Hillary Clintons Pizzaladen – Neues über Fake News

Kategorie zirkusGerade haben die Kleingeistergärtner der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) unter dem Applaus unserer Medien das dumme Modewort „postfaktisch“ zum „Wort des Jahres“ gekürt. Der Jubel ist verständlich, denn einem strunzblöden Publikum, das weder zwischen wahr und falsch unterscheiden mag noch kann, kann man jeden Dreck andrehen, was im Sinne der Politik sein sollte. Auch unseren Leitmedien erleichtert es das Geschäft der Meinungsmache. Statt zufrieden zu sein, dass die eigene verzerrte Weltsicht ihren prämierten Ausdruck gefunden hat, serviert man uns als neuste Bratwurst: „Fake News“, was soviel bedeutet wie gefälschte Neuigkeiten.

Durch Jens Berger von den Nachdenkseiten wurde ich auf einen Tagesthemen-Kommentar der WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich aufmerksam, gesendet am 12.12.2016

Quelle: Tagesschau.de - Zum Lesen und Anhören des Kommentars Bild klicken

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Zunächst fällt der absurd hochmütige Gebrauch der Berufsbezeichnung „Journalist“ auf. Journalisten sollen plötzlich die Garanten für die Verbreitung von Wahrheit sein. Die Wahrheit ist doch: Unter dem Banner „Journalisten“ marschieren täglich Heerscharen von Lügnern und Betrügern in ihr Redaktion genanntes Bergwerk, um Katzengold zu fördern, das man den über Jahrzehnte gezielt verblödeten Lesern als bare Münze verkauft. Diese Lügner arbeiten bei der Bildzeitung, in der vielfältigen Regenbogenpresse, aber auch in den kriecherischen Lokalredaktionen, in den verschmockten Politik- und Wirtschaftsressorts großer Medienanstalten, wo seit Jahr und Tag die neoliberale Unkultur gefeiert wird.

Ich bin kein Freund von Facebook, habe dort auch keinen Account. Schon lange regt mich auf, wie gedankenlos die Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit Facebook kooperieren, also kostenlose und nicht deklarierte Werbung für diesen Konzern machen. Jetzt soll dieser Konzern sogar nach dem Willen von Chefredakteurin Mikich die Einträge zensieren. Schauen wir uns ein Beispiel für Fake-News an, deretwegen Frau Mikich Zensur einfordert.

Ein Pizzaladen ist Tarnadresse für einen pädophilen Sex-Ring von Hillary Clinton.

Jaja, und der Papst boxt wieder. Schon die skurrile Kombination Clinton und Pizzaladen macht stutzig. Klingt erfunden. Früher hat sich die Sagenforschung mit derlei urban legends beschäftigt. Der Sagenforscher Rolf Wilhelm Brednich sieht als ein Charakteristikum die mündliche Verbreitung an. Indem sich im Mikroblogging die Schriftsprache immer stärker dem Mündlichen annähert, sollte nicht verwundern, dass urban legends sich auch über dieses Medium verbreiten. Welche Funktion haben derlei moderne Sagen? „Wie kaum eine andere mündliche Überlieferung sind Sagen Ausdruck von Angst“, hat der Sagenforscher Lutz Röhrich gefunden. Brednich ergänzt: „Gleiches gilt – cum grano salis – auch für die modernen Sagenerzählungen, nur lauert das Unvorhergesehene, Bedrohliche und Unbegreifliche nicht mehr in der magischen Welt von Dämonen, Teufeln und Hexen, sondern in unserer eigenen Umwelt.“ (Die Spinne in der Yuccapalme; München 1991) Was ist nun bedrohlich an Hillary Clinton? Wer außer Bill müsste sie fürchten? Was unsere wunderbaren Journalisten gerne unterschlagen haben, aber hier im Magazin Monitor zur Sprache kam, ist Clintons kriegstreiberische Politik.

Monitor zitiert den Militäranalysten Daniel L. Davis: „Wenn Hillary Clinton ins Weiße Haus einzieht, werden wir eine wesentlich aggressivere und militarisiertere Außenpolitik der Vereinigten Staaten erleben. Vor allem wenn wir uns anschauen, wie sich Clinton in den letzten 20 Jahren verhalten hat. Als Präsidentin wird sie dann wesentlich mehr Macht haben und es gibt nichts, das sie hindert.“

Man kann das als friedliebender Mensch menschenverachtend finden, und wenn uns die Lohnschreiber nicht eindrücklich genug hinweisen auf Clintons dunkle Seite, wird es in der Sagenerfindung heruntergebrochen auf ein fassbares Bild.

Bevor die USA unter dem alten Bush in den ersten Golfkrieg eingetreten sind, verbreiteten die Journalisten unserer Medienanstalten den Bericht einer weinenden kuweitischen Krankenschwester, dass irakische Soldaten nach dem Überfall auf ein Krankenhaus Säuglinge aus den Brutkästen gerissen und auf den Boden geworfen hätten. Man lese hier unter dem Stichwort Brutkastenlüge wie die Öffentlichkeit getäuscht wurde. Diese Fake News stammte nicht von erzählfreudigen Amateuren, nicht von Putin, dem Hans Muff der Neuzeit, sondern von der PR-Agentur Hill & Knowlton.

Regierungen beauftragen PR-Agenturen, derlei Propaganda zu erfinden, um ihre geopolitischen Machtinteressen durchzusetzen. Auch der zweite Golfkrieg begann mit einer Lüge, der von den angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddams, massenhaft verbreitet durch unsere Medien. Aber wir sollen uns aufregen über die Fake News genannten urban legends, die nicht von den Leitmedien verbreitet werden. Hier ist Zensur gefordert. Das wirkt wie Eifersüchtelei derart: „Für die Verbreitung von Fake News sind immer noch wir Journalisten zuständig.“

Da wir alle, du und ich, nach Meinung von Politik und Medien gar nicht mehr an Fakten interessiert sind, gehen uns natürlich auch Fake News hinten rum vorbei.

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7 Kommentare zu “Hillary Clintons Pizzaladen – Neues über Fake News

  1. Was ist schon wahr, wer kann schon überprüfen, was wahr ist. Letztlich geht es um Vertrauen – und das ist verloren gegangen. Natürlich. Jetzt wird der Qualitätsjournalismus aus dem Kasten geholt und als Rettung der Demokratie gepriesen, als Rettung der Verlage kommt er, wie du zurecht sagst, nicht in Frage, die haben in ihrer Mehrheit keinen Wert darauf gelegt. Wir haben gelernt, dass wir nur erfahren, was gut für uns ist, von Menschen, die wissen, was gut für uns ist. Deshalb misstrauen wir den Medien, was wir nicht wussten, war, dass das dieses Misstrauen inzwischen so weit verbreitet ist. Wir haben es immer für ein Privileg der Linken gehalten, kritisch auf die Welt zu schauen – jetzt schaut die Welt zurück und erzählt uns Geschichten. Märchen. Und wieder hast du Recht. Wir müssen uns fragen, was hinter diesen Geschichten steht, wer sie erzählt, warum er sie erzählt.

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    • Wie weit verbreitet das Misstrauen ist, darüber wundern sich unsere Qualititätsjournalisten gerade und entdecken ganz neue Sachverhalte, dass nämlich in der Folklore schon immer sagenhafte Erzählungen geglaubt wurden, wobei sie doch selbst von der Gutgläubigkeit der Menschen Jahrzehnte profitiert haben. Zentrale Frage ist sicher, wie ein Weltbild überhaupt zustande kommt und wie resistent es ist gegen mediale Einflüsterungen. Dabei erkannte schon Abraham Lincoln:
      „Man kann ein ganzes Volk eine Zeit lang belügen, Teile eines Volkes dauernd betrügen, aber nicht das ganze Volk dauernd belügen und betrügen.“ Abraham Lincoln (1809-1865)

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  2. Die sogenannten Leitmedien oder besser Leidmedien konsumiere ich immer seltener. Selbst der SPIEGEL überbietet in seiner überheblichen Geschmacklosigkeit inzwischen die BILD-Zeitung niveaumäßig nach unten. Beide kenne ich Gottseidank nur Online, denn Geld würde ich für diese Kloakenpropagandaschriften niemals ausgeben.
    Hat aber auch was Gutes. Lese ich die ersten Sätze einer politischen SPIEGEL-Reportage, gebe ich ziemlich schnell angewidert auf … und widme mich sinnvolleren Dingen …

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    • Das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe schon Ende der 1980-er Jahre aufgegeben, den Spiegel zu kaufen, weil mich der Spiegelstil nervte. Inzwischen ist die Postille immer weiter nach rechts gedriftet, so dass Ex-Bild-Schmock Nikolaus Blome sogar Chefredajkkteur werden konnte. Jetzt reizt mich das Heft nicht mal, wenn er beim Friseur rumliegt.

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  3. Pingback: Von beleckten Buntstiften und zermanschten Kartoffeln

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