Coster liest den Herbst von drinnen

Kategorie KopfkinoZur herbstlichen Melancholie habe er keine Lust, sagte Coster. Der dubiose Professor für Pataphysik an der Technischen Hochschule Aachen schaute aus dem Fenster hinüber auf den kleinen Park. “Ich mag es, wenn die Bäume sich biegen und vergeblich vor dem Wind verneigen, der ihnen mitleidslos die Blätter raubt. Aber auch wenn kaum Wind geht wie heute und unablässig Regen fällt, als würde es nie mehr etwas anderes geben, und ich stehe am Fenster, die Beine am Heizkörper, durch den wohlig warm das Wasser blubbert, das lässt mich angenehm schaudern.“

„So schwärmerisch kenne ich Sie gar nicht“, sagte ich. „Das würden Sie anders sehen, wenn Sie nur eine nasse Parkbank hätten und Ihnen der Regen die Zeitungen durchweicht, mit denen Sie sich bedeckt halten.“
„Natürlich“, murmelte er und wandte sich vom Fenster ab. „So lange ich kein Leben als Obdachloser führen muss, erlaube ich mir, den Herbst zu lieben. Da stehe ich morgens auf und weiß nicht wo anfangen vor lauter Schaffensdrang. Früher habe ich die Zeit auch gern in der Institutsbibliothek verbracht. Denn gibt es eine bessere Gesellschaft als ein kluger Geist, der zwischen Buchdeckeln wohnt? Du klappst das Buch auf, und Blatt für Blatt spricht er zu dir. Wusstest du, dass das Umwenden der Seiten in Tibet als wesentlicher Bestandteil des rituellen Lesens gilt? Die Tätigkeit ist ein Teil der Verbalisierung. Coster verstummte und sah wieder hinaus. Dann sagte er leise: Bei Rudolf Arnheim habe ich schöne Verse von der amerikanischen Dichterin Denise Leverton gefunden: Weiterlesen

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