ersatz für diese durchaus vorauszusehende Problematik. Auch die Störungen des Zugverkehrs letztens wegen der Stürme seien nach Auskunft des Fahrgastverbands vermeidbar gewesen. Kürzlich diese Meldung: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bahn-puenktlichkeit-101.html
          Ich glaube, tägliche Bahnpendler und Autofahrer im Stau sind verschiedene Personen.Trotzdem: Gerade im Winter hat man es bequemer wartend im geheizten Auto als auf dem zugigen Bahnhof zu stehen,

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          • Alles, was man der Bahn zu Recht vorwerfen kann, hat im Grunde nicht sie, sondern die Politik zu verantworten. Statt den Kollektivverkehr als Staatsaufgabe zu begreifen und entsprechend den Interessen der Allgemeinheit zukunftsweisend zu gestalten, fährt sie die Linie Verscherbeln von öffentlichem Eigentum und Privatisierung, sprich: Verschiebung von Gewinnen nach „oben“ und Verteilung der Lasten auf alle. Ich glaube auch nicht, dass man bei Auto- und Bahnfahrern von verschiedenen Personen sprechen muss. Ich höre häufig von Autofahrern, sie würden ja auf die Bahn umsteigen, wenn sie nicht so unpünktlich wäre. Da reicht oft eine „negative“ Erfahrung aus, um sich die vermeintlichen Vorteile des Individualverkehrs bestätigen zu lassen. die von dir verlinkte Tagesschaumeldung vergleicht ja nicht den heutigen Stand mit dem aus der Zeit der „Eilzüge“, oder von noch früher, als die Bahn selbstverständlich als eine Angelegenheit von allgemeingesellschaftlicher Bedeutung angesehen wurde. Meine Vermutung ist eher, dass man früher Verspätungen als „Gottgegeben“ hingenommen hat, während heute Unternehmen, die nach privatwirtschaftlichen Prinzipien an einem Markt bestehen müssen, sich „Unternehmensziele“ setzen müssen, über deren Erreichung sie dann Rechenschaft ablegen, s. die Tagesschaumeldung. Verzeih‘ meine Beharrlichkeit, ich hab als alter Bahnfahrer einfach ein Herz für die Bahn als Fortbewegungsmittel und stelle fest, dass die Prügel oft nicht dort ankommen, wo sie hingehören (nämlich bei der Politik)!

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  2. Meine Nichte hat mich vor kurzem auch auf die Problematik der Feuchttücher hingewiesen. Sie nahm sie gleich mit und kontrolliert meinen Haushalt regelmäßig auf umweltschädliches. Ich lasse sie und freu mich darüber.
    Die Beatles Stones Frage stellte ich vor Jahren meinem Vater. Er antwortete ähnlich. Das mit dem Kaugummi ist ihm entgangen. Bei Gelegenheit erzähle ich ihm davon.

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    • Du bekommst also regelmäßig Besuch von deinem Umweltgewissen, liebe Mitzi.

      Es ist jetzt 50 Jahre her, und ich erinnere mich noch an das Kaugummikauen und wie ich damals richtig mitgefiebert habe. Leider ist das Video so schlecht, aber es gibt sonst keines im Netz. Jedenfalls kann man sehen, dass meine Erinnerung nicht trügt. Freut mich, wenn du deinem Vater davon erzählst. Kannst ihm ja auch das Video zeigen 😉

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  3. Diese Haltung eines verbeamteten Stationsvorstehers, der vor Ehrfurcht angesichts eines vorbeieilenden Eilzuges, der so hoch über der Bedeutung des eigenen Bahnhofs steht, daß er nicht einmal geruht, anzuhalten, mit klopfendem Herzen stramm steht und salutiert, als wäre der Kaiser persönlich in einer Kutsche vorbeigefahren – diese Haltung brauchen wir nicht mehr, oder?

    „Generation Meldedoof“, na klar, September 2011, ich erinnere mich … nee, quatsch, der Begriff zeigt bei Google genau einen Treffer, diesen:
    http://trithemius.de/2011/09/27/kaffeeplausch-mit-frau-nettesheim-uber-blogs-facebook-und-digitale-fernkommunikation/

    Hat sich wahrscheinlich nicht viel geändert, was das Kommentarverhalten betrifft. Aber sechs Jahre ist das nun her – und wir bloggen immer noch. Das immerhin ist doch ein Erfolg!

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    • Wenn du auf den Aspekt des Obrigkeitdenkens abhebst, hast du Recht. Im Strteiflicht wird das Romantische betont. Ich habe es jetzt extra für dich eingescannt (Vergrößern durch Klicken)

      Es war besser, als Bahn und Post noch Staatsunternehmen waren mit beamtetem Personal.
      Dass du dich noch an den Nettesheimdialog erinnert hast. Anders als dort, war mein jetziger Impuls, das zögerliche oder gar nicht Antworten auf E-Mails, aber ich habe mich überzeugen lassen, dass es kein Generationenproblem ist. Paul Duroy, der den Begriff geprägt hatte, er sagte über sich selbst, er sei meldedoof, hat unter „Meldedummheit“ schon darüber geschrieben. https://www.freitag.de/autoren/paul-duroy/der-mann-mit-der-sms-flat

      Dass wir immer noch bloggen und so lange schon Kontakt haben, finde ich sehr erfreulich.

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      • Danke für den Scan!
        Was das Romantische betrifft, kann ich durchaus mithalten: Zu einer meiner frühesten Erinnerungen gehört, daß der Zug aus unserem Kaff in die nächste Großstadt von einer Dampflok gezogen wurde – einmal im Jahr, in den 60ern, mußten meine Mutter und ich nach Oldenburg fahren, weil ich da ein neues Gipsbett verpaßt bekam. Jedesmal war das ein großes Abenteuer (vermutlich auch für meine Mutter), das werde ich nicht vergessen. An die Triebwagen habe ich allerdings gar keine romantischen Erinnerungen, drei Jahre lang bin ich täglich mit ihnen hin und her gefahren, weil ich in der Stadt das Gymnasium besuchte: Klapprige und zugige Züge, gut, daß es die nicht mehr gibt. Aber aus langjähriger Erfahrung kann ich wirklich sagen: Die Züge früher waren fast immer pünktlich, kein Vergleich zu heute.

        Ja, sehr erfreulich, seit zehn Jahren bin ich jetzt dabei, und fast so lange kennen wir uns. Auf die nächsten zehn!:-)

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    • Hallo Pantoufle,

      danke für den Zuspruch, aber besagter Sohn ist mein wichtigster Ratgeber und zudem mein Lektor bei allen Buchpublikationen. Ich höre auf ihn, weil er klüger ist als ich. Der Begriff „Meldedoof“ gehört zudem Paul Duroy. Ich kannte ihn gut zu Blog.de-Zeiten, und gelegentlich schrieben wir uns Mails, manchmal aber versandete der Kontakt, weil er, wie er schrieb, „meldedoof“ sei. Diese Meldedoofheit registriere ich bei vielen zwischen 30 und 40, aber es ist wohl eine beschränkte Sicht, in Wahrheit ein Generationen übergreifendes Phänomen. Zudem fand ich, dass Duroy bereits einen entsprechenden Text verröffentlicht hat, https://www.freitag.de/autoren/paul-duroy/der-mann-mit-der-sms-flat
      Beste Grüße,
      Jules

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  4. Der ICE wurde nicht von Mehdorn erfunden sondern fuhr schon 1991. Der Eilzug hielt nie an dem zugigen Bahnhof, an dem ich als Fahrschüler wartete. Dafür kam der Nahverkehrszug, der im nächsten Ort gleich mal eine Viertelstunde auf dem Abstellgleis wartete, bis der TEE vorbeigehuscht kam – Also immer Zeit zum Dösen oder zum Hausaufgabenmachen. Ich war Beatles-Fan, aber kein Mensch sagte mir, dass sie im Fernsehn kamen. Erst zwei Jahre später wurden wir alle in die Wohnung unseres Grundschuldirektors getrieben, um uns in schwarz-weiß Mondlandung anzusehen.

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    • Ich dachte, der Mann hätte einmal etwas Gutes vollbracht, und jetzt das. Danke für die Korrektur. Wenn du zur Mondlandung 1969 noch in der Grundschule warst, hast du den Hype um die 1. weltweite BBC-Sendung Our World vermutlich nicht mitbekommen. Der deutsche Beitrag war übrigens eine Übertragung einer Geburt aus dem Kreißsaal, vermutlich auch aufgezeichnet, denn welche Frau gebiert schon pünktlich zu Beginn einer Liveübertragung?
      Du hast den Eilzug also immer nur vorbei- und davoneilen gesehen. Schade.

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    • Witzig formuliert! Aber ist das wahr, Videokünstler Herr Ösi hat kein TV-Gerät? Das ist schon wieder fortschrittlich, denn übers Internet kann sich jeder sein eigenes TV-Programm machen. Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, in denen Fernsehen ein Kollektiverlebnis war, mit Straßenfegern wie dem Krimi-Mehrteiler „Das Halstuch“, dessen Mörder der Kabarettist Wolfgang Neuss in einer Zeitungsannoce verraten hat, weshalb er sogar Morddrohungen bekam und Bild ihn als „Vaterlandsverräter“ bezeichnete..

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      • Ich habe in meinem Leben nur für ca. 8 bis 9 Jahre ein TV-Gerät besessen. Das war ab der Halbzeit in Frankreich. Hätte ich früher eins gehabt, ich hätte mit Sicherheit die fremde Sprache schneller erlernt. Aber richtig, heute gibt es Internet und da stellt man sich das Programm selbst zusammen … 🙂

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