In der Schreibstube – Ein Vexierbild

Wenn ich gar nicht mehr weiter weiß, schaue ich bei meinen Kollegen nach. Schaue einem von ihnen über die Schulter und lese, was er mit spitzer Feder in das leere Buch schreibt, in seiner kleinen krakeligen Schrift da. Nach einer Weile hält seine Feder im Kratzen inne.
„Ich kann nicht schreiben, wenn mir einer zuliest“, murrt er. Unter meiner Hand ruckelt die knochige Schulter unwillig.

„Ihr seid so mager, Väterchen“, entfährt es mir, „dürft das Essen nicht vergessen!“
„Essen vergessen!“, kichert er, „Soll’s von ungefähr kommen, dass es sich reimt?“
„Ihr vermutet Logik in den Wörtern, die nicht in ihnen selbst steckt?“
„Auf höherer Ebene, in der Tat“, nickt der Alte. „Wenn man so vertraut ist mit ihnen, weil man sie täglich zu bändigen hat, dann geben sie um Gnade winselnd ihre Geheimnisse preis.“
„Ihr phantasiert bereits“, sage ich, „Ihr müsst jetzt essen!“
„Was denn?“, sagt der Alte widerborstig, „wir haben hier keinen Kanten Brot. Wörter zu bändigen, ist brotlose Kunst.“ Die vier anderen Schreiber nicken stumm. Es wirkt absurd, wie ihre Köpfe auf und niedergehen. Welch eine alberne Geste ist doch das Nicken! Ich wollte, ich hätte niemals mitansehen müssen, wie jemand nickt. Und jetzt nicken gleich vier Köpfe, als würde ihnen im Gleichtakt am Bart gezupft.
„Hort auf damit!“, herrsche ich sie an.
„Wir kommen nicht aus, weils wahr ist. Wahr, so wahr!“, klingt es dumpf.
Die Feder kratzt wieder. Sowie ich abgelenkt bin, schreibt er weiter. Wie kann er wissen, dass ich nicht mehr mitlese? Ich stehe doch hinter ihm. Vielleicht kann ich ihn überlisten. Spreche mit den anderen und schiele heimlich ins Buch.
„Ihr nickt wie Blöde“, sage ich zu den Vieren hinüber, und es gelingt mir, sie nicht anzusehen, sondern ins Buch zu schielen. Aber nein, ich kanns nicht lesen. Er ist Linkshänder.


.rednähskniL tsi rE .nesel thcin snnak hci ,nien rebA .neleihcs uz hcuB sni nrednos ,nehesuzna thcin eis ,rim tgnileg se dnu ,rebünih nereiV ned uz hci egas ,?edölB eiw tkcin rhI? .hcuB sni hcilmieh eleihcs dnu neredna ned tim ehcerpS .netsilrebü nhi hci nnak thcielleiV .mhi retnih hcod ehets hcI ?eseltim rhem thcin hci ssad ,nessiw re nnak eiW .retiew re tbierhcs ,nib tknelegba hci eiwoS .redeiw tztark redeF eiD .fpmud se tgnilk ,?!rhaw os ,rhaW .tsi rhaw sliew ,sua thcin nemmok riW? .na eis hci ehcsrreh ,?!timad fua troH? .tfpuzeg traB ma tkathcielG mi nenhi edrüw sla ,efpöK reiv hcielg nekcin tztej dnU .tkcin dnamej eiw ,nessüm nehesnatim slamein ettäh hci ,etllow hcI !nekciN sad hcod tsi etseG enrebla enie hcleW .nehegredein dnu fua efpöK erhi eiw ,drusba tkriw sE .mmuts nekcin rebierhcS neredna reiv eiD ?.tsnuK esoltorb tsi ,negidnäb uz retröW .torB netnaK neniek reih nebah riw? ,gitsrobrediw etlA red tgas ,??nned saW? ?!nesse tztej tssüm rhI? ,hci egas ,?stiereb treisatnahp rhI? ?.sierp essinmieheG erhi dnlesniw edanG mu eis nebeg nnad ,tah negidnäb uz hcilgät eis nam liew ,nenhi tim tsi tuartrev os nam nneW? .etlA red tkcin ,?taT red ni ,enebE rerehöh fuA? ??tkcets tsbles nenhi ni thcin eid ,nretröW ned ni kigoL tetumrev rhI? ??tmier hcis se ssad ,nemmok rhäfegnu nov s’lloS? ,re trehcik ,?!nessegrev nessE? ?!nessegrev thcin nessE sad tfrüd? ,rim se trhäftne ,?nehcretäV ,regam os dies rhI? .gilliwnu retluhcS egihconk eid tlekcur dnaH reniem retnU .re trrum ,?tseiluz renie rim nnew ,nebierhcs thcin nnak hcI? .enni neztarK mi redeF enies tläh elieW renie hcaN .ad tfirhcS negilekark nenielk renies ni ,tbierhcs hcuB ereel sad ni redeF reztips tim re saw ,esel dnu retluhcS eid rebü nenhi nov menie euahcS .hcan negelloK neniem ieb hci euahcs ,ßiew retiew rhem thcin rag hci nneW

 

Advertisements

20 Kommentare zu “In der Schreibstube – Ein Vexierbild

  1. Ich musste spontan an meinen Job als Deutschlehrer bei Berlitz Bruxelles (1977) denken, wo mir immer der erwachsene Schüler mit aufgeschlagenen Buch gegenübersass. Ich selber brauchte kein Buch, las nur – sitzend, nicht kopfstehend – kontrollhalber mit. Hauptsächlich wurde aber geredet. Ja, so war das damals.

    Gefällt 1 Person

  2. Dein Beitrag, lieber Jules, stellt jeden der auf dem Handy liest vor eine große Herausforderung. Dreht man das Display um 180 Grad, dreht sich die Anzeige gleich mit und will es einem bequem machen. Der Leser ist gezwungen nicht zu schummeln. Mir hat es Vergnügen bereitet.

    Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: Plausch mit Frau Nettesheim über herbstliche Magie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s