Hübsche Kulturtechnik: Frottieren ohne Handtuch

kategorie Mensch & NaturWir Alltags-Ethnologen hatten ja früher nichts außer Papier und Bleistift und mussten alles mit der Hand machen. Morgens in aller früh bei jedem Wetter raus auf die Straße, und dann wurde man auch noch scheel angeguckt, wenn man auf den Knien über einem Kanaldeckel lag. So sehen die Sachen dann aus: Flüchtig hingeskribbelt. Diese Abreibtechnik heißt Frottage. Sie diente einst dokumentarischen Zwecken, hatte jedoch immer einen grafischen Eigenwert.

Frottage: JvdL, zum Vergrößern bitte klicken

Alle Frottagen: JvdL, zum Vergrößern bitte klicken

Unter Kindern war das Frottieren von Münzen beliebt, Künstler nutzten die Frottage, um in Oberflächenstrukturen mannigfaltige Bilder zu finden. Der Kölner Surrealist Max Ernst hat diese Technik zur Meisterschaft entwickelt. Die Frottage zur Dokumentation wurde durch die allgegenwärtige Digitalfotografie verdrängt und gehört mit Doodeln und Handschrift in die Reihe der verschwindenden Kulturtechniken. Als ich in den 1990-er Jahren noch Tagebuch schrieb, frottierte ich einiges:

- hier die Sohle meines neuen Schuhs ...

– hier die Sohle meines neuen Schuhs …

Das A einer Inschrift auf dem Kalvarienberg im Klauser Wäldchen, Kornelimünster ...

Das A einer Inschrift auf dem Kalvarienberg im Klauser Wäldchen, Kornelimünster …

Frottieren ohne Handtuch geht kinderleicht. Man braucht nur eine strukturierte Oberfläche, Papier, einen weichen Bleistift und ein klein bisschen Geduld. Versuchen Sie es mal und zeigen Sie das Ergebnis!

frottage3

Vor allem Münzen sollten noch rechtzeitig vor ihrer Abschaffung frottiert werden, denn die Anschläge auf das gute alte Bargeld sind Legion.

Advertisements

34 Kommentare zu “Hübsche Kulturtechnik: Frottieren ohne Handtuch

  1. Mit dieser Technik kamen wir im Kunstunterricht immer wieder zu guten Ergebnissen. Mit weißem Blatt und Bleistift konnten die Schüler überall rumsausen und probieren, wie sonst nie fanden sie eifrig wunderbare Strukturen! In einem Roman las ich, dass der Lehrer mit seiner Dorfschulklasse gar auf den Friedhof ging und die Kinder an den Grabsteinen die Frottage erprobten. Es gibt auch Biolehrer, die das mit Baumrinden …usw.

    Gefällt 1 Person

    • Meine Schüler haben das ebenfalls gerne gemacht, weil sie dazu über das ganze Schulgelände ausschwärmen konnten, um lohnende Strukturen zu finden. Grabsteine sind auch lohnende Objekte, allerdings könnte passieren, dass man sich erklären muss. Die Ausrede: „Der Lehrer hat mich dazu angestiftet“, gilt diesmal nicht. 😉 Ich bin im Ruhestand.

      Gefällt 1 Person

    • Dankeschön für deine Frottage, liebe Marana! So kommt die gute alte „Monica“ wenigstens nochmal zu Ehren. Das Rätsel hast du so gut wie gelöst. Das Bild (von mir mit LInolfarbe abgedruckt) befand sich als Prägung im Gummi einer Wärmflasche und soll wohl deren wohltuende Wärmewirkung illustrieren. Ich finde die ungelenke Darstellung in ihrer Naivität recht ansprechend, weil ungewollt komisch.

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Teestübchen Tutorial: Wie man ein Bild in den Kommentarkasten einfügt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s