Kleine Lektion in Fremdschämen

Auf dem Dorf meiner Kindheit kannte ich den Sohn eines Gärtners, zwei Jahre älter als ich, Feltens Karl-Richard. Nach Abschluss der Volksschule besuchte Karl-Richard das Internat einer Landwirtschaftsschule irgendwo weit weg in Deutschland. Einmal zu Besuch im Dorf erklärte er uns erstaunten Kindern: „Mir spreche jo nit richtisch Deutsch, mir sare „isch.“ Ävver et heeß nit „isch“, et heeß: „Üs.“ Seine rheinische Zunge weigerte sich, hochdeutsch „ich“ zu sprechen. Auch neue Versuche brachten nur „üs, üs.“ Es war sehr ulkig, wie er darin scheiterte, seine sprachlichen Wurzeln zu verleugnen.
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