Sommer in Hannover – Ein sehenswerter Heimatfilm

kategorie alltagsethnologieIn meiner visuellen Neugier bin ich schon immer ein gefräßiger Banalisierer gewesen. Nachdem ich von Aachen nach Hannover gezogen war, erkundete ich meine neue Heimatstadt und Umgebung mit dem Fahrrad. In Aachen hatten mich jeder Laternenpfahl, jeder Strauch begrüßt. In 25 Jahren war ich soviel mit dem Fahrrad rumgefahren, dass es nichts mehr zu entdecken gab. Ach, wie wunderbar war es da, eine Stadt neu zu entdecken. In dieser Zeit der ersten Begeisterung habe ich in Hannover und im Umland gefilmt. Anfangs war das aufregend, denn jede Weggabelung zwang mich zu einer Entscheidung und war begleitet vom Bedauern, dass ich den anderen Weg nicht nehmen konnte. Mit der Zeit fuhr ich die alternativen Abzweigungen oder ich gelangte von der anderen Seite hin und erkannte die Stelle. So löschte ich fast jeden weißen Fleck der Stadt auf meiner inneren Landkarte. Inzwischen habe ich auch Hannover entzaubert. Die Wege sind mir alltäglich geworden. Manchmal langweile ich mich, weil ich genau weiß, da ist dies und da das. Zum Ende des Jahres will ich weg sein aus Hannover. Folgendes Video aus dem August 2009 spiegelt noch meine anfängliche Begeisterung für diese Stadt, in der ich bald acht Jahre fast zuhause war. Und jetzt: viel Vergnügen beim Anschauen …

Übrigens, wer mein Trommelspiel am Mittellandkanal bei 2:20 ein wenig asynchron findet – ich hätte es besser gekonnt, die Filmmusik ist erst nachträglich zugefügt.

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19 Kommentare zu “Sommer in Hannover – Ein sehenswerter Heimatfilm

  1. Du bist ja ein Künstler. 🙂
    Einfach wunderschön und witzig. Da ist ja von Komödie bis Meryl Streep Drama, Stimmungsmäßig alles mit dabei und das in kaum mal zehn Minuten. Das finde ich bewundernswert. Und natürlich endet es mit einem Feuerwerk. 🙂 Interpretiere ich da zu sehr, wenn ich sage – Ein Video so Facettenreich wie „seine“ Stadt. Ich fand es jedenfalls herrlich kurzweilig. Zum Ende hin war ich sogar eins, zweimal richtig berührt.
    Ich hoffe, du wirst einen hübschen neuen Ort für dich finden, lieber Jules.
    Liebe Grüße, Jenny

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    • Herzlichen Dank, liebe Jenny, du hast mit deinem liebenswerten Kommentar meinen gestrigen Abend gerettet. Ich hatte nämlich schon enttäuscht gedacht, „keiner schaut sich den Film an“, und dann dieses schöne Lob von dir. Es gibt natürlich noch mehr zu sehen in Hannover. Hier Folge 1. Wenn du mal Zeit hast … viel Vergnügen!

      In meiner Antwort an Mitzi steht Folge 2. Ich werde vermutlich nach Aachen zurückgehen. Dankeschön für deine guten Wünsche und lieben Gruß,
      Jules

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  2. Schöööööön! ✨Vielen lieben Dank für den zünftigen Heimatkunde-Unterricht! Sogar mit Feuerwerk und Live-Interview…Mit dir mit dem Fahrrad mitzufahrenist ja, als wenn man selbst führe, ich bin begeistert! Habe ich das auf meinem kleinen Display richtig gesehen, dass der abstürzende Drachen die Deutschlandfarben trug? …Auf dem Mittellandkanal herumsprintende Ruder-Mannen mit einem Wahnsinns-Zug (Olympia mindestens wenn nicht sogar noch was ganz anderes) und Interviews, Live-Musik von den Radetzky-Rockern und jede Menge Landschaft….
    (…und für was der Christian zuständig ist, das wissen wir jetzt auch👌)
    Es hat sehr viel Spaß gemacht, Dein hannoveranisches Filmjuwel zu verkonsumieren. Lustig und liebenswert…mit viel Liebe zum Detail. In Deinem kleinen Heimatfilm steckt für mein Empfinden mehr Heimat als in einem Film mit Rudolf Prack und der Zieje Sonmann.
    Weißt Du schon eine ungefähre Richtung, in die Du ziehen willst…?

    Liebe Grüße von der Karfunkelfee ✨

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    • Gerne. Freut mich, dass der Film dir gefallen hat. Hab gerade noch mal nachgeschaut. Der abstürzende Drachen ist nur gelb. Das Rennen der Ruderer findet übrigens auf dem Maschsee statt. Ich habe von der Promenade am Nordufer gefilmt. Es gibt eine hübsche Ergänzung zum Live-Interview, in dem wir erfahren, wofür Christian zuständig ist. Der Vortrag der Dame Pressesprecherin, die vor lauter Erzählfreude nicht nur vergisst, was ich sie gefragt habe, sondern meine Speicherkarte vollquatscht, bricht ja ab mit „Ich bin“. Blogfreund und Dadaexperte Merzmensch hat ein Video gemacht, das ähnlich endet und quasi die sympathische Antwort gibt auf das selbstbezügliche „ich bin.“

      Lieben Gruß,
      Jules
      P.S.: Ich will ins zurück Rheinland.

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  3. Mit diesem Film in den Sommertag zu starten ist toll. So kurzweilig, vielseitig und dicht könnte ich gar nicht anders als stehen zu bleiben und ihn in aller Ruhe anzuschauen. Schmunzelte bei „Speicherkarte voll“ und habe das Gefühl Hannover jetzt ein ganz klein wenig zu kennen. Oder bessert eine kurze sehr persönliche Führung erhalten zu haben.

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      • Dieses Videotagebuch ist großartig, lieber Jules. Ich bin begeistert. So unterschiedlich die einzelnen Szenen sind, so gut passen sie am Ende zusammen. Warum, kann ich nicht sagen. Vielleicht weil es sich beim anschauen anfühlt als würde man die Erlebnisse eines Wochenendes Revue passieren lassen. Ordentlich ist die Jugend in Hannover. Sie stellen ihren McDonalds Müll ordentlich aufs Brett ;). Am besten gefiel mir der Weg am Ufer entlang. Etwas wackelig, so als würde man selbst durch die Büsche streifen. Und für den Schwiegervater hoffe ich auf eine gnädige Versicherung.

        Danke für die Abendunterhaltung.

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        • Danke dir, liebe Mitzi. An dieser Folge würde ich was ändern wollen, aber inzwischen sinds in sich geschlossene Werke. Es gibt ja noch eine 4. Folge „Herbst kommt nach Fahrplan“ – danach ist mir die Kamera aufs Objektiv gefallen. Die Schnippsel, die ich mit der neuen gedereht habe, konnte ich auf meinem alten Rechner nicht verarbeiten, weshalb die VIdeotagebücher keine weitere Fortsetzung mehr bekommen haben. Heute, nach dem Schlaganfall, bin ich nicht mehr so sicher auf dem Rad, dass ich das einhändige Radfahren und gleichzeitige Filmen nicht mehr wage. Es ginge aber vom Boden aus. Mal sehen.

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  4. Ich kenne ihn ja schon, habe ihn mir nun noch zweimal angesehen, einmal ohne Ton (Dienstcomputer), einmal mit – ich war ganz ganz froh, ehrlich gesagt, als die Marschmusik zu Ende war.;-)
    Als ich Hannover wieder verließ, habe ich es ohne große Wehmut getan – ganz nett, die Stadt, aber mein „Herz“ hatte sie nicht gewonnen. Allerdings habe ich nur ein halbes Jahr da gewohnt und keine acht Jahre.

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    • Es gab in meiner Jugend in meinem Heimatdorf nicht viele Möglichkeiten. Meine Mutter drängte mich, ins Tambourcorps einzutreten. Das hat mich vielleicht nachhaltig verdorben, denn es schlummert da in mir eine Affinität zur Marschmusik, weshalb ich dich leider damit gequält habe. Immerhin habe ich dort trommeln gelernt und kam so zum Schlagzeugspielen. Ich trat aus dem Corps aus, als kolportiert wurde, ich würde rausfliegen, wenn ich nicht zum Friseur gehen würde.
      Ich frage mich übrigens, ob Köln inzwischen dein „Herz“ gewonnen hat.

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      • „Ävver et Hätz bliev he in Kölle“, singen die Höhner. So ist es bei mir nicht, auch von Haßliebe kann man bei mir nicht sprechen, das ist zu stark in beide Richtungen (frei nach Heinemann: Ich liebe keine Städte, ich liebe Frauen). Aber ich lebe gerne hier, lieber, als irgendwo anders. Der Rhein, die Parks, die vielen schönen Ecken – nur die vielen Leute nerven manchmal, der Verkehr und die vielen Baustellen.

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        • Ein Freund sagte mir mal: „Du musst der Stadt auch eine Chance geben.“ Bei deinen fotografischen Streifzügen durch Köln, erkenne ich diese Absicht. Samstag bin ich in Köln, aber leider schon verplant, denn ich besuche Sohn und Enkelin.

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          • Genau, man darf nicht zu streng sein, die optimale Stadt gibt es nicht.
            Der Gedanke, was mir hier besonders gefällt, kreiste durch Deinen Anstoß noch ein bißchen in meinem Kopf herum: Es sind die fast kleinstädtischen Viertel einerseits, andererseits die große Anonymität: Ich treffe nur selten jemanden, den ich kenne, durch Zufall. Das ist genau das, was ich will.

            Viel Spaß bei Deiner Familie!

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