Im Weg rumstehen

Manchmal stelle ich mir den menschlichen Körper als Raumschiff vor. Das eigene Ich glaubt, der Kommandant zu sein, hat aber in Wahrheit keine Ahnung, was alles im Raumschiff vorgeht. Der Kommandant stolziert über die Brücke gibt Befehle wie „vorwärts“, „linksrum“, „Mach ma Kaffee!“, aber hat keine Ahnung, wer ihm das eingeflüstert hat und wer da sonst noch Befehle erteilt. Eine Ausbildung hat der Kommandant nicht, wie auch, es gibt vom Raumschiff nicht mal eine Betriebsanleitung. Ich Kommandant habe durch Versuch und Irrtum herausgefunden, welche Vorgänge ich wie beeinflussen kann. Ach, und es ist so unglaublich wenig. Gibt beispielsweise Tage, da könnte ich mich blöd schlafen, ohne erkennbaren Grund. Glücklicherweise gibt es da irgendwo ein aufmerksames Mitglied der Wartungscrew, das mich hochscheucht, bevor irreparable Schäden aufgetreten sind. Gestern war ich den Tag über so unsagbar müde, also wenn meine Müdigkeit Hunger gewesen wäre, hätte ich ein ganzes Pferd essen können. Doch dazu war ich einfach zu müde.

An solchen Tagen stehen Leute im Weg rum, bleiben vornehmlich in Engstellen stehen und erstarren in Blödheit. Du sagst jetzt, es liegt am Wetter oder an der elektrischen Ladung der Luft, und alle fühlen das ähnlich. Kann ja sein. Ich vermute, wir sind ähnlich konstruiert. Aber genausogut könnte sich ein gelangweilter Unterbeamter der galaktischen Registratur einen Spaß mit mir machen und Leute aussenden, damit sie mir im Weg stehen.

—-äh, warum geht’s hier nicht weiter?——-Ach, entschuldigen Sie, ich war ganz in Gedanken. Sie wollen gewiss zum Ende dieses Textes.

So oder so, es ist ja alles unbeweisbar. Manche munkeln, die wahren Befehlshaber wären Mikroben und würden im finstersten Rohrsystem deines Raumschiffs siedeln, und wenn da gerade Kirmes ist, gehen auf der Kommandobrücke sämtliche Lampen aus. Folglich merkst überhaupt nicht, wenn du irgendwo im Weg rumstehst mit deiner blöden sperrigen Kiste.