Arthur Koestlers Klopfzeichen

Während meiner Recherchen zur Schrift- und Buchkultur machte mich ein Kollege auf Arthur Koestlers deprimierenden Roman „Sonnenfinsternis“ aufmerksam. Darin beschreibt Koestler ein Klopfzeichen-Alphabet, mit dem sich Gefängnisinsassen trotz Isolationshaft verständigen können. Koestlers dystopischer Roman ist eine Abrechnung mit den stalinistischen Säuberungen, obwohl die Sowjetunion als Handlungsort nicht genannt wird. Als Mitglied der KPD sah er sich ähnlich wie sein Freund George Orwell vom Kommunismus enttäuscht.

Inhaftiert war Koestler jedoch nicht in der Sowjetunion, sondern in Spanien. Er war als Kriegsberichterstatter im spanischen Bürgerkrieg von Francos Truppen gefangen genommen und wegen Spionage zum Tode verurteilt worden. Das Klopfzeichenalphabet hat er vermutlich in seiner Isolierhaft kennengelernt.

Koestlers Klopfzeichenalphabet, aufgezeichnet von JvdL

Die 25 Zeichen unseres Alphabets (J fehlt, das I dient als Halbvokal ) sind in fünf Gruppen zu je fünf Zeichen eingeteilt. Das jeweils erste Klopfzeichen gibt die Reihe an, das zweite die Spalte. Wir werden hoffentlich nie in die Verlegenheit kommen, Koestlers Klopfzeichen benutzen zu müssen. Aber um geheime Botschaften auszutauschen, ließe sich das Verfahren auch auf Handzeichen übertragen, linke Hand: Reihe, rechte Hand: Spalte. Ähnlich lassen sich auch die Ogham-Runen nutzen. Das wäre dann eine gute Verschlüsselung.

9 Kommentare zu “Arthur Koestlers Klopfzeichen

  1. Koestler gehört auch zu den inzwischen fast vergessenen Autoren. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eines seiner Bücher besitze, aber seit Jahren nicht dazu komme, es dann auch mal zu lesen. „Depremierender Roman“ klingt zwar nicht nach einer dringenden Leseempfehlung, aber die Realität lässt manchmal eben nichts anderes zu.
    Das Klopfalphabet ist interessant.

    Gefällt 2 Personen

    • Du hast Recht, er ist fast vergessen, „Sonnenfinsternis“ ging aber 2016 durch die Presse, weil ein Kasseler Doktorand in der Züricher Universitätsbibliothek das verschollene Originalmanuskript wiederentdeckt hat. Bislang war der Roman eine Rückübersetzung aus dem Englischen gewesen. Diese Fassung von Sonnenfinsternis habe ich 1990 gelesen, daher nur noch vage Erinnerungen. Das habe ich damals notiert: „Koestlers Sonnenfinsternis ist ein deprimierender Roman, durchaus vergleichbar mit Orwells 1984, nur näher an der Wirklichkeit.“
      Das Klopfzeichenalphabet habe ich leider nicht in meine Buchkultur aufgenommen. Vielleicht hole ich das nach. Es geht ja ganz leicht bei Book on demand.

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    • Ihre Einschätzung Arthur Koestlers als »inzwischen fast vergessenen Autor« teile ich nicht, mehrere seiner Werke erleben inzwischen wieder Neuauflagen – insbesondere sein wissenschaftsgeschichtlicher Bestseller Der Krötenküsser*) (meine Empfehlung: äußerst lesenwert, liest sich spannend wie ein Wissenschafts-Krimi!).

      Gefällt 1 Person

    • Ich habe auch schon darüber nachgedacht, wie CDU/CSU-Innenminister fröhlich das Maß der anlasslosen Bespitzelung erhöhen, ohne darüber nachzudenken, wie verheerend dieser Überwachungsapparat in den Händen der AfD etwa wäre.

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