Arthur Koestlers Klopfzeichen

Während meiner Recherchen zur Schrift- und Buchkultur machte mich ein Kollege auf Arthur Koestlers deprimierenden Roman „Sonnenfinsternis“ aufmerksam. Darin beschreibt Koestler ein Klopfzeichen-Alphabet, mit dem sich Gefängnisinsassen trotz Isolationshaft verständigen können. Koestlers dystopischer Roman ist eine Abrechnung mit den stalinistischen Säuberungen, obwohl die Sowjetunion als Handlungsort nicht genannt wird. Als Mitglied der KPD sah er sich ähnlich wie sein Freund George Orwell vom Kommunismus enttäuscht.

Inhaftiert war Koestler jedoch nicht in der Sowjetunion, sondern in Spanien. Er war als Kriegsberichterstatter im spanischen Bürgerkrieg von Francos Truppen gefangen genommen und wegen Spionage zum Tode verurteilt worden. Das Klopfzeichenalphabet hat er vermutlich in seiner Isolierhaft kennengelernt.

Koestlers Klopfzeichenalphabet, aufgezeichnet von JvdL

Die 25 Zeichen unseres Alphabets (J fehlt, das I dient als Halbvokal ) sind in fünf Gruppen zu je fünf Zeichen eingeteilt. Das jeweils erste Klopfzeichen gibt die Reihe an, das zweite die Spalte. Wir werden hoffentlich nie in die Verlegenheit kommen, Koestlers Klopfzeichen benutzen zu müssen. Aber um geheime Botschaften auszutauschen, ließe sich das Verfahren auch auf Handzeichen übertragen, linke Hand: Reihe, rechte Hand: Spalte. Ähnlich lassen sich auch die Ogham-Runen nutzen. Das wäre dann eine gute Verschlüsselung.

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