Wer hat die käufliche Dame geschwängert?

Die ästhetischen Prinzipien der Typografie sind den meisten Bloggern so gut wie egal, weil uns die vorgefertigten Themes die wichtigsten Gestaltungsaufgaben abnehmen. Doch vieles am Teestübchen Trithemius würde ich gerne typografisch feiner abstimmen, habe mich aber mit unschönen Abständen und dergleichen arrangiert, meine typografischen Vorstellungen an die Möglichkeiten der Blogsoftware angepasst. Ich kannte mal eine hochintelligente Berliner Juristin ein wenig näher. Als Bloggerin hatte sie sich innerhalb kürzester Zeit in die Cascading-Style-Sheets (CSS)-Programmierung hineingefuchst und konnte die Teppichhaus-Blogs bei blog.de und twoday.net meinen typografischen Vorstellungen anpassen. Leider habe ich den Kontakt zu ihr verloren. Von ihr ist mir nur die Engeltasse Cornelia geblieben, aus der ich meinen Kaffee trinke, weshalb ich täglich an sie denken muss und mein Herz ein bisschen blutet.

Weil ich selbst zu dumm oder zu faul träge bin, CSS zu lernen, wobei das eine mit dem andern eng verwandt ist, muss ich mich nicht nur mit einer hölzernen Typografie bescheiden, sondern auch dulden, dass typografische Veränderungen hinter meinem Rücken ablaufen. Texte, an denen ich so lange gefeilt hatte, bis sie als Block in etwa gleich hoch neben ein Bild passten, passen nach einiger Zeit nicht mehr. Ein fremder Leser, der einen älteren Text aufruft, wird denken: „Welch typografischer Laie war denn hier am Werk? Kann denn der Mann nicht ein bisschen aufpassen, damit er nicht dauernd Hurenkinder in die Welt setzt? Entschuldigung! Ich habe die Dame nicht geschwängert. Falls hier Kinder mitlesen, will ich den Bereich der sexuellen Anspielungen verlassen und den Fachbegriff aus der bilderreichen Druckersprache übersetzen: Ein Hurenkind ist die letzte Zeile eines Absatzes, die verloren auf einer anderen Seite steht oder wie in den beiden Bildbeispielen verloren unter einem eingerückten Foto, genannt „Umläufer.“

Hässliche Hurenkinder in meinem Blog – Wer hat die gemacht? – Montage: JvdL

Weil ich gerne Umläufer im Text habe, damit Fotos oder Abbildungen sich nicht zu sperrig zwischen Textabschnitte legen, muss ich immer am Text herumbasteln, muss ihn entfalten, damit er länger wird, meistens aber kürzen und umformulieren. Besonders Kürzungen kommen einem Text zugute. Man glaubt ja nicht, wie viele Wörter in einem Absatz sprachlicher Ballast sind und weg können. Die Diktion wird auf jeden Fall saftiger, wenn die Füllwörter heraus gekürzt sind. Der Kürzungsaufwand lohnt, und ich nehme mir gerne die Zeit dafür. Wie aber kommt es nur, dass Formatgestaltungen, die mal mit großer Mühe passend gemacht wurden, plötzlich nicht mehr passen? Mir scheint, dass hinter unserem Rücken ständig an der wordpress-Software herumgebastelt wird, so dass sich der Zeilenfall oder die Abstände zwischen Bild und Text verändern. Oder hat jemand eine bessere Erklärung für dieses Phänomen?