Costers Dilemma

Costers Wirkungsstätte (Foto und Montage: JvdL)

Costers Wirkungsstätte (Foto und Montage: JvdL)

Er habe sich auf den ersten Blick in seine Zahnärztin verliebt, sagte Coster, der dubiose Professor für Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte an der Technischen Hochschule Aachen. Derlei wäre ihm noch nie passiert. Freilich wäre er bislang immer bei Zahnärzten gewesen, bei denen nur die Kategorie Sympathie oder Antipathie eine Rolle spiele. Sobald aber die weibliche Komponente ins Spiel komme, könne er sich leider nicht auf sich verlassen. Jedenfalls freue er sich in einer Art perversen Lust auf seinen nächsten Zahnarzttermin. Das habe ihm zu denken gegeben, denn die normale Reaktion wäre doch die Suche nach Vermeidung, und läge man erst auf der Pritsche, spiele man mit Fluchtgedanken, bis letztlich sich ein lähmender Fatalismus einstelle, vergleichbar dem, wie sich eine Antilope zwischen den Zähnen eines Krokodils ihrem Schicksal fügt. Die Notwendigkeit, vor einem Fremden das Maul zu öffnen, ihm zu gestatten, mit diversen spitzigen Geräten darin herum zu hantieren, sei ja deshalb so fürchterlich, weil all diese zum Teil schmerzhaften Verrichtungen sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ichwahrnehmung ereignen würden, die ja bei den meisten irgendwo im Kopf zu wohnen scheine. Die Mauern dieser Wohnung bringe der Zahnbohrer auf das Abscheulichste zum Dröhnen und Vibrieren, wodurch Urängste mobilisiert würden, die normalerweise nur der Panik bei Erdbeben vorbehalten wären. Abgesehen davon wäre ja der eigene Mund etwas höchst Privates und normalerweise der Lustempfindung bei der Nahrungsaufnahme vorbehalten. In dieser privaten Höhle würde man als Mann keine fremden Dinge wollen, vielleicht abgesehen von gewissen Körperteilen einer sexuell begehrenswerten Frau.

Dass er bei sich diesen Wunsch nach Nähe zu seiner Zahnärztin spüre und nötigenfalls die bedrohlichen zahnmedizinischen Gerätschaften in seinen Mund zu lassen, wäre doch im höchsten Maße beunruhigend, zumal die Weltgeschichte ja voller Männer sei, die wegen einer Frau sehenden Auges ins Verderben gegangen sind. „Du lieber Himmel, Coster“, sagte ich, „da haben Sie echt ein dickes Problem.“

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