Alphabetmärchen

Einmal erwacht‘ ich inmitten der Nacht
Und wurde gewahr, wie mit eisig perlendem Wasser
Das Alphabet gereinigt wurde.
Sie waren gerade beim C.
Ich hörte es prasseln, da man es wusch.

Und dachte: Wenn man um drei Uhr vier
Erst beim C angekommen ist,
Wie will man beizeiten fertig sein?
Da fiel mir ein, dass in alter Folge
Das C an der 11. Stelle steht.

So lag ich und horchte.
Dann setzt‘ ich mich auf und machte Licht.
Augenblicklich hielt das Waschen inne.
Das Brausen wurde zum Rieseln
Und dann war’s still.

So glaube ich, dass in dieser Nacht
Das Alphabet zur Hälfte schmutzig blieb.
Allein, ich bin schuldlos.
Das Licht löschte ich aus
Und schrieb im Dunkeln:

In alter Zeit wusch man allnächtlich die Stunden.
Da konnte nichts Übles die Nacht überstehen.
Doch seit der Mensch die Stunden nahm
Und sie in Buchstaben presste,
Wird nur noch die Schrift gewaschen.

Daher verkommt die Welt, und mit ihr
Verludern die kosmischen Wäscher.
Denn das Alphabet ist ihnen egal.
Das waschen sie nur,
Wenn sie launig sind.

(Trithemius)