Lauter Artigkeiten im Plausch mit Frau Nettesheim

Frau Nettesheim
Warum kramen Sie so hektisch in der Schublade, Trithemius?

Trithemius
Wie Sie gerade das Teestübchen betreten haben, Frau Nettesheim, dachte ich, schnell die Schneebrille! Sonst werde ich von ihrer strahlenden Schönheit geblendet.

Frau Nettesheim
Quatschkopp! Sie haben nie eine Schneebrille besessen.

Trithemius
Ach, wie wunderbar diese Worte von Ihren Lippen tropfen. Ich liebe die Stellung Ihres Mundes beim Spotten. Bitte kommen Sie nicht näher, damit ich in Ihrer berückenden Aura nicht verbruzzele.

Frau Nettesheim
Haben Sie einen Clown gefrühstückt?

Trithemius
Nein, dieser Witz auf meine Kosten! Göttlich. Ich schmelze dahin, Sie bezauberndes Weib.

Frau Nettesheim
Da spricht der Masochist in Ihnen.

Trithemius
Haha, der masochistische Clown. Köstlich! Ein herrliches Bild, Sie Königin der … der … überraschenden Metapher.

Frau Nettesheim
Hören Sie schon auf, Sie Einhandsegler auf dem Ozean der Plattitüden.

Trithemius
Hier, ich werfe meinen grauen Kittel aus, auf dass Ihr zierlicher Fuß nicht davon benetzt werde.

Frau Nettesheim
Der ist zu klein.

Trithemius
O nein, Frau Nettesheim, Ihr Fuß ist beileibe nicht zu klein, sondern hat exakt das goldene Maß.

Frau Nettesheim
Ihr Kittel, Sie Depp.

Trithemius
Nach diesen goldenen Worten, werte, verehrungswürdige, liebe, entzückende Frau Nettesheim, wird wohl jeder verstehen, warum wir beide uns mit Artigkeiten überhäufen.

Frau Nettesheim
Weil Sie endlich völlig durchgeknallt sind?

Trithemius
Ja, ausgelöst durch Ihre anmutige Erscheinung – am heutigen Internationalen Tag der Komplimente.

Straße der Kindheit (6) – Schnee – Ein Interview

Blick in die erste Bruchstraße

Blick in die erste Bruchstraße

Folge 1Folge 2 Folge 3Folge 4 Folge 5

Obwohl Melzer kaum mit euch sprach, verdankst du ihm die besten Rodelfahrten deines Lebens?

Mindestens, was die Bruchstraße betrifft. Wenn Schnee gefallen war und die Bruchstraße eine geschlossene Schneedecke hatte, entdeckte Melzer sein Herz für Kinder. Irgendwann am Tag fuhr er seinen Deutz-Traktor auf die Straße, band Rosies Schlitten an die Anhängerkupplung und hängte den von Georg, Rosies kleinem Bruder, hinter Rosies Schlitten. Im Nu strömten alle Kinder mit ihren Schlitten herbei und banden sie hintereinander. Und los ging die wilde Schlittenfahrt. Bauer Melzer gab Gas, ein Ruck, und die Schlittenreihe setzte sich in Bewegung. Das ging gut, bis zur Kreuzung oben. Da war der Schnee noch von den Reifen der Traktoren festgefahren, und die Schlitten holperten hurtig über die vereiste Piste, dass man Mühe hatte, sich festzuhalten. Doch spätestens, wo die Straße in die Winterlandschaft des Hohlwegs eintauchte, lag Tiefschnee. Und spätestens hier, kippte einer mit seinem Schlitten um, und das Schlittengespann riss auseinander. Die Kindermeute schrie „Halt!“, und wenn dann wieder alles gerichtet war, wurde „Schnee fassen!“ gerufen, und jeder nahm zur Stärkung eine Handvoll Schnee in den Mund. Weiterlesen