Gekritzelt – Einmal Ablaichen, bitte

Auf Befehl höherer Wesen
Zu den Mysterien meiner Straße gehört ein langer Mann mit steifem Bein. Er hebt herumliegenden Müll auf und bringt ihn zum Abfallkorb des Spielplatzes. Er kann sich nicht gut bücken, wie überhaupt das steife Bein ihn behindert. Wenn er die Treppen des Fußwegs steigt, dann tritt er so unsicher und wankt dermaßen, dass ich oft fürchtete, er werde hintenüber kippen. Er liest alles mit bloßen Händen auf und ist stets gut gekleidet, als hätte man ihn unvorbereitet zum Müllsammeln bestellt.

Ahornhonig wird knapp

Ich lebe ja quasi in einer Baumkrone, das heißt wenn ich aus dem östlichen Fenster schaue, habe ich die stattliche Krone eines Spitzahorns vor Augen. Während der Sommer zuvor glänzten seine Blätter klebrig von den Ausscheidungen der Blattläuse. Die Bienen machen Honig daraus. Heuer sind die Blätter so oft im Regen gewaschen worden, dass ihre Oberfläche ganz matt und stumpf geworden ist. Bald hat sie der Laubbläser.

Menschliche Sprache
Barbar, Berber, Bonbon, bye bye, Coco, Dada, Didi, haha, hehe, hihi, hoho, Husch husch, Hutu, Jojo, Killekille, Kuckuck, Mama, Meme, Mimi, Papa, Popo, Pipi, Pinkepinke, Tamtam, Tata, Tsetse, Tutu, Toto, Wauwau – diese Wörter oder Wortpaare haben gemeinsam, dass sie aus Silben-Zwillingen bestehen. (Weitere Beispiele: Hulahula, Maumau, Singsing, Chowchow, Dumdum, Purpur – Nachweis Dieter Kayser; Lulu und Kaka – Nachweis Herr Ösi)
Die eindeutigen Fremdwörter unter den Silbenzwillingen lassen ahnen, dass es die silbische Verdoppelung in allen Sprachen gibt. Auffällig ist die Nähe zu kindlichen Lautäußerungen, manchmal, so scheints wird durch die Verdopplung etwas bekräftigt. Vielleicht sind derlei Wörter die Urbausteine menschlicher Sprache.

Dialogisches

Ich treffe Harald und frage: „Warst du das eben hinter mir im roten Fiat?“
„Ja.“
„Ach so.“
„Wieso ach so?“
„Wenn man etwas erfährt, was man vorher noch nicht wusste, dann ist das eben ‚Ach so.’“
„Ach so.“

Abteilung: Komische Berufe
Bei Meedia erschien im Juli ein Interview mit dem Digitalberater Thomas Knüwer. Was ein Digitalberater macht? Er sagt beispielsweise solche Sätze: „Wer glaubt, nur Werbung als Native Ad ablaichen zu können, wird scheitern.“ Was ist mit diesem „Schwurbelschwatz“ (noemix) gemeint? Native Advertising ist eine Form der Werbung im Internet oder in den Medien, die wie ein redaktioneller Beitrag daherkommt. In klassischen Medien ist es verboten, Native Advertising formal dem redaktionellen Teil anzupassen. So darf Rundfunkwerbung nicht mit der Stimme des Moderators in Sendungen eingebaut werden. Im Print darf die Werbung nicht typografisch identisch sein mit dem redaktionellen Teil. Nicht immer ist die saubere Trennung einfach, beispielsweise, wenn es um Werbung in eigener Sache geht wie hier:

Amüsantes
In den Graphologie News, einer Online-Zeitschrift der Europäische Gesellschaft für Schriftpsychologie und Schriftexpertise, Zürich, Schweiz ist in der aktuellen Ausgabe 05/2017 eine Rezension der Teestübchen-Publikation „Buchkultur im Abendrot“ erschienen. Die ungenannte Autorin des links zu sehenden Teasers (in der Redaktion arbeiten ausschließlich Frauen) findet den Titel des Buches „amüsant“, und ich fragte mich spontan warum. Nach einer Weile sah ich den Grund. Sie hatte den Titel verlesen und zitiert „Buchkultur im Abendbrot.“ Es lag vermutlich am Hunger. (Zur Rezension: Screenshot klicken.)

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15 Kommentare zu “Gekritzelt – Einmal Ablaichen, bitte

  1. Hulahula, Maumau, Singsing, Chowchow, Dumdum, Purpur

    Schön finde ich auch
    Hottentotten, Singsang, Tingeltangel, Hiphop, pillepalle, ruckizucki, Pingpong, Hoppelpoppel, Techtelmechtel, Klimbim, Wirrwarr, Schorlemorle, Schnickschnack, Larifari, holterdipolter, schwuppdiwupp, schnurrdiburr, Tuttifrutti, Remmidemmi, ticktack, tipptopp, hummelhummel, Boogiewoogie, etepetete

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  2. Auch wenn der Verleser amüsant ist, schöner wäre es ohne. Aber wie du schreibst, lieber Jules, es kommt vor und bringt nichts zu ärgern. Wichtiger ist eh, was über dein Buch geschrieben wurde.
    Der Müll aufsammelnde Mann gefällt mir. Es ist einer jener Menschen, die man sieht und über die man lange nachdenken kann. Ohne zu wissen, was ihn treibt habe ich ein schönes Bild von ihm vor Augen.

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    • Eigentlich finde ich den Fehler hübsch, liebe Mitzi. Wer sich vom Tippfehler täuschen lässt, fragt sich, was das Abendbrot in dem Kontext zu suchen hat, wer genauer guckt, schmunzelt und ist positiv gestimmt, Mehr kann ich nicht erwarten.
      Den Mann beobachte ich schon seit Jahren. Mein Türnachbar Markus hat mich schon mal gefragt, ob ich wüsste, was ihn treibt. Weiß ich nicht, würde ihn fragen, wenn ich ihn mal zufällig träfe. Aber dann wäre das Mysterium dahin.

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        • Der Tippfehler passt überdies zu den Texten im Buch über amüsante Druckfehler und den Druckfehlerteufel, worunter frühere Autoren sehr zu leiden hatten. Während wir unsere digital veröffentlichten Fehler spurlos beseitigen können, mussten sie oft lange auf eine korrigierte Neuauflage warten, wenn sie derlei überhaupt noch erlebt haben.
          Du hast Recht. Ich frage den Mann nicht, obwohl ein paar anerkennende Worte hübsch wären.

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  3. Jetzt nach dem Abendbrot ohne Abendrot wird der Abend mit der ausklingenden Abendlesung im Blog-Geschehen eingeläutet.
    Gut , dass du erinnerst, ich hatte doch seinerzeit gebookmarkt, aber so bums wieder vergessen.

    Und übrigens mein Bruder war auch einmal, als er noch als Berufstätiger zu Fuß zur Arbeit ging, ein selbstloser Müllaufsammler aus Überzeugung. Das gesammelte Gut entsorgte er dann nach dem Hinweg in der Firma oder auf dem Rückweg zuhause wahrscheinlich unsortiert in der Mülltonne für „Restmüll“.

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    • Wie schön, dass du meinen Teaser nochmal hervorgeholt hast, liebe Marana. Ich danke dir. „Selbstloser Müllaufsamnmler aus Überzeugung“ ist ja sowas wie Ehrenamt. Vieles in unserem Soziallleben wäre schlechter ohne Ehrenamtliche wie dein Bruder bzw. mein unbekannter Nachbar mit dem steifen Bein.

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  4. Pingback: Ratzfatz ist es da, … | Schwemmland

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