Gedanken über einen braunen Schildermaler

Kategorie zirkusmerkel-muss-weg1Es gibt Köpfe, die möchte man lieber nicht haben. Nicht für zwei Sekunden möchte ich den Kopf des Mannes haben, der sich hinsetzt und ein Schild „Merkel muss weg“ lettert. Was mag er sich gedacht haben, als er seine Buchstaben gemalt hat? Ist ihm, indem er sich auf die sauber ausgeführte Form seiner Groteskbuchstaben konzentrierte, der Sinn vielleicht unwirklich geworden, sogar ganz entfallen, wie ein Wort seinen Sinn verliert, wenn man es oft genug aufsagt? „Merkel muss weg!“ ist ja, wenn mans harmlos betrachten will, in seiner eindringlichen Alliteration und Einsilbigkeit eine ganz kleinkindliche Forderung. Sowas fordert keiner mit Verstand, womit ich mich schon mal vorsorglich bei den Kindern entschuldigen möchte. Die Ähnlichkeit liegt im magischen Denken, bei dem alles verschwinden kann, wenn man nur die Augen schließt.

Wenn Menschen mit dem Verstand eines Erwachsenen derlei fordern, lässt es sich nicht mehr mit kindlich magischem Denken entschuldigen. Dass jemand „weg muss“, fordert einen Akt der Gewalt. „Muss weg“ richtet sich gegen die physische Existenz. Das geht nicht nur gegen Frau Bundeskanzlerin Merkel, sondern auch gegen die Flüchtlinge, deren Hiersein man ihr anlastet. Es wurden ja bei Pegida-Demonstrationen schon Galgen für Politiker gesehen. Und von Schießbefehlen gegen Flüchtlinge war auch schon die Rede. Wer in diesem geistigen Umfeld ein Schild „Merkel muss weg!“ in die TV-Kameras hält, kann sich nicht rausreden, er habe nicht gewusst, welchen Ungeist er stärkt. Der ist von einer derart barbarischen Unmenschlichkeit, dass es einen schütteln muss, wenn man ein bisschen Anstand, Herzensbildung und Kultur in sich hat. Was glaubt wohl der Schildermaler, welchen Beitrag er zur öffentlichen Diskussion leistet? Wir wollen solche Töne nicht. Sie führen zu Galgen am Wegesrand, bejubelt von einer Meute mit Fackeln, Sensen und Dreschflegeln. Diese Leute wollen nicht die abendländische Kultur verteidigen, sondern in ihrem kackbraunen Sumpf ersäufen.