Costers Dilemma

Costers Wirkungsstätte (Foto und Montage: JvdL)

Costers Wirkungsstätte (Foto und Montage: JvdL)

Er habe sich auf den ersten Blick in seine Zahnärztin verliebt, sagte Coster, der dubiose Professor für Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte an der Technischen Hochschule Aachen. Derlei wäre ihm noch nie passiert. Freilich wäre er bislang immer bei Zahnärzten gewesen, bei denen nur die Kategorie Sympathie oder Antipathie eine Rolle spiele. Sobald aber die weibliche Komponente ins Spiel komme, könne er sich leider nicht auf sich verlassen. Jedenfalls freue er sich in einer Art perversen Lust auf seinen nächsten Zahnarzttermin. Das habe ihm zu denken gegeben, denn die normale Reaktion wäre doch die Suche nach Vermeidung, und läge man erst auf der Pritsche, spiele man mit Fluchtgedanken, bis letztlich sich ein lähmender Fatalismus einstelle, vergleichbar dem, wie sich eine Antilope zwischen den Zähnen eines Krokodils ihrem Schicksal fügt. Die Notwendigkeit, vor einem Fremden das Maul zu öffnen, ihm zu gestatten, mit diversen spitzigen Geräten darin herum zu hantieren, sei ja deshalb so fürchterlich, weil all diese zum Teil schmerzhaften Verrichtungen sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ichwahrnehmung ereignen würden, die ja bei den meisten irgendwo im Kopf zu wohnen scheine. Die Mauern dieser Wohnung bringe der Zahnbohrer auf das Abscheulichste zum Dröhnen und Vibrieren, wodurch Urängste mobilisiert würden, die normalerweise nur der Panik bei Erdbeben vorbehalten wären. Abgesehen davon wäre ja der eigene Mund etwas höchst Privates und normalerweise der Lustempfindung bei der Nahrungsaufnahme vorbehalten. In dieser privaten Höhle würde man als Mann keine fremden Dinge wollen, vielleicht abgesehen von gewissen Körperteilen einer sexuell begehrenswerten Frau.

Dass er bei sich diesen Wunsch nach Nähe zu seiner Zahnärztin spüre und nötigenfalls die bedrohlichen zahnmedizinischen Gerätschaften in seinen Mund zu lassen, wäre doch im höchsten Maße beunruhigend, zumal die Weltgeschichte ja voller Männer sei, die wegen einer Frau sehenden Auges ins Verderben gegangen sind. „Du lieber Himmel, Coster“, sagte ich, „da haben Sie echt ein dickes Problem.“

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14 Kommentare zu “Costers Dilemma

  1. Da kann man für Coster nur hoffen,dass die Gefühle gegenseitig sind. Da ist mit Sicherherit Feingefühl gefragt, wer weiss, wie die Zahnärztin ggfs. ihr Desinteresse signalisiert 😉

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      • Die durchschnittliche Suizidrate für beide Geschlechter zusammen beträgt 12,5
        für die Gesamtbevölkerung, 20,9 für das Ärztepersonal, 20,0 für das
        Zahnärztepersonal und 13,6 für das Gesundheits- und Krankenpflegepersonal.
        Für den weiblichen Anteil der jeweiligen Gruppen liegt die Suizidrate für die
        Gesamtbevölkerung bei 7,8, für Ärztinnen bei 16,0, für Zahnärztinnen bei 17,1
        und Gesundheits- und Krankenpflegerinnen bei 7,5.
        Beim männlichen Anteil der untersuchten Gruppen ist die Suizidrate wie folgt:
        17,4 in der Gesamtbevölkerung, 25,0 bei Ärzten, 22,6 bei Zahnärzten und 43,5
        bei Gesundheits- und Krankenpflegern.

        aus einer Dissertation von 2016, (die Daten sind aus dem Hamburger Landeskriminalamt,
        Todesermittlungsverfahrensakten, Januar 2007 bis Juni 2014)

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  2. Zunächst wollte ich Coster anbieten, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Ich hätte ein ganz klein wenig Erfahrung einbringen können, da ich mich mal in eine Zahntechnikerin verliebt habe. Ich liebe sie immer noch, aber sie ist nun keine Zahntechnikerin mehr – hat umgeschult.
    Dieser Umstand, und dass eine Zahntechnikerin doch noch ein Stück von einer Zahnärztin „entfernt“ ist, lässt mich aber diesen Plan verwerfen.
    Grüßen Sie ihn trotzdem recht herzlich!
    Heinrich

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    • Eine Selbsthilfegruppe wäre hilfreich, aber da sie nicht zustande kommt, fürchte ich, dass Coster ganz alleine durch muss. Was bedeutet „umgeschult“ im Fall Ihrer Zahntechnikerinnenliebe?
      Die herzlichen Grüße sind angekommen. Dankeschön,
      Jules

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  3. Lieber Jules, dies ist das erste like, das ich vergebe ohne den Text wirklich gelesen zu haben. 😔
    Ich kann nichts über Zahnarzt Bohrer lesen ohne Gänsehaut und Schüttelfrost zu bekommen. Weil ich aber Coster Texte bisher immer mochte, drück ich gefällt mir. Ihr könnt ja nichts für meine Aversion 😉

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    • Liebe Mitzi, da zeigt sich das like als was es tatsächlich ist – eine Ich-war-hier-Marke. Es ehrt dich, dass du sie wahrhaftig qualifizierst, weils ja niemand außer dir wissen kann. Ich freue mich jedenfalls zu sehen, dass du hier warst und bedauere, dich mit dem Textinhalt in Nöte gebracht zu haben.
      Schönes Wochenende,
      wünscht Jules

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  4. Also meine Zahnärztin ist auch sehr attraktiv, da sie mich aber ganz offensichtlich mit der gleichen Begeisterung wahrnimmt wie einen gefällten und entrindeten Baum am Wegesrand, verschwende ich keine Gedanken an ihr Aussehen oder ihre Freundlichkeit, sondern halte einfach mal die Klappe – so weit man das voneinem weit aufgerissenem Maul sagen kann.

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    • Ein „gefällter und entrindeter Baum am Wegesrand“ ist ein hübscher Vergleich. Wie Coster berichtet hat, schlug ihm von seiner Zahnärztin durchaus Sympathie entgegen, wobei noch nicht klar ist, wie die geartet ist. Das gilt ja auch für einen entrindeten Baum am Wegesrand. Ein Holzbauer oder Zimmermann kann sich sicher daran erfreuen.

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