Böse Hose und Bier aus der Dose

Der junge Mann auf der Treppe sitzt auf der zweiten Stufe von oben und hat die Füße auf der Stufe darunter. Also eigentlich hockt er da in seiner hellen Camouflage-Hose. Er trägt eine ärmellose knallblaue Jacke mit sinnloser weißer Aufschrift. Schaut traurig vor sich hin. Ab und zu nimmt er einen langen Schluck aus einer goldfarbenen Bierdose und stellt sie sorgsam neben sich auf der Treppenstufe ab. Eine offenbar leere Bierdose steht eine Stufe höher hinter ihm. Jetzt fährt er mit der offenen Hand über sein Gesicht und weiter über seinen Kopf. Die Haare trägt er kurz wie ein übermähter Rasen. Am Hinterkopf tut sich eine kahle Stelle auf. Eine modisch gestylte junge Frau kommt von hinten über den Weg heran und trippelt vor seiner Nase leichtfüßig die Stufen hinunter. Den Impuls ihr nachzuschauen hat er offenbar nicht. Starrt eine Weile auf das falsche Gold seiner Bierdose. Trinkt wieder. Wie er den Kopf nach hinten legt und hingebungsvoll an der kalten Dose zuzzelt, wird klar, was ihm fehlt, menschliche Wärme, eine fremdvertraute Hand, die bereit ist, über seinen Kopf zu streichen.

Derweil ich mir einen Kaffee mache, erfasst mich Mitleid, denn ich kenne das, hab es schon mal vermisst. Ich frage mich, ob das Bier am Mittag ihm ausreichend Ersatz ist. Der Alkoholgehalt dieser Dose und der leeren hinter ihm ist viel zu gering, um ihn gefühllos zu machen gegen das, was ihm fehlt.

Nachdem ich das hier aufgeschrieben habe, schaue ich wieder aus dem Fenster auf den Weg. Er ist gegangen. Aber wohin auch immer, es ändert nichts, ob er sich nun hier- oder dorthin gewandt hat. Manch einem fehlt jedes Mittel, seine Lage zu verbessern. Es liegt nicht an der Camouflagehose. Sie ist nur Symptom einer misslichen Lage. Aber mein erster Rat wäre, sie wegzuwerfen. Falls es nicht seine beste ist.