Hurtig über Gleise – Betreutes Denken im ICE

Im ICE hatte jemand die Süddeutsche Zeitung (SZ) zurückgelassen. Irgendwann zog ich die zerfledderte Zeitung aus dem Netz, sortierte sie ein wenig und begann zu lesen. Für einen Augenblick flog mich ein vertrautes Gefühl an, denn bevor ich zu bloggen begann, habe ich die Süddeutsche Zeitung täglich gelesen. Das vertraute Gefühl speiste sich aber nicht aus den Inhalten, nicht aus dem Schreibstil, sondern aus der Tatsache, dass einem in der Zeitung die Welt ausgebreitet und erklärt wird. Das ist einfach wie Bahnfahren. Wie der Zugreisende sich keine Gedanken über die Fahrtstrecke machen muss, die Stationen seiner Reise nicht zu bestimmen und nicht auf den Weg zu achten hat, braucht auch der Zeitungsleser nur den gedanklichen Spuren zu folgen, die Journalisten zu Zeilen angeordnet haben gleich den Gleisen der Bahn. Als Bahnreisender hat man nur den Blick nach links und rechts aus dem Fenster, weiß also nicht genau, wohin die Reise geht – ebenso wie der Leser eines Zeitungsartikels. Es erhöht beispielsweise den Lesegenuss, wenn ein Text eine erstaunliche Wendung nimmt, so als würde ein Zug über eine Weiche rumpeln und ein für den Bahnreisenden überraschendes Gleis befahren.

vom 09.02.1995, original einspaltig (größer: klicken)

Genau das habe ich immer beim Lesen des Streiflichts empfunden, der täglichen Glosse auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung. Obwohl das Streiflicht von verschiedenen Autoren geschrieben wird, folgt es einem einheitlichen Prinzip: Dem Leser enthüllt sich anfangs nicht, um welches Thema es eigentlich geht. Dann steuert der Text mit elegantem Schwung auf sein Ziel zu, woraus sich im Idealfall die vorher noch unerklärliche Einleitung als besonders gelungener Einstieg enthüllt. Ach, das ist schön, wie über ein verwunschenes Nebengleis wieder auf die Hauptstrecke zu gelangen. Aber darin zeigt sich auch der Nachteil der Zeitung. Sie kanalisiert die Informationen auf Hauptstrecken, auf den Mainstream des Denkens. Zweifellos sind Zeitungen wie die FAZ oder die SZ die Intercityzüge des Vorgedachten. Es ist bequem da in ihrem Bauch, betreutes Denken. Wer dagegen selbstständig denken will, geht anfangs nur zu Fuß, verliert gar manchmal die Orientierung. Selbstständiges Denken will geübt sein, und die Fähigkeit wächst mit dem Tun. Sie wächst vor allem mit der schreibenden Aneignung von Welt. Wer selbst schreibt, legt seine eigenen Gleise. Sie können in Gegenden führen, die vom Intercity-Express nie berührt werden. Darum möchte ich die Süddeutsche nicht mal geschenkt, stopfe sie wieder in das Netz an der Rückseite des Vordersitzes, krame Stift und Notizbuch hervor und schreibe das hier auf.

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20 Kommentare zu “Hurtig über Gleise – Betreutes Denken im ICE

    • Verständlich, Herr Ösi. In den 1990-er Jahren hat man meinungsäußernde und informierende Stilformen noch deutlich getrennt. Die Frankfurter Rundschau hat beispielsweise bei informierenden Texten mit Meinungsanteil die Überschriften kursiv gedruckt, quasi um den Leser zu warnen. Diese Achtung vor der Selbstbestimmung des Lesers hat die Journaille leider verloren.

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  1. Betreutes Denken ist eine sehr gelungene Bezeichnung, eine, die auf den Punkt bringt, was beim Lesen geschieht. Natürlich nicht nur beim Lesen der Tageszeitung, aber gerade dort ist die sorgfältige Gestaltung dessen, was als die Realität verkauft wird, besonders heikel für den Leser. Nimmt man noch die ständige Skandalisierung hinzu, die uns daran gewöhnt, dass nichts wirklich wichtig ist, weil alles schnell wieder vorbei ist, nein, dann gibt es kaum Gründe für die Zeitung.

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    • Zu dem, was „als die Realität“ verkauft wird, hat Kollege Merzmensch etwas passendes beobachtet: „Meinerseits gibt es eine Merkwürdigkeit. Seit neulich bin ich Abonnent der digitalen FAZ. Was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass in diesem digitalen Format die Zeitung, an Haptik verlierend, auch ihre Benjaminsche Auratik verliert. Man liest die Texte „nackt“, befreit vom Rauschen der großen Papierformate und fragt sich oft zu den Inhalten: „Muss das sein? Wie rückständig und reaktionär“. Das Digitale scheint die Wahrheitsillusion des Prints zunichte zu machen.“ Aber es liegt nicht nur am Digitalen. Das zeigt dein Gedanke, dass die „ständige Skandalisierung“ uns abstumpfen lässt.

      Eine Sonderstellung nimmt noch der Lokalteil einer Zeitung ein. Hier gibt es naturgemäß kein alles vereinnahmender Mainstream. Und nicht zu unterschätzen sind die Geburts- und Todesanzeigen der Lokalausgaben.

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  2. Alles was man denkt ist schon vorgedacht. Denn es ist Mode. Und modern wollen wir doch – mehr oder weniger – alle sein. Wir picken uns Versatzstücke von Gedanken bei unserem Stamm heraus und siehe da es kommt eine Melange von Ansichten dabei herum, die ihr Publikum findet. Menschen ändern sich nicht. „Kommse her, kommse ran/ hier werden sie genauso beschissen/ wie nebenan!“ So sagt der Marktschreier seit ewigen Zeiten.
    So etwas wie „Betreutes Denken“ hat es immer schon gegeben:
    https://allesmitlinks.wordpress.com/2016/04/10/von-interessen-und-wahrnehmungen/

    Wo also ist die Richtschnur?

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    • So pauschal stimmt das nicht. Die Kulturen verändern sich. Es gibt neue technische Entwicklungen, neue gesellschaftliche Erscheinungen und neue Kommunikationsformen. Über die muss dann auch neu nachgedacht werden wie über die Dinge, die einem im Alltag begegnen. Im konkreten Fall geht es um veränderte Rezeptionsgewohnheiten, die ich an mir beobachte. Dem entspricht eine gesellschaftliche Strömung, abzulesen am Auflagenschwund der Zeitungen. Was jetzt nach deiner Ansicht „Mode“ sein soll und was das vereinnahmende „modern wollen wir doch – mehr oder weniger – alle sein“ zum Verständnis beitragen soll, verstehe ich nicht. Auch “ Alles was man denkt, ist vorgedacht“, ist nach meiner Ansicht falsch. Natürlich haben wir seit der Antike in Schriften niedergelegte Gedanken, von denen einige kulturell prägend sind. Das können wir nachlesen. Aber gegen Selberdenken ist nichts zu sagen, und es ist völlig nebensächlich, ob andere schon Ähnliches gedacht haben.

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      • Gegen Selberdenken ist tatsächlich nichts zu sagen. Aber das tut eben nur eine Minderheit. Bei all den neuen technische Entwicklungen, neue gesellschaftlichen Erscheinungen und neuen Kommunikationsformen, reagiert doch die Mehrzahl der Menschen wie Nandertaler, sprich: sie können diese Entwicklungen nicht erfassen. Das Kleinhirn regiert die Welt und nicht das Großhirn. Verlass mal Deinen Standpunkt und gehe mal in eine x-beliebige Fußgängerzone. Es ist nicht die Rede von großen philosophischen Entwürfen. Die Zeitungen werden untergehen, nicht weil sie das falsche Propagieren, auch nicht weil sie Propaganda machen, denn das haben sie schon immer getan, sie werden untergehen, weil wir uns zurückentwicklen zu einer Gesellschaft von Brot und Spielen.

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        • So pessimistisch sehe ich das nicht. Ich erschrecke mich zwar, wenn ich sehe, dass Comedians wie Mario Barth, Atze Schröder oder noch dümmere mit ihren flachen Witzen Fußballstadien oder Riesenhallen füllen können, weiß auch,wieviel Dummheit bei Facebook alltäglich ist, beobachte den Niedergang des Fernsehens, mit Verblödungssendungen selbst bei den öffentlich-rechtlichen Kanälen aber es gibt auch das Gegenteil, kluge Beiträge von klugen Menschen für ein kluges Publikum. Darüberhinaus glaube ich noch immer an die Einsichtsfähigkeit meiner Mitmenschen.
          Ein erster Schritt ist, die Dinge des Lebens differenziert zu betrachten.
          Ich weiß ja nicht, wie alt du bist und wo du aufgewachsen bist, aber ich habe noch eine Zeitungslandschaft erlebt, in der Meinungsvielfalt herrschte sowie eine Trennung von meinungsäußernden und informierenden Texten.

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          • Vorurteile sind ja nicht grundsätzlich falsch. Gefährlich wird es immer dann, wenn jemand behauptet ohne Vorurteile durchs Leben zu gehen. Niemand käme sicher von a nach b ohne ein Vorurteil, geschweige denn über die Straße. Und was das Alter anbelangt werden wir uns in der gleichen Kohorte bewegen. Auch bin im Rheinland (falsche Seite) aufgewachsen und wurde dann noch mehr nach Osten verschlagen, allerdings im selben Bundesland. Mir reicht ein Nummerschild um Heimweh zu bekommen. Ich wohne jetzt im Süden Ostwestfalens, nördlicher Bereich. Wenn ich nicht da bin, bekomme ich zunehmend auch danach Heimweh. Wer soll sich da noch zurechtfinden?

            Das war es dann schon mit den Gemeinsamkeiten.

            Pessimistisch bin ich eigentlich nicht. Der ernst in mir stellt schon mal dumme Fragen oder gibt unpassende Antworten. Er würde für sich reklamieren, er sei ein Realist. Oft wird behauptet, er sei frech. Die anderen zwei aus dem Trio finden das auch schon mal als störend.

            Der willi befasst sich mit der blauen Blume und begreift so manches nicht. Der mick ist der Springinsfeld und begreift rein garnichts. Alle drei zusammen ergeben mickzwo. Die brauchen einander, tun aber meistens so, als ob sie sich nicht aufs Fell gucken könnten. Hm.

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  3. Pingback: Traumzerbeller | Wildgans's Weblog

  4. »Das Digitale scheint die Wahrheitsillusion des Prints zunichte zu machen.«

    Ja, das tut es definitiv. Das passiert schnell mit inmateriellen Gütern. Eines meiner unvergesslichen Kindheitserlebnisse: Ich komme mit stolzgeschwellter Brust zur Mama, ein neues, vom Taschengeld selbst gekauftes Buch vor der Brust. »Das ist ja nur ein Taschenbuch!!« Richtige Bücher haben Pappe und Rücken.
    Jetzt bin ich selber alt, habe Rücken und bin froh, wenn die Kinder überhaupt noch ein Buch in die Hand nehmen und nicht den Schein von Wahrhaftigkeit bei Twitter.

    Die Wahrheitsillusion des Prints (mit Rücken oder wenigstens in Papierform) aber halte ich so lange für eine Chimäre, solange man noch lügt wie gedruckt. Es gibt immer zwei Seiten. Sich der Welt zu nähern – »mit der schreibenden Aneignung von Welt« – ist sicherlich richtig. Solange es im Kämmerchen stattfindet und nicht gedruckt. Danach mutiert es zum betreuten Denken. Jedenfalls bei einer Leserschaft, die genau das wünscht. Dagegen gibt es kein Kraut und keine Versicherung.

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  5. P.S. Je länger ich darüber nachdenke… Nein, ich kann mich dem Begriff »betreutes Denken« so oder so nicht anschließen (muß ich ja auch nicht).
    Wenn ich mal Hajo Friedrichs »nicht gemein machen« überspringe: Es gibt keine unabhängige und tendenzlose Information, sollte es auch gar nicht geben. Genau so wenig, wie es den Mainstream gibt. Wenn ich mir die Leserkommentare nicht nur an dieser Stelle ansehe, stellt sich ein eigenartiges Gefühl ein: Was erwarten die Leser eigentlich von einer Publikation? Die Welt neutral und unabhängig erklärt, ohne Einfluß der kapitalistischen Verhältnisse, unter denen sie geschrieben werden? Dröge wie eine Abhandlung über Milchzubereitung im Hochmittelalter? Mal ganz abgesehen davon, daß in dem Augenblick, indem ich schriftlich und in der Öffentlichkeit Kritik daran übe, ich mich genau dem selben Vorwurf aussetzen lassen müßte.
    Es ist eben eine Auseinandersetzung verschiedener Standpunkte, auch wenn der eine Mainstream heißt. Neuzeit: Das heißt ja auch, sich eine intellektuelle Unabhängigkeit zu erarbeiten, um aus der vorhandenen Quellenlage sich ein davon – weitgehend – unabhängiges Urteil zu bilden.
    An dieser Stelle ein Wort an Herrn Ösi:
    »Sobald ich Propaganda oder Meinungsmanipulation in einem Zeitungsartikel wittere…« Das könnte man auch vollkommen anders interpretieren als in diesem Zusammenhang. »Sobald sich das Dargebotene nicht an meinem persönlichen Wertesystem orientiert«. Bitte nicht falsch verstehen, aber so kann das ebenfalls interpretiert werden. Was ist Propaganda? Zu Zeiten der Weimarer Republik verstand man darunter auch Werbung für Schokolade und Zigaretten. Und »Meinungsmanipulation« steht eher für fehlendes Rückgrat als für einen bösartigen Vorsatz irgend welcher Gazetten. Der Mensch soll aus Gewissheit handeln, nicht wegen einer Meinung. Meinung ist ein anderes Wort für fehlende oder bruchstückhafte Informationen und einen nicht abgeschlossenen Denkvorgang.

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    • Zu deiner ersten These: „Es gibt keine unabhängige und tendenzlose Information.“ Es ist ein Unterschied, ob jemand meldet oder berichtet, also nüchtern informiert: „Zirkus X gastiert ab dem 1. Juni in der Stadt“, ergänzt um die näheren Umstände, oder ob er kommentiert, dass die vom Zirkus dargebotenen Tierdressuren nicht mehr zeitgemäß sind und darum empfiehlt, den Zirkusbesuch zu meiden. Was ich in einigen Kommentaren kritisiert habe, ist die Vermischung, wenn also die Meinung im Bericht über den Zirkus zu lesen ist. Diese Meinung ist kein „anderes Wort für fehlende oder bruchstückhafte Informationen und einen nicht abgeschlossenen Denkvorgang“, sondern im Gegenteil eine Ansicht, die sich im konkreten Fall aus der näheren Beschäftigung mit den Methoden der Tierdressur ergeben hat und aus Kritik an der Geisteshaltung vergangener Jahrhunderte.
      Was du umschreibst, ist hingegen ein Vorurteil. Aber eine Meinung ist etwas anderes.

      Letztlich liegt einer Meinung immer eine Werthaltung zugrunde. Sie kann aus vorschnellen Urteilen gespeist, bzw. von anderen (beispielsweise den Eltern) übernommen sein oder auf gründliche Auseinandersetzung und sorgfältige Abwägung von Für und Wider zurückgehen.
      Hier in den Kommentaren, beispielsweise bei Herrn Ösi, kommt zum Ausdruck, dass wir ablehnen, wenn uns fremde Meinungen untergeschoben werden. Natürlich ist „Propaganda“ ein zu starker Begriff. Propaganda hat im 3.Reich die von den Nazis gleichgeschaltete Presse gemacht, den Krieg verherrlicht und gegen Juden gehetzt, seltener gegen „Schokolade und Zigaretten.“
      Die Alliierten haben den Westdeutschen danach den Meinungspluralismus verordnet und in großen Städten und Regionen Lizenzen vergeben, je für eine rechtskonservative CDU-nahe und eine linksliberale SPD-nahe Zeitung. Das garantierte ein Mindestmaß an Meinungsvielfalt, und wer wollte, konnte sich informieren über andere Weltsichten als die eigene. Diese plurale Zeitungslandschaft existiert nicht mehr, bedingt durch die Fusionen und Aufkäufe, so dass Zeitungen mit ehedem konträren Werthaltungen in einem Verlagshaus erscheinen. So gehört die rechte FAZ der Fazitstiftung und seit 2004 auch die ehedem linke Frankfurter Rundschau.
      Wir haben einen recht einheitlichen Meinungsmarkt, im Ergebnis den Mainstream. Was man uns dort bietet, ist gedankliche Vorherrschaft, also betreutes Denken. Dagegen wende ich mich.

      Es ist richtig und ratsam, nicht den zu Zeilen geordneten Gedanken von bezahlten Schreibern zu folgen, denn wir wissen nicht, welche Ziele ihre Geldgeber verfolgen. Es tut gut, sich die Oberhoheit über den eigenen Kopf von den bezahlten Schreibern zurückzuerobern, denn die geistige Bevormundung der Köpfe ist ein Faktor kultureller und politischer Macht. Und wenn auch die bezahlten Schreiber nicht die wirklich Mächtigen sind, so sind sie doch deren Vögte und Statthalter.

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    • Meine Meinung ist ja, wie die Meinung eines jeden anderen Menschen auch, immer eine subjektive. Und das soll sie auch sein. Dass sie falsch interpretiert werden kann, wenn man nur an den entsprechenden Stellen herum schraubt, nehme ich gern und milde lächelnd zur Kenntnis …

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  6. So eine Zeitung kommt erst einmal wichtig daher. Um sie balgte ich mich morgens mit meinem Vater: er Politik, ich Kultur, später tauschten und fledderten wir. Danach wurde die Zeitung an den Knickfalten akribisch wieder ordentlich geknickfaltet. Ich hatte morgens um halb sieben immer viele Fragen. Mein Vater hingegen überhaupt keine. In diese Diskrepanz versöhnte das Rascheln der Zeitung hinter der Tasse Kaffee. Du, Papa…?Ich lese! Empörtes und nachdrückliches Rascheln.
    Politikteil, innen links. Der schreibt vielleicht ein blödes Zeuch. Wieso drucken die das schnörkelig? (kursiv , so ein schweres Fremdwort kann ich so früh morgens noch nicht, das muss ich jeden Tag erst wieder neu lernen)
    Ach, das kannst Du überlesen. Das sind nur die politischen Meinungen der Zeitungsschreiber. Aber die schreiben doch, sie seien überparteilich? Der hier schreibt aber sehr rot . Wieso ist die Schrift dann schwarz? Weil es sonst zu sehr auffallen würde? Ach, wäre die Zeitung schön bunt, wenn alle politischen Meinungen ihre Farben offen drucken würden.
    Weiteres Rascheln, No comment.
    Dann:
    Leg die Zeitung vor die Küchentür. Mama braucht sie später noch für die Kartoffelschalen.

    Eine Erinnerung, ein Jugendschwank. Da waren Meinungen noch kursiv.

    Feine Gedanken von Dir, Jules.
    Teile ich gern.

    Liebe Grüße✨

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    • Schön, wie du die jugendliche Erinnerung an die Zeitung am Frühstückstisch schilderst, liebe Fee. Schön auch die Erkenntnis,dass „überparteilich“ trotzdem tendenziös war. Die Idee von vielfarbigen Zeitungen, abhängig von der politischen Ausrichtung finde ich kindlich-jugendlich erfrischend. Leider ist farbige Schrift nicht gut zu lesen. Die Schwarzen wären im Vorteil. Rot ginge ja noch, Gelb wäre ganz schwach. Rot war einst den Königen vorbehalten. Die Sy,mbolik würde bei den Texten der Roten mitschwingen. Zuletzt die Zeitung für die Kartoffelschalen. Herrlich!
      Danke für deinen hübschen Kommentar
      und beste Grüße!

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  7. Kam mir sofort die alte Erinnerung zu Deinem „kursive Meinung“ in den Sinn geflattert. Es käme bei der Schriftfarbe gelb zum Beispiel auf die Papierhintergrundfarbe an. Schwarz zum Beispiel. Gelb auf Grün wäre nicht so toll. Aber lila zum Beispiel. Das gibt es noch nicht. Allerdings würden solch kunterbunte Zeitungen dann auch furchtbar abfärben und man könnte keine Fischköppe mehr drin einwickeln. Oder sie für Umzüge benutzen oder als Stopfmaterial für zerbrechliche Pakete. So ganz verkappt breche ich dem Medium Zeitung nämlich eine kleine Lanze: Sie ist mehr als ein Kommunikationsinstrument oder Medium. Sie ist fraglos Meinungsmache und dessen sollte sich der Leser stets bewusst sein. Vor allem, wenn Meinungen nicht mehr kursiv gedruckt werden, sondern wie Fakten dargestellt. Letztlich lese ich auch gern Meinungen. Sie beinhalten Ideengänge und zeigen manchmal mögliche Lösungen auf. Zeitungen sind auch ein Spiegel parteilicher Machtverteilungen. Über wen wird am meisten berichtet? Wie kommen die Fotos der abgelichteten Politikköpfe herüber? Ich lese nur im Internet Zeitung. Die Süddeutsche immer wieder, weil ich die Artikel angenehm zu lesen finde. Die Zeit, auch gern. Alles allerdings sporadisch. Aktuelles höre ich im Radio. Zeitung – das Wort besagt es schon, benötigt Zeit. Zeit, um sich von einem Zug durchrattern zu lassen und endlich mal einen Artikel in Ruhe durchzupflügen bis zum letzten Satz. Während draußen Landschaft vorbeizieht. Zeitung riecht auch schon so speziell. Nach Druckerschwärze und Papier. Ein sehr eigener Geruch. Ach, was erzähle ich Dir hier eigentlich…pardon.
    Kommt nur davon, weil Du mich lobst.
    Oh oh.
    Liebe Grüße von der Fee

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  8. Das Konzept „Betreung“ ist eindeutig auf dem Vormarsch. Nicht nur beim Denken – da sind wir, meine ich, im Vergleich zu früheren Jahrhunderten immer noch ganz gut aufgestellt. Auch beim Autofahren und in vielen anderen Bereichen. In der von Dir geschmähten SZ las ich gestern einen Artikel über das Vorhaben der chinesischen Regierung, mittels digitaler Technik das Verhalten aller Staatsbürger zu erfassen, zu speichern und Computergesteuert auszuwerten. Über ein Punktesystem soll dann Einfluss auf das Verhalten der Menschen ausgeübt werden: Müll der älteren Nachbarin runtergebracht: plus 10 Punkte. Bei Rot über die Ampel: minus 10 Punkte. Ohne erforderliche Mindestpunktzahl darf dann beispielsweise der Schnellzug nicht mehr benutz werden etc etc. Im Artikel kam der chinesische Professor, der dem westlichen Journalisten das Projekt erläuterte, ausführlich zu Wort. Leider wurden nicht die richtigen Fragen gestellt (Unterziehen sich auch Parteifunktionäre bis zum obersten Staatschef dem Programm etc.), so dass ich schon zu mutmaßen begann, ein chinesischer Investor habe die SZ übernommen. Der für mich wahrscheinlich einzige Grund, an der Printzeitung festzuhalten, ist die Möglichkeit, Bilder und Artikel (immer seltener) herausreißen zu können. Ein wenig sentimental, ich weiß…

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    • Wie du oben am gescannten Streiflicht sehen kannst, habe ich in den 1990-er Jahren fleißig Artikel aus der SZ ausgeschnitten. In meinen Tagebüchern finden sich unzählige Ausschnitte und Ausrisse. Für mich ist das alles verloren. Indem ich quasi über Nacht das Vertrauen zum Printmedium verlor, hörte auch das derart aneignende Lesen auf. Schade. 😦
      Artikel wie der von dir referierte sind natürlich heute noch lesenswert. Woher, wenn nicht von den Korrespondenten großer Tageszeitungen sollte Kunde aus fernen Ländern zu uns kommen? Diesmal geht es ja nicht um den sprichwörtlichen Sack Reis und sein Umfallen, sondern um bedenkliche Entwicklungen in der digitalen Überwachung von Menschen. Gruselig, aber gut zu wissen. Danke dafür!

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