An den Untertassen sollt ihr sie erkennen

Vorab ein Bekenntnis. Ich bin abgefallener Katholik und die Mutter meiner Kinder ist es auch. Doch seltsam genug geriet ich in der Folge nur an Frauen, die von Haus evangelisch waren. Ob jemand katholisch, evangelisch oder vom Glauben abgefallener Heide ist, lässt sich am Verhalten kaum ablesen. Ein kleiner Unterschied ist mir jedoch aufgefallen und ich wüsste gern, ob sich meine Beobachtung verifizieren lässt. Evangelische Frauen benutzen keine Unterteller, stellen die Tassen einfach so auf den Tisch. Ich glaube nicht, dass es landschaftlich begründet ist, denn die erste Frau, die ich die Untertasse weglassen sah, kam aus dem schönen Städtchen Jülich, im Herzen des Rheinlands gelegen. Aus meiner Kindheit habe ich noch vor Augen, dass alte Frauen etwas Unmanierliches taten. Weil sie sich am heiß aufgebrühten Kaffee nicht den Mund verbrennen wollten, gossen sie den ersten Schluck auf den Unterteller und schlürften ihn von dort. Heißt der Unterteller im Rheinland deshalb Untertasse?

Was zu beweisen wäre – Foto: JvdL

Eben fiel mir auf, dass ich inzwischen auch keinen Unterteller mehr benutze, ja nicht einmal vermisse, was bedeutet, dass ich per Untertellerverschmähung klammheimlich zu den Evangelischen übergetreten bin. Hallo? Ich meins nicht so. Mein Einstellungswandel vollzog sich für mich unmerklich. Ihm liegt keine bewusste Entscheidung zugrunde. Es ist pure Gewöhnung. Deshalb hoffe ich, nicht wieder aus der Kirche austreten zu müssen. Demgemäß schreibe ich aus purem ethnologischem Interesse. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Untertassenverschmähung und evangelischer Religion?