SF-Kurzgeschichte – Auf ewig ohne Halt

Fotomontage und Gif-Animation: JvdL

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Es wäre ja wohl klar, wem das absolute Halteverbot gelte, sagte Botschafter Brockhaus. Nur die Erdbewohner des westlichen Kulturkreises könnten seine Bedeutung überhaupt verstehen. In geringer entwickelten menschlichen Kulturen betreibe man weder Automobile noch Raumfahrt, werde mithin auch nicht mit dem Verkehrsschild konfrontiert.

Er könne darin keine Diskriminierung irdischer Lebewesen aus der westlichen Hemisphäre erkennen, sagte der für die Beschwerde zuständige Beamte der Unteren Galaktischen Verkehrsbehörde. Sein Name wurde von den gängigen Übersetzungsprogrammen als Hono Kono transkribiert, was sie fälschlich übersetzten mit „Sardonisches Grinsen.“ Wenn keine Notwendigkeit bestünde, das absolute Halteverbot auszuweisen, wäre es nicht am Rande des solaren Planetensystems platziert worden.

Botschafter Brockhaus hob zweifelnd die rechte Braue und senkte die linke, und hoffte, man würde daraus auf seinen Unmut schließen. Aus der Tatsache, dass das Schild platziert wurde, erschließe sich nicht der Sinn der Maßnahme, wandte er ein. Seine Regierung betrachte ein absolutes Halteverbot just dort als reine Willkür. Schließlich gäbe es keinerlei Belege dafür, dass in der Randzone des solaren Planetensystems überhaupt jemand von der Erde halten wollen würde.

Das Schild sei nun mal da, entgegnete Hono Kono. Seine Sinnhaftigkeit infrage zu stellen, wäre gleichbedeutend mit einem Zweifel am Galaktischen Betriebssystem überhaupt und würde ihn zutiefst kränken.

Auf der Erde habe man schon von Schweren Ausnahmefehlern im Galaktischen Betriebssystem gehört. Vertrauenswürdige Gewährsleute hätten davon berichtet. Sogleich bereute Botschafter Brockhaus, dass er sich zu dieser Bemerkung hatte hinreißen lassen. Wie vertrauenswürdig der Blogger Trithemius wirklich war, wusste er nicht. Aber das absolute Halteverbot war ein Ärgernis. Ein Stachel im Fleisch der Menschheit. Es verhöhnte alle Anstrengungen zur Entwicklung der Raumfahrt.

Hono Kono räusperte sich. Niemand habe behauptet, dass irdische Raumfahrer am Rand des solaren Systems anhalten wollten. Aber irgendwo weiter draußen würden sie doch halten wollen, beispielsweise um ferne Welten zu erkunden. Darum gehe es. Die Galaktische Gemeinschaft intelligenter Wesen lege von hier bis unendlich keinen Wert darauf, von irdischen Bewohnern erkundet zu werden. „Durchreisen ja, aber niemals anhalten. Beachten Sie den Pfeil!

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9 Kommentare zu “SF-Kurzgeschichte – Auf ewig ohne Halt

  1. Die Untere Galaktische Verkehrsbehörde? Und das Galaktische Betriebssystem? Ich vermute mal, dass deine Vorstellungen von fernen Welten und Leben im All deutlich fundierte sind, als die üblichen Heldenepen, die uns im Kino und im Privatfernsehen geboten werden. Bürokratisch eben. Aber wer sich mit deutschen Autofahreren auskennt, erst recht mit französischen oder italienischen, wird wenig Hoffnung haben, dass ein solchen Halteverbot eingehalten werden könnte, es sei denn, die Untere Galaktische Vekehrsbehörde verfügte über Abschlepp-Raumfahrzeuge, die Falschparke gleich im nächstbesten schwarzen Loch entsorgte.

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    • Vor einiger Zeit hörte ich einen Astrophysiker zum Thema. Er sagte, bevor eine außerirdische Intelligenz die hochkomplexe Technik für interstellare Raumflüge entwickeln könne, müsse sie vorher die destruktive Phase der Aggression hinter sich gelassen haben. Das spricht wohl auch gegen Heldenepen wie Hollywood sie sich vorstellt, wo es auf Raumschiffen zugeht wie auf Flugzeugträgern der US-Army. Da kann man nur hoffen, dass die Untere galaktische Verkehrsbehörde bei aller Friedensliebe noch über energische Politessen verfügt, die nicht nur Strafzettel ausstellen, sondern die von dir vorgeschlagene Sanktion veranlassen würden.

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