Morgenstund hat Geld im Mund – Ein Fall von geplanter Verschwendung und ein Witz mit Verspätung

Cartoon: JvdL, (größer: klicken)

In seinem Buch „Geplanter Verschleiß: Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt – und wie wir uns dagegen wehren können“, schreibt der Ökonom Christian Kreiß, eine Beratungsfirma habe dem Zahnpastahersteller Colgate geraten, die Tubenöffnung zu vergrößern, worauf sich der Umsatz um 30 Prozent erhöht habe. Jetzt verstehe ich mein Cartoon, das ich einst der Titanic angeboten habe, das dort aber so lange „auf Halde“ gelegen hat, dass ich es zurückgefordert habe. Der Witz zündet erst Jahre später im Kontext mit der zu großen Austrittsöffnung bei Zahnpastatuben. Darüber habe ich mich schon oft geärgert, dass immer zuviel Zahnpasta austritt. Wie wir jetzt wissen, exakt 30 Prozent pladdert sinnlos in den Abfluss. Sauerei. Gewiss gibt es die geplante Verschwendung auch bei anderen Produkten.

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32 Kommentare zu “Morgenstund hat Geld im Mund – Ein Fall von geplanter Verschwendung und ein Witz mit Verspätung

  1. Zum Glück gibt´s immer mehr Repair-Cafés, die versuchen vorzeitig kaputt gegangene (verschlissene) Elektrogeräte wieder Instand zu setzen. Für die Tuben gibt´s wahrscheinlich auch längst Sparaufsätze. Aus Plastik…
    Es ist schon ein krankes System, das derart mit Ressourchen umgeht und Mensch und Umwelt dabei völlig aus dem Blick verliert.

    Deien Zeichnung gefällt mir! Du hast wirklich viele Talente.

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  2. Ich habe mal gehört, dass viele Getränkehersteller manche ihrer Erzeugnisse in Flaschen mit extra großen Öffnungen anbieten und die Flaschenform so gestalten, dass man kaum wenig ausgießen kann, sondern tendenziell ein größerer Schwung Flüssigkeit die Flasche verlässt, jedenfalls wenn sie nicht mehr ganz voll ist.

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  3. Es hält sich ja auch hartnäckig das Gerücht, dass manchen Geräten (z. B. Druckern) ein Lebensende bereits einprogrammiert ist, in Form eines „Kaputtgehzeitpunktes“. Der Kapitalismus treibt das Konkurrenzprinzip auf die Spitze, wie wir derzeit in allen Bereichen beobachten können. Als (vielleicht schwacher) Trost : man kann sich dazu verhalten – hoffentlich weitestgehend selbstbestimmt. (Und: ganz neue Kulturtechniken werden nebenbei erworben, z. B. wie sich der Druck auf die Zahnpastatube so fein regulieren lässt, dass trotz großer Öffnung nur wenig Pasta austritt 😉

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  4. Das ist alles nur zu unserem Besten! Und weniger Verbrauch ist asozial, denn Verbrauch schafft Umsatz, Umsatz sorgt für Produktion, Produktion für Arbeitsplätze – und sozial ist, was Arbeit schafft.

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  5. Der Erich guckt aber auch grimmig! Wenn ich in dem Badezimmer Zahnpasta wäre, würde ich so einem mürrischen Patron noch viel mehr Scherereien bescheren als nur so einen mikrigen Stinkrfinger.
    Klasseidee und gekonnte Umsetzung. Schön.

    😀

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    • Zum Glück bist du menschlich und keine hingetuschte Zahnpasta. Und Erich guckt so, weil ich ihn so gezeichnet habe. Leider habe ich das Zeichnen aufgegeben. Von der Serie wurde nur ein Bild gedruckt, das dir sicher bekannte „Heinzi“, und weil ich bei der Titanic mit Zeichnungen keinen Fuß in die Tür bekam (Hans Zippert: „Da musst du zuerst Greser & Lenz erstechen“), habe ich nur noch geschrieben. Dankeschön fürs Kompliment.

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  6. Mit Shampoo und Duschgel ist es genauso – meistens nimmt man doppelt so viel wie nötig und bemerkt das erst, wenn nur noch ein Restchen übrig ist und doch vollkommen reicht. Duschgel hat oft eine seltsame Konsistenz und flutscht aus der Hand wie ein nasser Fisch. Übrigens sind Zahnpasta- und andere Tuben in letzter Zeit mehr und mehr aus einem ganz weichen Plastik, das man nicht mehr zusammendrücken bzw. falten kann; es bleibt viel Zahnpasta oder Creme in der Tube zurück, wenn man denkt, sie sei schon leer. Das sieht man aber nur, wenn man sie aufschneidet. Ich schneide seit längerem alle Tuben (und auch härtere Gefäße) auf, um die Reste darin zu verbrauchen. 10 Prozent des Inhalts, schätze ich, werden so gerettet und verbraucht statt weggeworfen.

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    • Beim Duschgel ist mir das auch schon aufgefallen. Danke für den Hinweis, liebe Dorothea. Die Tuben aufzuschneiden, um an die ganzen Inhalt ranzukommen, ist ein guter Tipp. Ich glaube, dass in den genannten Bereichen mehr Achtsamkeit schon Abhilfe schaffen kann, wie ja überhaupt mehr Achtsamkeit und Beobachtung des eigenen Konsumverhaltens hilft.

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  7. Ein gegensätzliches Kuriosum in diesem Konnex ist freilich die Ajona-Zahnpasta, deren Benützer mittels Aufschrift auf der Tube ausdrücklich vom Hersteller angehalten wird, diese »bitte« sparsam zu verwenden. (Früher stand dort gar der gebieterische Aufruf: »Man verwende sie sparsam!«)

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